Das ist gestern. Ich bin auf dem Weg zum Chor. Es ist kalt, die Wolken hängen rein, es fängt gleich zum Regnen an, die riesigen Löcher in den Strassen von den winterlichen Strapazen endlich a bissi ausgebessert, Hubert von Goisern in meinem Autoradio - so rausch ich mit meinem kleinen Autole durch die finnische Landschaft. Ich jodel mit mitm Hubert. Laut und inbrünstig. Tuat so guat. Da bekomm ich grad a bissi Wehmut, weil wir mit dem Chor ja überhaupt nicht jodeln.
Dort schlag ich mich mit Texten rum wie: "...Ja taivas on kuin kukkis kirsikat ja täynnä kukkia ois jonkun syli täynnä kukkia..." (finnisch)
Oder: "...Ge mig den kyss du bara låtit mig få smaka, en natt som denna får vi aldrig mer tillbaka, det börjar brännas här strax ovanför min haka,..." (schwedisch)
Auswendig, wohlgemerkt!
Und doch: Ich freu mich! Seit Jänner gibts a neue Chorleiterin. Jung, lebendig, weiblich. Und sie ist genial. Ich bin immer wieder erstaunt, was ein einziger Mensch bewirken kann. In wenigen Monaten ist Unglaubliches passiert bei uns und mit uns. Da sind jetzt nicht mehr nur wir Frauen, die versuchen, den richtigen Ton zu treffen. Jetzt ist auch Lust dabei, Achtsamkeit den anderen gegenüber, Lachen, Konzentration und Ausdruck. Manchmal mach ich einfach nur die Augen zu und höre. Und bin ganz überwältigt. So viele unterschiedliche Stimmen, und trotzdem EIN Klang. Wow! Da werden diese irren Zungenbrechertexte plötzlich zur völligen Nebensache.
So fremd ich mich am Anfang in dieser Gruppe gefühlt hab - war ich ja auch -, so sehr bin ich jetzt ein Teil davon. Die Kommunikation ist schon immer noch eine gscheite Herausforderung, und das darf sie ruhig auch sein. Es geht ja nicht nur ums Reden. Es geht ums Dasein. Ich mit meinem ganzen Wesen. So wie alle anderen auch da sind. Mit all ihrem Sein. Und was einbringen, was (mit-)gestalten, verändern, einfach nur, indem sie da sind. Singen tut gut, dem Geist und dem Körper, und mit anderen zusammen ist es noch einmal was ganz anderes.
Morgen gehts nach Schweden. Mit Bus und Schiff machen wir uns auf den Weg, um dort zu singen, zu berühren und zu sein.
Habts es fein! Wir tuns nämlich auch!
Pfiat enk und Hej då -
de Birgit