Endlich haben wir es wieder einmal fertiggebracht, einen gemeinsamen Termin zu finden. Schon viel zu lange haben wir uns nicht mehr gesehen.
U. Sie ist meine erste Freundin hier in Finnland. Sie hat mich meine anfänglichen Sprachschwierigkeiten nie spüren lassen. Und sie hat uns beinahe die gesamte Erstausstattung für Max, inklusive Bett und Kinderwagen, zur Verfügung gestellt. Da tut es nichts zur Sache, dass wir eigentlich grundverschiedene Menschen sind mit unterschiedlich gelagerten Prioritäten.
Wir treffen uns in Tesses Café. Seit ich aufgehört habe, Vergleiche mit früher anzustellen, finde ich es dort recht gemütlich. Ich bin schon viel früher da und finde zum Glück einen Platz im hinteren Teil, der mit seinen kleinen Tischen und dem Holzboden viel ansprechender ist als der vordere mit dem Fliesenboden und seinen Glasplatten auf den viel zu grossen Tischen. Ich trinke meinen Tee. Und blättere in der Zeitung. Und geniesse diesen kleinen Moment der Auszeit.
Sie kommt. Eine neue Frisur umspielt ihr Gesicht und sie strahlt, wie man nur strahlen kann, wenn man strahlt. Wir lachen viel. Sie erzählt von sich. Ich erzähle von mir. Und wir stellen fest, wir sind beide unterwegs, soll heissen, in Bewegung. Innen drin. Jede versucht auf ihre ganz eigene Art, ihr Leben aktiv zu gestalten und auszuprobieren. Wenn das nicht ein genialer Konsens ist! Wohl hats mir getan. Und leicht im Herzen bin ich ins Auto gestiegen, hab noch mal gewunken und bin losgefahren.
Und augenblicklich war ich wie berauscht. Ja. Das Treffen war schon nett. Und gut. Aber das war es nicht, was diese plötzliche Hochstimmung in mir verursacht hat. Vielmehr das: Es war hell! Um halb 8 am Abend. Hell!!! Oh... Wenn man Licht in sich aufsaugen kann, dann habe ich es in diesem Moment gemacht. Licht bringt Leben. Das ist nicht nur so dahingesagt oder gilt nur für Zimmerpflanzen oder so. Es ist tatsächlich so. Ich spürs. Das Leben reibt sich die Augen, streckt sich noch mal und - hohopp - aussa ausm Bett! Oh, wie leicht plötzlich alles erscheint! Und wie die Ideen sprudeln. Und wie gross die Lust aufs Ausprobieren ist. Oh, wie ich es geniesse. In diesem Augenblick hab ich dem Frühling die Hand geschüttelt und ihn willkommen geheissen. Und keine einzige Träne weine ich dem Winter nach. Soll er sich doch bitte verkrümeln hinter den sieben Bergen oder sonst wohin und sich nie, nie mehr wieder blicken lassen!
Es ist schon so. Der finnische Winter zieht tiefe Furchen in den Gesichtern und im Gemüt.
Man kann die Erleichterung und die Freude förmlich spüren. Sie geht wie ein Ruck durchs Land. Plötzlich sind wieder viel mehr Menschen draussen unterwegs, egal ob in der Stadt oder hier bei uns. Es lassen sich mehr Menschen von Max zu einem Lächeln verführen. Und überhaupt wird viel mehr gelacht und geredet. So erscheint es mir zumindest.
Es tut gut. Es tut so gut.
Hier noch ein Blick von Tesses Café hinaus in die Schärenlandschaft:
Schönen Frühlingsbeginn!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

