Mit einer gehörigen Portion Resignation gebe ich hiermit hochoffiziell bekannt:
Integration misslungen.
Seit 2,5 Jahren mühe ich mich ab, Schwedisch zu lernen. Ich grüsse die Menschen und lächle dabei, falls mir mal welche begegnen, ich winke völlig fremden Autofahrern zu, so wie man es hier macht, ich habe einen finnischen Staatsbürger geboren, ich gehe in die Sauna, ich habe eine Arbeit und bezahle Steuern, ich kaufe lokale Lebensmittel, ich lese die hiesige Tageszeitung, ich wähle Lokalpolitiker (nicht die, die man sollte, aber immerhin), wir haben Nachbarn eingeladen und ich bin zum Mutter-Kind-Treffen gegangen, der Chef der Baufirma, der wir den Auftrag für unseren Turmbau gegeben haben, lebt gerade mal ums sprichwörtliche Eck und einmal waren wir sogar bei einem Regionaltreffen - und das alles reicht genau nicht.
Wir werden ignoriert.
Man bleibt fort.
Man übersieht uns.
Man tut, als seien wir nicht da.
Um es klar zu stellen: Niemand tut uns Böses.
Niemand schneidet uns.
Niemand zerkratzt unsere Autos.
Und lassen wir die Haustüren unversperrt, so ist doch immer alles da, wenn wir zurückkommen.
Und trotzdem:
Ma., mit der ich fast ein ganzes Jahr eine Fahrgemeinschaft gebildet habe, um zum Chor zu kommen, steigt auf dem Parkplatz vor dem hiesigen Geschäft zuerst ins Auto, bevor sie uns, ohne einen Gesichtsmuskel zu verziehen, zuwinkt, nur um nichts sagen zu müssen.
Gehen wir zu diesem Regionaltreffen, so tun sie alle, als würden sie uns nicht kennen. Niemand, der grüsst. Niemand, der uns zunickt oder zulächelt. Mit einer Ausnahme. Danke, Mi.! Du hast diesen Abend irgendwie erträglich gemacht.
Die Leute verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Es passiert höchst selten, dass man jemanden sieht. Wenn man sich ein bisschen umschaut, dann hat die Athmosphäre etwas von einer Schutzwall aufziehenden Vorkriegsstimmung. Niemand ist draussen, obwohl die Sonne scheint, noch keine Mücken unterwegs sind und der Tag bereits bis nach 10 am Abend währt.
Und begegne ich dann doch mal jemanden, ist es durchaus üblich, dass der/die andere mit grösster Hingabe auf den Boden schaut. Und es kommt in 2 von 4 Fällen vor, dass der/die andere gar nicht oder nur mit Müh und Not zurückgrüsst.
Bin stinksauer. Und ich weiss gar nicht, woher diese Intensität an Gefühlen so plötzlich kommt.
Gestern bei meiner Radltour habe ich den Beschluss gefasst, dass ich nun nicht nur 40 bin, sondern mich auch dementsprechend verhalte. Wenn sie nicht wollen, dann ist das ihre Entscheidung. Ich akzeptiere diese. Und ich mache mich weder klein noch suche ich die Schuld bei mir oder bei uns.
Bei unserem abendlichen Gespräch habe ich zudem erkannt, dass dieses Verhalten vielleicht gar nicht mit uns im Speziellen zu tun hat, sondern vielmehr den hiesigen Gepflogenheiten entspricht.
Es ist, als gälte ein genereller Verhaltenskodex, der da lautet: Blick auf den Boden, Gesichtsausdruck "Das Leben ist eine Qual" aktivieren, und so tun, als gäbe es niemand anderen, auch wenn sich 2 Schritte neben dir jemand befindet.
Es ist, als gälte ein genereller Verhaltenskodex, der da lautet: Blick auf den Boden, Gesichtsausdruck "Das Leben ist eine Qual" aktivieren, und so tun, als gäbe es niemand anderen, auch wenn sich 2 Schritte neben dir jemand befindet.
Diese Umgangsformen betreffen nicht nur uns. Das muss ich mir immer wieder vor die Augen führen, wenn ich anfange, es persönlich zu nehmen.
Bei der Nachbarschaftsadventsfeier vor 2 Jahren, die wir veranstaltet haben, da haben sich die Leute erst mal gegenseitig vorgestellt, obwohl einige von ihnen bereits ihr Leben lang oder zumindest viele Jahre hier in dieser Umgebung leben. Von einer Gegeneinladung gar nicht zu sprechen.
Bei der Nachbarschaftsadventsfeier vor 2 Jahren, die wir veranstaltet haben, da haben sich die Leute erst mal gegenseitig vorgestellt, obwohl einige von ihnen bereits ihr Leben lang oder zumindest viele Jahre hier in dieser Umgebung leben. Von einer Gegeneinladung gar nicht zu sprechen.
Und bei diesem Regionaltreffen, da ist jeder, der neu hereingekommen ist, von den anderen, die schon da waren, ignoriert worden. Eine kleine Gruppe hat miteinander geredet, die anderen sind nur wortlos dagesessen und haben gewartet, bis die eigentliche Veranstaltung losgeht. Kein Augenkontakt, kein Hej!,... Es ist, als wäre man Luft. Wir sprechen hier nicht von einer Metropole, wo solche Verhaltensweisen durchaus üblich sind, weil es so viele Menschen gibt. Wir sprechen von einer Dorfzusammenkunft mit max. 40 Anwesenden.
Ja. Und das Leben findet eben in den Häusern statt. Das macht dann ein spontanes oder zufälliges Treffen, bei dem man sich ein bisschen unterhalten könnte, natürlich schwierig.
Es vermischt sich in mir Wut mit Enttäuschung mit Wurschtigkeit mit Erleichterung mit Unverständnis mit Zweifel mit Trotz und mit Kapitulation.
Ich muss zugeben, bis vor kurzem fand ich das durchaus in Ordnung. Man ist von dem Druck der dauernden Freundlichkeit und Fröhlichkeit befreit. Man muss nicht stets bereit sein und kann sich völlig entspannt seinen Gedanken und seinem Leben hingeben, ohne dass sich jemand drum schert.
Nur, vor ein paar Tagen ist innen drin irgendetwas passiert. Und ich habe festgestellt: Ich will das so nicht. Es fühlt sich nicht stimmig an. Ich empfinde diesen Weg des sozialen Umgangs miteinander extrem unfreundlich und respektlos.
Aufgepfropfte Isolation. Was soll denn das?!
Nur, vor ein paar Tagen ist innen drin irgendetwas passiert. Und ich habe festgestellt: Ich will das so nicht. Es fühlt sich nicht stimmig an. Ich empfinde diesen Weg des sozialen Umgangs miteinander extrem unfreundlich und respektlos.
Aufgepfropfte Isolation. Was soll denn das?!
In erster Linie denke ich dabei an Max. Was macht das mit ihm auf längere Sicht gesehen?
OK. Integrationsversuche offensichtlich völlig fehlgeschlagen.
Was tun?
Eine Chance haben wir noch:
Kalle kauft sich ein Gewehr und schliesst sich den redlichen Männern an, die allherbstlich auf die Jagd gehen und uns Frauen und die Autofahrer vor den bösen Elchen und Hasen und Rehen beschützen.
Was tun?
Eine Chance haben wir noch:
Kalle kauft sich ein Gewehr und schliesst sich den redlichen Männern an, die allherbstlich auf die Jagd gehen und uns Frauen und die Autofahrer vor den bösen Elchen und Hasen und Rehen beschützen.
Und ich, ich könnte - hm, ja, was eigentlich? Was macht eine gute Frau mehr aus als zu Hause und für ihren Mann und ihre Kinder da zu sein? Ja. Genau. Ich könnte einfach meine Ansprüche ein bisschen herunterschrauben. Wer braucht denn schon ein angenehm soziales Umfeld, wenn es Fernseher gibt?
Freunde von uns, mit denen ich manchmal darüber spreche, meinen, dass "der Finne" als scheu oder schüchtern gilt und nicht weiss, was er reden sollen.
Mhm.
Damit lässt sich aber nicht diese extreme Dominanz an Ignoranz und Ausgrenzung erklären.
Natürlich. Es gibt sie, die Ausnahmen, die, die mit offenen Augen und einem redlustigen Mund durch den Tag wandeln und das Leben hier verschönern. Ich danke ihnen. Denn sie sind es, die mich immer noch hoffen lassen, dass es mal anders wird.
Ma. Ich mag jetzt aussi. Die Sonne scheint. Und ich will dieser Thematik die Energie abklemmen.
Habts es gut!
Habts es gut!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
Übrigens: Falls jetzt noch jemand Lust verspürt, hierherzuziehen:
Dieses Haus steht zum Verkauf und liegt gerade mal um die Ecke. Mit ca. € 700.000,-- seids dabei.
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| Bild entnommen von etuovi.com |