Samstag, 23. Dezember 2017

24.12.17 - Frohe Weihnachten!


Weihnachten.
Ein Fest der Familie?
Ein Fest der Liebe und Freude?
Ein Fest der hohen Erwartungen?
Oder doch nichts als nicht eingestandener Stress?

Diese Woche haben wir uns wieder auf unsere alljährliche Weihnachtsrunde begeben. Jedes Jahr schnüren wir kleine Päckchen, schreiben selbstgestaltete Karten und verschenken diese an Menschen, die wir mögen, an Verwandte, an Freunde. 

Auf dem Weg von Mensch zu Mensch sind wir dem hochbetagten Mann begegnet, der seine Demenz kranke Frau seit Jahren pflegt, und der sich endlich eingestehen hat müssen, dass er nicht mehr kann. Nun ist sie auf der Liste für den nächsten freien Platz im Altersheim. Das werden ihre letzten gemeinsamen Weihnachten sein.
Wir sind  der Frau begegnet, die sich mit ihren 80 Jahren noch einmal so richtig verliebt hat. In einen Schweizer. Er weiss vermutlich nichts von seinem Glück, aber sie strahlt wie eine 15-Jährige und lacht und redet ohne Unterlass.
Wir sind der Frau begegnet, die von einer Reise mit der ganzen Familie nach Australien im kommenden Jahr träumt.
Und die Frau, die stets gezeichnet war von einem schweren Leben, die sich nicht mehr richtig bewegen hat können und nur sehr unzusammenhängend geredet hat, sie war auf den Füssen und hat erzählt und gelacht und getan, als sei das immer so gewesen.

Weihnachten.
Ein Fest wie jedes Jahr?
Ja. Wenn man Glück hat. 
Oder Pech. 
Und plötzlich kommt dann ein Weihnachten, da ist alles anders. 
Und man ist gezwungen, es anders zu gestalten.
Das Gute daran: Wie anders es auch immer sein möge, man wird sich arrangieren.
Der Mensch ist ein famoser Anpassungskünstler.
Und es geht einfach weiter. Das tut es ja immer. Ganz von selbst.

Und überhaupt, wird Weihnachten nicht überbewertet?
Einer meiner Freunde pflegt zu sagen: Weihnachten ist wie der gefühlte Weltuntergang. Jeder stresst und jeder meint: Aber vor Weihnachten sehen wir uns bestimmt noch mal. Grad so, als gäbs nach Weihnachten keine Tage mehr.
Auch das stimmt.

Wir haben uns für das Geniessen und gegen den Stress entschieden.
Wir ziehen uns nicht schön an.
Wir putzen nicht vorher das ganze Haus durch.
Wir laden keine anderen Menschen ein.
Wir machen keine ausgefallenen Geschenke.
Stattdessen freuen wir uns auf die tirol-finnisch-kulinarische Mischung (Nudelsuppe zu Mittag, Risgrynsgröt am Abend).
Wir freuen uns aufs gemeinsame Christbaumsuchen im Wald, aufs Umschneiden, Heimtragen und Schmücken.
Und wir freuen uns aufs Zusammensein. 
Alles andere ist offen.
Wir wissen nicht, wies wird. 
Wir wissen nicht, wann wir was machen. 
Und wir wissen auch nicht, was alles unbedingt sein muss, um uns weihnachtlich zu fühlen. 
Aber wir können uns zum Glück auf uns selber verlassen. Wir können uns darauf verlassen, dass wir spüren, was wir brauchen oder möchten. Und das tun wir dann einfach.
Herrlich!

Ich bin so froh um meine entspannte, spontane, strahlende, authentische, lebendige, liebende Familie!

Liebe Leute, liebe Lesererinnen und Leser, dasselbe wünsche ich euch.
Ich wünsche euch, dass ihrs gut habt an diesem Tag!
Egal, wie es dann im Konkreten ausschaut, euer Inneres soll sich pudelwohl und quietschvergnügt fühlen dort, wo es ist.

Ich mache jetzt eine Weihnachts- bzw. Neujahrpause und melde mich dann am 14. Jänner wieder.
Bis dahin - alles Liebe, alles Gute und alles Glück der Welt!

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

Då kummt de Sunn, düdldüdü!

Samstag, 16. Dezember 2017

17.12.17 - Woche 50: Tag für Tag


11.12.17

Das Gefühl, das die entlegensten Winkel meines Seins durchflutet, wenn ich oben auf dem Berg stehe, wenn mein Blick frei fliegen kann bis zum Horizont und weiter, wenn die klare, frische Alpenluft meine Lungen und meine Seele durchspült und reinwäscht und wenn nur Berge und nichts als wiederum Berge den Moment zeichnen und den Geist freimachen von meinem eingeschränkten Menschendenken -

- die Sehnsucht danach, nach dieser Erhabenheit, nach dieser Gesundheit, Reinheit, Freiheit, treibt mir in Momenten wie diesen Tränen in die Augen.




Da hilft kein finnischer Sternenhimmel. So gewaltig er auch sein möge.
Keine finnische Freiheit von Zwängen und Pflichten kann dem etwas entgegensetzen.
Nicht einmal Jultårta, die die magische Fähigkeit haben, Unangenehmes in Annehmbares zu verwandeln, kommen dagegen an.
Da hilft nur: Schlafen gehen. Die Zeit ziehen lassen. Warten. Tee trinken.
Alles kommt. Und vergeht auch wieder.


12.12.17

Ein Tag zieht vorbei und tut - eingebettet in Alltäglichem - nicht viel mehr als mich streifen.
 
 
13.12.17: Luciaumzug aus Max' Perspektive

Brrrrrr.... Kalt!
Oh.... A Laterne!
MAAAAX will trågn!!!!
Ich geh mit meiner LATEEAAAARRRNE.....
Max reitet aufm Papa.
A Stearn!

A Traktor!
Max steht aufm Boden.
Da sitzt wer auf dem Traktoranhänger.
???
 

Viiiiele Menschen.
Viiiiiele Laternen.
Max reitet wieder aufm Papa.
Ich geh mit meiner LATEEAAAARRRNE...

ATrompete!

Kling, Glöcklein, KLINGELINGELIIIING!!!!!

A Hund!
Oh.
Der Hund pusst an Max.
Max streichelt an Hund.

Huch!!!



Was will der???
Wer ist das???
Hihi. Der gibt mir was.

Ich geh mit meiner LATEEAAAARRRRNE...


14.12.17

Ein Hanteln von Tag zu Tag.
Und ich derglange jeden neuen Tag.
Und ich derlasse jeden alten los.
Mehr kann man momentan nicht von mir erwarten.


15.12.17: ein ganz normaler Tag

Um 5 aufstehen.
Einheizen.
Kaffee kochen.
Trinken? Nein.
Max wacht auf.
Sehr lange völlig ausser sich.
Frühstück.
Wäsche waschen.
Geschirr waschen mit Max.
Max baden.
Essen kochen.
Nebenbei Ohne-Windel-sein-Training.
Wäsche aufhängen.
Essen.
Max schläft.
Weihnachtsgeschenke aus dem Auto holen und verstecken.
Müll verräumen.
Geschenkspapier suchen.
Kaffee trinken.
Max wecken.
Über 1 Stunde Schnee schaufeln.
Max auf seinem Bob herumziehen.
Schneelaterne bauen.
Indoor-Holzvorrat aufstocken.
Geschenke einpacken für unsere morgigen Gäste.
Weihnachtskarten schreiben.
Mit Max dieselben unterschreiben.
Abendessen zubereiten.
Essen.
Abendritual.
Max schläft.
Geschirr waschen.
Duschen.
Feststellen, dass für morgen noch genau nichts vorbereitet ist.
Pffff....


16.12.17

Menschen. Menschen. Wohin man schaut, überall Menschen.


17.12.17

Weihnachtsmusik dudelt unten aus dem Lautsprecher.
Max und Anton, sein Bruder, lesen ein Autobuch, während die anderen a bissl reden oder eben auch nicht.
In dem Moment sitze ich in unserem Turm in unserem Bett, stelle diesen Blogeintrag fertig und bin gleichzeitig stille Beobachterin dessen, was unten passiert.



Und obwohl es gefühlsmässig sehr früh ist und die Nacht sehr kurz war, freue ich mich.
Hergezogen als ewiger Single, finde ich mich "plötzlich" wieder in einem grossen Kreis von entspannten und lachenden Menschen  Das ist schon sehr schön. Und besonders.

Auf dass diese letzte Woche vor Weihnachten so entspannt und lachend wie möglich werden möge!

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

 

 

Sonntag, 10. Dezember 2017

10.12.17 - Über den Vorteil von Kindern


So machten wir uns also auf den Weg. Mein Mann, mein Bua und ich. Ein langer Marsch von mehreren Kilometern durch eisige, Menschen leere, vom Wind gepeitschte Schneelandschaft stand uns bevor. Knochenmark durchdringende Kälte, Atemwolken, die noch auf den Lippen zu Eiskristallen gefrieren, gehüllt nur in ein paar Lumpen, so stapften wir, den Kopf gesenkt gegen den Sturm ankämpfend, schweigend und schwer atmend durch den knietiefen Schnee.

Nein. So wars natürlich nicht. Es war zwar Schnee, aber nit viel. Die Baumwipfel haben ein bisschen getanzt und gespielt mit dem Winterlüftchen, Scharen von Drosseln sind von Vogelbeerbaum zu Vogelbeerbaum geflogen, blaue Fetzen haben den wolkigen Himmel durchzogen, die Luft war frisch und klar und die Stimmung gut. Und Lumpen warens auch nicht, die uns umhüllten, auch wenns der Szenerie eine Spur von Drama gegeben hätte.

Wir machten uns auf den Weg zu einem alten Mann. Er verkauft Holz, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Und wir sind einer seiner dankbaren Abnehmer. Kalle war ein paar Tage zuvor dort, um mit seinem Anhänger welches zu holen. Und nun war es an der Zeit, unsere Schulden begleichen.

Der Weg war tatsächlich ein langer. Wir gingen schnell, Max auf Kalles Schultern. Bei jedem uns entgegen kommenden Auto sprang unser kleiner Wirbelwind begeistert wie auf dem Sattel eines galoppierenden Pferdes, riss beide Arme in die Höhe und winkte und wachtelte was das Zeug hielt. Zwei Lenker haben dann auch tatsächlich ihren Zeigefinger vom Lenkrad gehoben. Die wenigen Häuser schienen dunkel und verlassen. Spuren zeugten von vorbeihüpfenden Eichhörnchen und wandernden Elchen. Wir gingen durch ein Stück Wald, bald säumte eine offene Wiese die Strasse, die Traktorwerkstatt war schnell hinter uns gelassen und nach dieser einzigen Kreuzung weit und breit hatten wir endlich freien Blick aufs Meer.
- Wow! Schon zugefroren!
Um die Kurve herum, und schon waren wir da.

- Hm. Sieht dunkel aus.
  Du, ich glaub, da ist keiner daheim.
- Das kann man so nicht sagen. Wir gehen auf jeden Fall zur Tür.
Wir durchquerten den Garten, wunderten uns noch über die breiten Baggerspuren, als auch schon ein Licht anging. Kalle winkte, und der alte Mann hinter dem Fenster, der sich soeben am Küchentisch niedergelassen hatte, winkte uns zu sich hinein.
Wir sind uns noch nie vorher begegnet, er und ich.
Ah. Das musste seine Frau sein. Sie ist also doch nicht an Krebs gestorben, wie ich gehört habe.
- Hej! Griass enk.
Händeschütteln. (Auch wenn das sehr komisch und vielleicht sogar Grenz überschreitend ist in diesem Land, aber ich kann und will nicht anders).
- Bin die Birgit.
Ich verstand ihre Namen nicht. Das machte aber nichts. Weil wir uns sowieso nie mit Namen ansprechen werden.
Und bald schon entstand ein Gespräch zwischen den Männern.
Ich beobachtete Kalle ein wenig und war wieder einmal sehr angetan von seiner Fähigkeit, mit allem und jedem ein entspanntes und wohltuendes Gespräch auf Augenhöhe zu führen. Egal, in welcher gesellschaftlichen Position sich sein Gesprächspartner auch immer befindet.
Die Frau schien anfangs ein bisschen verloren, wie sie da im Türrahmen stand. Aber Dank Max hat sich die Situation sehr schnell sehr entspannt. Er entdeckte nämlich ein Katzenfoto, und der Bann war gebrochen. Sie nahm uns mit und stellte uns Fritz, den Kater, vor. Sie erzählte stolz, wie es zu diesem wunderbaren deutschen Namen kam, sie erzählte vom Bagger, der heute da war und von Lillajul und, ach Gott, sie hat ja die Kerzen auf ihrem kleinen Christbaum noch gar nicht angemacht.
Bald darauf entstand ein Gespräch zu viert.
Und es war nett.
Und wir haben gelacht.
Und wir haben uns irgendwie gemocht.
Ja. Und dann simma wieder aufgebrochen. Wir hatten einen weiten Weg vor uns und die Dunkelheit würde bald wieder alles verschluckt haben.
- Danke! Pfiat enk! Mochts es guat! Hej då!
 
Sie haben uns noch aus dem Fenster hinterhergewunken, und beschwingt und leicht von dieser Begegnung machten wir uns auf den Heimweg. Während Max gerannt ist und mit dem Schnee gespielt hat, habe ich mich gefragt, was das jetzt eigentlich war.
 
Im alltäglichen Leben, also in Geschäften oder in der Stadt, begegne ich so viel missmutig dreinschauenden Gesichtern und so viel Distanziertheit und auch Unfreundlichkeit.
Aber dann, wenn ich mal wirklich mit jemandem ins Gespräch komme, weil es die Situation so verlangt, wie zum Beispiel in dieser oben beschriebenen Szene, ist es oft so nett und so lustig.
Ich tu mir manchmal recht schwer mit diesem Widerspruch.
 
Wir gingen weiter, Max war immer noch beim Laufen, vor und zurück und vor und zurück, und wir haben unseren Gedanken eine Stimme gegeben.
Ich glaube, es wäre einfacher, würde man sich öfter sehen. Bei einem Spaziergang zum Beispiel oder im Garten oder auch am Strand oder so. Die Hemmschwelle zu einem Gespräch wäre niedriger, wenn man sich immer wieder mal über den Weg laufen würde und es wäre selbstverständlicher, ein paar Worte miteinander zu wechseln.
Und hier ist einer der ganz grossen Unterschiede zu Tirol. Man verbringt sein Leben entweder im Haus, im Auto oder - ganz selten - beim Sport. Zumindest hier in unserem kleinen Umkreis drängt sich mir dieser Eindruck auf. In Tirol hingegen ist man so gut wie nie alleine, sobald man das Haus verlässt. Egal, ob im Dorf im hintersten Tal, auf dem Berg oder in einer Stadt. Nicht, dass das uneingeschränkt wunderbar wäre. Aber es liegt auch auf der Hand, dass diese finnische, sich einigelnde Lebensgestaltung kaum Raum für Geplauder und Tratscherei offen lässt. 
Das ist irgendwie schade.
 
Aber andererseits - ich muss gestehen, hätte ich den Max nicht, ich weiss nicht, ob ich selber mehr als unbedingt nötig draussen wäre. Der konstant blasende Wind, die Kälte, das Eis auf den Wegen, die Dunkelheit - das alles ist eigentlich so grausig und unfreundlich und so gar nicht einladend. Da lob ich mir unseren Ofen, der es besser als alles andere versteht, das Leben in kuschelige, warme Wohlfühlwatte zu packen.

Und was lernen wir daraus?
Macht viele Kinder!
Oder macht etwas mit euren Enkeln.
Oder leiht euch Kinder aus (Eltern werden es euch danken!).
Kinder machen das Leben gesünder, lustiger und spannender.
Und wenn es sein muss, entspannen sie schon auch mal allein durch ihr Sein eine unnötige Verkrampftheit.
Danke, mein lieber kleiner grosser Max :-)!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

entstanden im gerade noch Schnee freien November

Samstag, 2. Dezember 2017

03.12.17 - Es adventelt


Es ist halb 6.
Es ist dunkel. So wie die meiste Zeit des Tages.
Das Feuer knistert im Ofen.
Der Kaffee dampft neben mir.
Und es ist still.
Alle schlafen noch.

Habe diese Woche meinen Deutschkurs abgeschlossen. Möglicherweise für immer? Wer weiss das schon.
Meine Schüler waren fanstastisch. Wunderbare Menschen, die es mir durch ihre Toleranz und Aufgeschlossenheit ermöglicht haben, meinem Lehrertrauma in die Augen zu blicken und dieses zu guter Letzt zu bewältigen.

Die Adventszeit hält langsam auch in Finnland Einzug.

Max singt sein Tomtelied vor und zurück und auf und nieder und freundet sich damit langsam mit den hiesigen geschäftig-wuselnden Wichteln an.
Viele Häuser haben jetzt ihren grossen Auftritt: sie sind im Americanstyle weihnachtlich-blinkend mit Rentieren, Weihnachtsmännern und Glocken geschmückt und leuchten ihre bunten Lichter in die dunkle Welt.
Wir begehen diese stille Zeit, indem wir beinahe täglich unsere Jultårtor zum Kaffee verdrücken.
Letztes Wochenende gab es in Vaasa die alljährliche offizielle Eröffnung des Weihnachtsgeschäftes mit Feuerwerk und Weihnachtsmann und allem Drum und Dran.
Lillajul (kleines Weihnachten) steht vor der Tür und damit Max' grosser Tag: das erste Mal Pepparkakor (Pfefferkuchen oder harter Lebkuchen) und Glögg (alkoholfreier Glühwein auf finnisch).
Die Dunkelheit fordert langsam ihren Tribut und mein Wunsch nach Schlaf übertrifft allmählich alles andere.
Ich freu mich auf die Weihnachtslieder. Frei nach Andreas Hofer: "Mandar und Weibar, 's isch widr Zeit!". Von "Last Christmas" bis zu "Es wead scho glei dumpa" - ich nehm alles mit Handkuss und am wohligen Kribbeln im Bauch.
Der Adventskranz steht schon fix und fertig in seinem Eck und harrt seiner Zeit (und das bereits seit einer Woche... nicht, weil wir so fleissig sondern vielmehr weil wir a bissl patschert sind - wir waren schon vor einer Woche der Meinung, es sei 1. Advent...).
Und dann dieses.
Und dann jenes.
Es ist ja doch jedes Jahr das Gleiche.
Ist es das?
 
Die Bäume stehen da wie Statuen.
Regungslos.
Laublos.
Wie stumme Wächter.
Manchmal drückt ein Sturm ihre Kronen so sehr gen Boden, dass ich Angst habe, sie brechen ab oder fallen um.
Aber sie stehen immer noch.
Nehmen, was kommt.
 
Die Dunkelheit.
Sie ist allumfassend. Alles verschluckend.
Keine Strassenlaterne, kein beleuchtetes Fenster eines anderen Hauses durchdringt sie.
Nur manchmal Autoscheinwerfer, die sich im Nichts verlieren.
Die Stille.
Stille in einer Intensität und Wucht, dass es einem fast den Atem raubt.
Nichts lässt einen so still werden wie die Stille.
Die Sterne.
Wie viele sind es?
Ein Kinderlied meint: "Gott, der Herr, hat sie gezählet..." - Na, viel Spass!
Da kommt mir das Göttliche Nudelsieb in den Sinn. Weisst du noch, P.? Damals, in Kroatien?
 
Früher war mir bang vor dieser schwarzen Zeit.
Heute - mag ich sie. Ich fühl mich wohl. Und geborgen. Und gut aufgehoben.
Hab ich früher zu den Menschen, die ich mag, immer gesagt: "Kommt im Sommer, da ist es am schönsten. Wunderbar, dieser nie endende Tag!" so bin ich heute geneigt zu sagen: "Leute, ihr müsst die echte Dunkelheit kennenlernen!"
Es gibt keine bessere Zeit im Jahr, um mit sich selber zu sein.
 
Und so möge er in Gang kommen, der Advent!
Und auch, wenn es in unserer so lauten Welt oft nicht einfach ist, einen Gang herunterzuschalten und den Blick nach innen zu richten, so mögen wir doch zumindest das eine oder das andere Mal dieses innere Kribbeln spüren, das es so nur zur Adventszeit gibt. So wie damals. Wisst ihr noch?

Habts es gut und fein!

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit