Mittwoch, 27. Januar 2016

27.01.16 - Werden Sie gestreichelt?




Sagen Sie, werden Sie gestreichelt?
Ist da jemand, der Sie küsst?
Hören Sie was, das Ihnen schmeichelt
Überzeugt und nicht geheuchelt?
Gibt es wen, der Sie vermisst?
Können Sie noch richtig lachen?
Spüren Sie, wie Freude Sie durchfliesst?
Sagen Sie, werden Sie gestreichelt?
Wissen Sie noch, wie das ist?
                                                               (Text: Jimmy Schlager)


Ja. Ja! Und noch mal ja :-)!!!

Max tut nix lieber als nackt die Welt erkunden. Und das zweitliebste, das er tut, ist Schmusen und das drittliebste Kuscheln. Diese Reihenfolge ist zufällig gewählt und je nach momentaner Gemütsverfassung variabel. In seinem Nehmen und Geben völlig frei, unverkrampft und erwartungsfrei freut Max sich einfach, wenn "es" passiert. Und wenn grad nicht, dann gibt's ja noch so viele andere spannende Dinge in diesem Universum...! Und wenn das grad alles nichts nützt, dann holt er sich eben von uns, was er braucht.
Das ist die totale Ursprünglichkeit. Max denkt nicht nach, er hat keine Ahnung von Regeln und von "Was sich gehört und was nicht", er tut einfach. Er tut, wonach ihm ist. Frei und unbedarft. Und mit totaler Selbstverständlichkeit.
Wann, lieber Mensch, wann verlernen wir das eigentlich? Und warum?
Und wie wirkt es sich aus, wenn die ehrliche Antwort auch nach der für jeden etwas holprigen Zeit der Pubertät ein "Nein" geblieben bzw. wieder geworden ist?
Was ist mit dem, der schreit: "Mia san mia!" und "Ausländer raus!"
Oder mit der, die ihr Kind "mit starker Hand" erzieht?
Was ist mit dem, der die Augen verdreht, wenn vor ihm an der Kasse eine alte Frau steht und ein bisschen länger zum Zahlen braucht?
Wie ist es mit denen, die in den letzten Monaten die Statistik der Waffenverkäufe in Österreich in die Höhe schnellen haben lassen?
Was ist mit dem, der tagein und tagaus mit Grant und Widerwillen seinen Job verrichtet?
Was ist mit dem Kind, das sich mit 5 bereits Arroganz als Strategie angeeignet hat?
Und was ist mit der, die jedes Mal, wenn man sie trifft, nichts anderes kann als jammern und über ihre Wehwechen erzählen?
Manchmal wird mir ganz schiach, wenn ich die Nachrichten lese.
Oder wenn ich einfach nur um mich schau und zuhöre.
Und manchmal denk ich mir dann:

Bildresultat för es keat oanfach viel mehr gschmust
(dem Internet entnommen)
In diesem Sinne, liebe Menschen, habts ein feines Wochenende :-)!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

Sonntag, 17. Januar 2016

17.01.16 - Temperatursturz


Kurzer Überblick.

Vor ein paar Tagen in Tirol.
Beim Frühstückmachen wird im Radio fürs Wochenende klirrende Kälte gemeldet bei -5 Grad Celsius. Ich lächle und denk mir: Na, die Tiroler...!

Heute, wieder in Finnland, mitten am Nachmittag diese Anzeige im Auto:




Das war eh noch ganz ok.
Nur, jetzt, bei einem Blick auf unser Thermometer im Schlafzimmer, da hab ich schon mal geschluckt:



Das Obere ist die Innentemperatur, das Untere die von draussen.
Das einzige, was mich da jetzt noch raustreiben kann, ist die Sauna.

Ofenwarme, kuschelige, wollsockige Grüsse von der zurückgekehrten finnischen Tirolerin!

Pfiat enk, Hej då und bis bald amal -
d'Birgit

Samstag, 9. Januar 2016

09.01.16 - Ernüchterung



Einst gab es einen Platz in meinem Leben. Dort hatte nicht nur ich, sondern jeder nur erdenkliche Mensch Platz. Mit und ohne Behinderung, mit und ohne Humor, mit und ohne verbale oder sonstige spezielle Fähigkeiten,... Jede/r durfte sein, wie er und sie war. Diesen Platz habe ich verlassen, um dem Ruf des Lebens zu folgen. Und bin doch immer wieder gern zurück gekehrt. Um Hallo zu sagen. Um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Und um zu zeigen und auszudrücken, dass es mir ernst ist und war, wenn ich von der unglaublichen Qualität dieser Buntheit des Miteinanders sprach.
Mit dem nunmehrigen Besuch ist diese Zeit ein für alle mal abgeschlossen. Mit Traurigkeit habe ich festgestellt, dass es dort keinen Platz mehr für mich gibt. Und auch für andere Menschen nicht mehr. Die Wandlung vom Sein hin zum Funktionieren ist im Werden und zum grossen Teil bereits vollzogen worden.
 
Ein Spaziergang durch das Dorf meiner Kindheit. Was es leider nicht mehr ist. Zumindest nicht, wenn man die Bilder in meinem Kopf und meinem Herz mit den derzeitigen Gegebenheiten vergleicht. Der Ortskern, den ich früher auf den Weg zur Schule täglich durchwandert habe, ist nicht wieder zu erkennen. Das kleine Bauerndorf scheint infiziert worden zu sein vom Tourismus-Virus, getragen von dem Wunsch, einen Nobelort für betuchte Gäste abzugeben. Viele Menschen, die zum Dorf und damit irgendwie zu meinem Leben gehört haben, sind bereits verstorben. Und das wenige, das geblieben ist, ist der Name, die Kirche und ganz vereinzelt immer noch unveränderte Häuser. Ein Spaziergang kommt einem erstaunten, gepaart mit leicht abgestossenem Wandeln in Neuem gleich, anstatt, wie es manchmal gut tut und notwendig ist, einem Streunen durch verklärte, vernebelte Vergangenheiten.

Als ich noch in Finnland war...
So fängt dieser Absatz an, weil damals jeglicher Gedanke an unsere Zeit in Tirol total verklärt und rosarot war. Und somit fern jeglicher Realität.
Damals, da hab ich mir gedacht: Maah, 3 Wochen in Tirol! Was ich da alles machen kann!!! Auffi aufn Berg, rodeln gehen, alle meine lieben Menschen treffen und uns gegenseitig auf den neuesten Stand bringen, Max ganz langsam in diese wunderbare andere Welt einführen, Bäche rauschen hören, Kalle schöne Platzln zeigen, Kaffee trinken gehen,...
Denkste! Grad eben heimgekommen von einem Pfiati-Treffen mit einer lieben Freundin mit der erschreckenden Erkenntnis, dass unsere Zeit hier so gut wie um ist. Und ich nur 1x während dieser ganzen Zeit irgendwo oben war. Und sich ein zweites Mal mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr ausgehen wird. Ich war nicht im Kino, um Heidi anzuschauen. Ich habe einige Menschen, die ich gern hab, nicht gesehen, und muss somit in Kauf nehmen, dass diese vielleicht verletzt, traurig oder beleidigt sind. Und, was mir wirklich schiach tuat, wir haben so gut wie keine Zeit zusammen gehabt - also nur Kalle und ich.

Ernüchterung macht sich breit. Nicht, dass ich diese Zeit hier nicht genossen hätte und weiterhin noch geniessen werde. Ganz im Gegenteil. Es ist wunderbar!
Nur, manchmal, da schmerzt Veränderung.
Und manchmal, da hätte ichs gern anders, als es ist.

Und trotzdem bin ich unendlich dankbar, in diesen beiden so schönen und so unterschiedlichen Welten mich bewegen und daheim fühlen zu dürfen. Und dafür trage ich die Konsequenz.

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit