Sonntag, 26. Februar 2017

26.02.17 - Das Fettnäpfchen oder Don't worry, be happy!

 
Seit ca. 1 Jahr bin ich Mitglied einer Whatsapp-Gruppe. Nicht etwa, weil ich das so gewollt hätte. Ich wurde - freundlicher Weise - hinzugefügt.
Für  jene, die nicht wissen, was eine Whatsapp-Gruppe (WG) ist: Eine WG besteht aus mehreren Gruppenmitgliedern (GM). Wenn ein GM etwas schreibt , können alle anderen GM das lesen. Dasselbe gilt für jede Reaktion und jede Antwort. Was bedeutet, dass jedes GM freiwilliger bzw. unfreiwilliger Mitleser einer Unterhaltung wird. Ob man sich nun einbringt oder nicht.
Seitdem ich also GM der Familjcafegruppe bin, werde ich regelmässig piepsend und mit vielen Emoticons auf dem Laufenden gehalten über Babys und Kinder der Umgebung, ihre diversen Krankheiten und über ihre Mütter, die zum wöchentlichen Treff kommen oder eben nicht, und wenn nicht, warum.
Ich hab mich seit mehr als einem halben Jahr rausgehalten. Mangels Zeit und Lust und mangels Interesse, was Max ebenso betroffen hat wie auch mich.
Nur letzte Woche, da hab ich mir gedacht: Birgit, es isch Zeit. Max ist in einem Alter, da andere Kinder für ihn interessant werden, und, ja, mir schadets ja auch nicht. Vermutlich.
Also hab ich die Diskussion verfolgt. Es ging darum, ob ein Treffen zustande kommt oder nicht, weil ein Mädl vor ein paar Tagen Speibdusel hatte. Und da gings hin, und her, und wieder hin, und rundherum, und auf und ab, und, ja, ganz wild isches zuagangen. Jede Mami hatte eine Meinung dazu, auch jene, die eh nicht kommen wollten oder konnten. Irgendwann hab ich mir gedacht: Ok, du fühlst dich a bissl genervt von dieser schwammigen Freundlichkeit, wo man ausser zum Sumsen zu nix kommt und hast eine klare Meinung, also gib sie her. Das hab ich dann auch getan. Und - Sensepause. Nichts mehr. Totales Schweigen von allen Seiten. Hallo??? Ich hab das Handy gecheckt, obs eh noch geht. Habs geschüttelt, sogar aus- und eingeschalten hab ichs. Es kam nichts mehr. Geschlagene 6 Stunden lang.
Und da war klar: Ok. Ích habs wieder mal mit peinlicher Präzision geschafft, ins berühmte Fettnäpfchen zu treten. Wo? Wie? Keine Ahnung. Auch ein Diskurs mit dem, der es wissen müsste, zumal er ja ein "Doiga" ist, hat kein Licht ins Dunkel gebracht.

So ergehts mir da in diesem Land.
Lange, lange läufts gut. Ich red mit diesem und mit jener, habe immer mehr sprachliche als auch zwischenmenschliche Erfolgserlebnisse, fühle mich sicherer und gewandter,... Bis es wieder passiert: die Miene meines Gesprächspartners friert ein oder eine komplette Gruppe verfällt in eisiges Schweigen. Und ich steh da wie ein Schwammerl und kenn mich nicht aus.

Und dann leg ich eine Platte auf vom Bobby McFerrin, nehm den Grossen in die eine und den Kleinen in die andere Hand, tanz mit ihnen durch Haus und sing laut: Don't worry, be happy!

In diesem und im anderen Sinne:
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
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Freitag, 17. Februar 2017

17.02.17 - Die Verwandlung


Es war einmal ein Baum.
Verschiedensten Kreaturen Zuflucht geboten.
Dem Regen getrotzt, dem Sturm, der Kälte und der Hitze etwas entgegengesetzt.
Nach Höherem gestrebt.
Unermüdliches Verlangen.
Der Sonne entgegen.
Es war einmal ein Holzscheit.
In Form gehauen von einer schweren Axt und einem klaren Willen.
Aufeinander gestapelt.
Zum Warten verdammt.
Es war einmal ein Holzscheit.
Kleine Hände greifen nach ihm.
Kleine Hände werfen es mit einem lauten Knall in die Holztruhe.
Das Ende klar vor Augen.
Zum Warten verdammt.
Es war einmal ein Ofen.
Sein grosses, heisses, loderndes Maul frisst alles, was es bekommt.
Gieriges Verschlingen.
Es war einmal ein Holzscheit.
Es ist gut.
Die Zeit ist da.
Das Warten ist vorbei.
Den Schritt tun.
Loslassen.
Eingehen in die grosse Weite.
Eins werden.
 
Es war einmal eine Familie.
Diese Familie lebte in einem kleinen Häuschen in einem dunklen, kalten Land.
Doch sie war glücklich.
Denn sie hatte einen Ofen.
Sobald dieser entzündet wurde, das Holz in den Flammen knisterte und das Feuer alles in einen sanften Schein tauchte, wurde aus Kälte Behaglichkeit und klappernde Zähnen verwandelten sich in lächelnde Lippen.

Danke, lieber Baum!
Wir ehren deinen Tod.

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit


 
 
 

 



Samstag, 11. Februar 2017

11.02.17 - Vom Glück der räumlichen Distanz


Rund 2.500 Kilometer liegen zwischen da und dort, zwischen jetzt und früher, zwischen meinem neuen und meinem alten Leben.
 
Und dann hält man das Telefon in der Hand, und plötzlich ist die Distanz wie weggeblasen und alles ist wie gehabt. Und ich bin wieder mittendrin in meinen Gefühlen, in meinen Unzulänglichkeiten und, schrecklich bzw. peinlich genug, in meiner Unerwachsenheit.
Und der Abend ist gelaufen.
 
Pffffffff.
Wie alt muss ich eigentlich noch werden?
 
Ich setz mich hin.
Ich atme tief durch.
Ich schaue mich um.
Und ich sehe, mein Leben ist genau so, wie es meinen Idealvorstellungen entspricht.
Und ich schaue weiter.
Und ich stelle fest, dass ich endlich ein weitgehend von gesellschaftlichen Pflichten und von Anspruchs- und Erwartungsdenken anderer befreites Leben führen darf.
Hier.
In dieser Distanz.
Und plötzlich bin ich sehr glücklich.
Die Enge wird weit.
Luft strömt in meine Lungen.
Und mir wird klar: Ich muss nicht.
Nein. Ich muss gar nichts.

Ausser versuchen, glücklich zu sein, v.a. dann, wenn mir gar nicht danach ist.
Und hinter mir zu stehen, wenns drauf ankommt.

Puh.
Niemals langweiliges Leben.

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit




Freitag, 3. Februar 2017

03.02.17 - Das Nordlicht


Wenn in der klirrenden Kälte der nie endenden finnischen Nacht das Polarlicht in leuchtenden Farben spukhaft-flatternd über den Himmel huscht,
wenn die Stille der Dunkelheit sich wie eine Decke über die Landschaft legt und jedem Wesen, jedem Stein, jedem Wasser und jedem Partikel in der Luft seine wohlverdiente Auszeit  von der Rastlosigkeit des Lebens gewährt,
wenn der Schnee die Sterne auf die Erde holt,
wenn der stürmische Nordwind den Wald biegt und ihm einen Anstrich von Demut verpasst,
wenn der Mensch sich zurückzieht in seine Sauna, weil das der einzige Ort ist, der ihm Wärme, Licht, Schutz und Geborgenheit verspricht,
wenn die Kälte das Meereswasser gefrieren lässt,
wenn das Eis und das Wasser Hochzeit feiern und ihr singend-knirschend-polterndes Duett in die unendliche Schwärze des Universums schicken,
 
dann...
 
... sitze ich bei einer dampfenden Tasse Tee im Haus, schaue aus dem Fenster und denke mir: Auf Fotos schaut das immer sehr schön aus;
... schliesse ich meine Augen und versetze mich in bessere, will meinen sommrigere Zeiten, um meine tiefe Sehnsucht nach Leichtigkeit zu streicheln und zu nähren;
... ziehe ich mich warm an und trotze den Stürmen des Lebens inmitten dieser;
... ist alles dastunkn, dalogn und hemmungslos übertrieben, zumal wir bereits die erste, wenn nicht gar die zweite Runde des Klimawandels ausgelassen und selbstvergessen feiern - ganz nach dem Motto: wenn schon draufgehen, dann gscheit;
... mag ich, wie Worte Bilder entstehen lassen und diese durch meine Gehirnwindungen zum inneren Gefühlstopf fliessen;
... ist Winter in Finnland.

Die Kerze flackert.
Das Holz im Ofen knistert.
Max hämmert mit seinem Hammer gegen die Wände.

Und die Veränderung lebt.
Und verändert.
Und lässt jeden Augenblick verwandelt zurück.
Und erlebt jeden Augenblick neu.

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

                                          Bildergebnis für nordlicht
                                                                    entnommen dem srf.ch