Donnerstag, 25. Juni 2015

25.06.15 - Das Paktl


Da ereilt uns die Nachricht, dass ein Paktl auf uns wartet. Also, losgefahren, abgeholt, heimgefahren, ausgepackt. Und dann - 
 
das:


und das:



und dann auch noch das:



und das:




Es ist sogar für mich, die ich ja in Österreich geboren und aufgewachsen bin, also dort, wo man eh schon auf die Butterseite dieser Welt gefallen ist, schier unglaublich. Werdende Eltern kriegen vom Staat alles zur Verfügung gestellt, was ein kleiner Mensch für einen guten Start in dieses Leben braucht. Dazu gehört ganz viel Gwand mit allem, was man sich nur vorstellen kann, aber auch Schlafsack, Badetuch mit Kapuze, Schianzug, Wollmütze, Handschuhe, eine Matratze, Spielzeug, gar ein Bett (die Schachtel wird als solches verwendet für die ersten paar Monate), Leintücher, Bürste für Haare und Zähne, Windeln, das erste Buch, aber auch was für Eltern wie Brustwarzenheilcreme, Kondome, Thermometer für Bad und Fieber und Einlagen. Und vieles hab ich jetzt noch gar nicht erwähnt, weils für mehr als ein erstes Überfliegen der Dinge noch gar nicht gereicht hat.
 
Da breit ich also alles auf unserem Küchenboden aus, geh drum herum, bleib stehen, staune, steig drüber, schaue, nehm wieder mal was in die Hand, und ich bin echt beeindruckt. Erstens mal davon, was es überhaupt alles gibt, und dann natürlich davon, dass das echt einfach so zu uns kommt. Ohne Rechnung, ohne Auflagen. Ich muss zugeben, ich hab von diesem Paktl woll schon gehört. Aber ich hab mir niemals so etwas darunter vorgestellt. Und das Geniale ist, dass jede/r dieses Paktl kriegt. Einzige Bedingungen: Schwangerschaft, fester Hauptwohnsitz für ein paar Monate (4 oder 6 oder so) und Teilhabe an der Sozialversicherung. Dh beinahe jedes in Finnland geborene Kind kriegt vom Staat die Möglichkeit für einen guten Einstieg, völlig unabhängig von der finanziellen Situation oder vom Status der Eltern.
 
Und das Beste: es ist nix in pink oder hellblau :-)! Bitte nicht falsch verstehen. Ich hab nix gegen diese Farben. Wir haben sogar schon was stylisches Geschlechtsspezifisches. Aber mit diesem Paktl wird das kleine Wesen eben noch nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt. Es darf also in erster Linie einfach mal Mensch sein und wird vorerst noch verschont von all diesen komischen menschengemachten Ideen und Schubladen, die das Leben manchmal etwas kompliziert machen können.
 
Wir sind also gerüstet.
Und harren geduldig weiterer Dinge :-).
 
Habts es guat!
 
Pfiat enk und Hej då - d'Birgit
 
 
 
 
 
 



Sonntag, 14. Juni 2015

14.06.15 - Und schon wieder Abschied

 

 
 
Ich bin nicht gut im Abschiednehmen. Doch es ist wieder Zeit.
 
Tirol hat sich mir - auch - von seinen schönsten Seiten gezeigt. Liebe Menschen, die hier leben und trotz Entfernung an einer Bindung mit mir festhalten und dabei sind, unglaublicher Farbenreichtum in der Natur, die unterschiedlichsten Gestalten, die kriechen, fliegen, rennen, spielen, schauen, klettern, zusammengefasst unter der Bezeichnung "Tiere", frische Bergluft und stehende Stadthitze, der Fön, (Natur-)Klänge, wie sie nur hier entstehen und sein können  - das alles und noch so viel mehr ist Ausdruck von diesem einen Begriff Tirol.
 
"Tirol ist so genial, und so zach, und auch alles mittendrin!" hat einmal ein lieber Freund sinngemäss gemeint. Wie recht er hat! Wie sehr ich auch mich in diesem Ausspruch finde. Ich liebe Tirol. Und manchmal machts mich so wütend (nach Belieben auszuwechseln mit fassunglos, grantig, genervt,...). Und das alles ist eh nur, weil ich es so mag.
 
Wie auch immer - die Zeit hier ist um. Und ich freue mich auf das finnische Hallo. Ich freu mich auf meinen lieben Kalle. Auf das Licht. Auf unser Häusl. Und auf diese unendliche Stille, Ruhe und Abgeschiedenheit. So weit weg von all dem "Man muss...!". Von der Enge in die Weite. Vom Tun zum Sein. Von den Bergen zum Meer. Von den vielen Menschen, die es in Tirol überall gibt, hin zur Leere. Aber auch - vom entspannten Draussensein hin zu Mosquitoschwärmen (jaja, auch das ist Finnland...).
 
Und wisst ihr, was das Genialste ist? Ich darf beides haben und leben. Dieses wunderbare Tirol und dieses fantastische Finnland.
 
Ich finde besonders schön, dass dieses Mal ein Brückenschlag zwischen Tirol und Finnland stattfinden wird. Meine Eltern fliegen mit mir und leben für ein paar Tage mit uns in unserm Wald. Ich bin ja schon sehr gespannt, wie's anderen Tirolern in Finnland so geht :-).
 
Hier noch ein Pfiati-Foto von und an Tirol:
 
 

 
Danke, pfiat enk und mochts es guat!
d'Birgit

Montag, 8. Juni 2015

07.06.15 - Emotionen


Da sing ich ganz unschuldig und froh ein Lied. Mit einem ganz einfachen, einprägsamen Text. Auch andere Menschen sind da. Ich schliesse die Augen, singe, wiege mich im Rhythmus, freu mich - und plötzlich rinnen meine Tränen. Ganz unvermittelt bin ich tief berührt, ganz weich werd ich, innere Wände und Schranken bröseln kraftlos in sich zusammen, Bilder kommen, dringen mit all ihrer Eindringlichkeit unmittelbar vor bis zu meiner Essenz, und gehen wieder, und ich werd mir der Grösse und der Besonderheit dieses Moments, dieses Lebens bewusst.
 
Ich geh auf den Berg. Bin ergriffen von diesen vielen Farben, von der Wärme, mit der die Sonne meine Haut berührt, von der Luft, die so nur in den Alpen vorkommt. Und so spazier ich dahin. Stelle fest, dass sich die Bedürfnisse den Gegebenheiten anpassen, und ich möchte nicht mehr wie früher "Haupsoch auffi", sondern ich möchts fein haben. Und so gehe ich nach links. Dort, wo kein Gipfel ist. Und kein Schnee. Und wos grün ausschaut. Und sanft. Dann ziehts mich nach rechts. Dorthin, wo kein Steig mehr führt. Und plötzlich seh ich sie. Die Murmalen (Manggä/Murmeltiere). Sie spielen. Raufen. Rennen herum. Rollen sich den Hang hinunter. Springen auf. Wuzeln sich am Rücken über den Boden. Und auch hier - ehrfurchtvolles Innehalten und Tränen, die ans Tageslicht wollen.
 
Ja, ja, die Hormone sinds, hör ich werte Küchenpsychologen eine ferne Diagnose stellen.
Überempfindlichkeit? Gar Probleme? Traurigkeit?
Nein, nein. Mitnichten! Das, was ist, ist, dass das Leben mich in seiner ganzen Intensität berührt. Und trifft. Und ich finds ganz wunderbar!
Wenn du dir um die Besonderheit eines dir nahen Menschen bewusst wirst, wenn du das Leben in all seinen Facetten und Formen siehst, riechst, spürst, wenn sich dir die stete Veränderung und somit die Vergänglichkeit zeigt, dann kann und darf sich die Emotion schon mal durch Tränen Ausdruck verleihen.

Mögest du, liebe/r LeserIn, lachen, weinen, dich freuen und ergriffen sein.
Mögest du glücklich sein!
Das wünscht von Herzen -
d'Birgit