Samstag, 29. April 2017

29.04.17 - Misslungene Integration


Mit einer gehörigen Portion Resignation gebe ich hiermit hochoffiziell bekannt:
Integration misslungen.

Seit 2,5 Jahren mühe ich mich ab, Schwedisch zu lernen. Ich grüsse die Menschen und lächle dabei, falls mir mal welche begegnen, ich winke völlig fremden Autofahrern zu, so wie man es hier macht, ich habe einen finnischen Staatsbürger geboren, ich gehe in die Sauna, ich habe eine Arbeit und bezahle Steuern, ich kaufe lokale Lebensmittel, ich lese die hiesige Tageszeitung, ich wähle Lokalpolitiker (nicht die, die man sollte, aber immerhin), wir haben Nachbarn eingeladen und ich bin zum Mutter-Kind-Treffen gegangen, der Chef der Baufirma, der wir den Auftrag für unseren Turmbau gegeben haben, lebt gerade mal ums sprichwörtliche Eck und einmal waren wir sogar bei einem Regionaltreffen - und das alles reicht genau nicht.
Wir werden ignoriert.
Man bleibt fort.
Man übersieht uns.
Man tut, als seien wir nicht da.
Um es klar zu stellen: Niemand tut uns Böses.
Niemand schneidet uns.
Niemand zerkratzt unsere Autos.
Und lassen wir die Haustüren unversperrt, so ist doch immer alles da, wenn wir zurückkommen.

Und trotzdem:

Ma., mit der ich fast ein ganzes Jahr eine Fahrgemeinschaft gebildet habe, um zum Chor zu kommen, steigt auf dem Parkplatz vor dem hiesigen Geschäft zuerst ins Auto, bevor sie uns, ohne einen Gesichtsmuskel zu verziehen, zuwinkt, nur um nichts sagen zu müssen.
Gehen wir zu diesem Regionaltreffen, so tun sie alle, als würden sie uns nicht kennen. Niemand, der grüsst. Niemand, der uns zunickt oder zulächelt. Mit einer Ausnahme. Danke, Mi.! Du hast diesen Abend irgendwie erträglich gemacht.
Die Leute verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Es passiert höchst selten, dass man jemanden sieht. Wenn man sich ein bisschen umschaut, dann hat die Athmosphäre etwas von einer Schutzwall aufziehenden Vorkriegsstimmung. Niemand ist draussen, obwohl die Sonne scheint, noch keine Mücken unterwegs sind und der Tag bereits bis nach 10 am Abend währt.
Und begegne ich dann doch mal jemanden, ist es durchaus üblich, dass der/die andere mit grösster Hingabe auf den Boden schaut. Und es kommt in 2 von 4 Fällen vor, dass der/die andere gar nicht oder nur mit Müh und Not zurückgrüsst.
 
Bin stinksauer. Und ich weiss gar nicht, woher diese Intensität an Gefühlen so plötzlich kommt.
 
Gestern bei meiner Radltour habe ich den Beschluss gefasst, dass ich nun nicht nur 40 bin, sondern mich auch dementsprechend verhalte. Wenn sie nicht wollen, dann ist das ihre Entscheidung. Ich akzeptiere diese. Und ich mache mich weder klein noch suche ich die Schuld bei mir oder bei uns.
Bei unserem abendlichen Gespräch habe ich zudem erkannt, dass dieses Verhalten vielleicht gar nicht mit uns im Speziellen zu tun hat, sondern vielmehr den hiesigen Gepflogenheiten entspricht.
Es ist, als gälte ein genereller Verhaltenskodex, der da lautet: Blick auf den Boden, Gesichtsausdruck "Das Leben ist eine Qual" aktivieren, und so tun, als gäbe es niemand anderen, auch wenn sich 2 Schritte neben dir jemand befindet.  
Diese Umgangsformen betreffen nicht nur uns. Das muss ich mir immer wieder vor die Augen führen, wenn ich anfange, es persönlich zu nehmen.
Bei der Nachbarschaftsadventsfeier vor 2 Jahren, die wir veranstaltet haben, da haben sich die Leute erst mal gegenseitig vorgestellt, obwohl einige von ihnen bereits ihr Leben lang oder zumindest viele Jahre hier in dieser Umgebung leben. Von einer Gegeneinladung gar nicht zu sprechen.
Und bei diesem Regionaltreffen, da ist jeder, der neu hereingekommen ist, von den anderen, die schon da waren, ignoriert worden. Eine kleine Gruppe hat miteinander geredet, die anderen sind nur wortlos dagesessen und haben gewartet, bis die eigentliche Veranstaltung losgeht. Kein Augenkontakt, kein Hej!,... Es ist, als wäre man Luft. Wir sprechen hier nicht von einer Metropole, wo solche Verhaltensweisen durchaus üblich sind, weil es so viele Menschen gibt. Wir sprechen von einer Dorfzusammenkunft mit max. 40 Anwesenden.
Ja. Und das Leben findet eben in den Häusern statt. Das macht dann ein spontanes oder zufälliges Treffen, bei dem man sich ein bisschen unterhalten könnte, natürlich schwierig.
 
Es vermischt sich in mir Wut mit Enttäuschung mit Wurschtigkeit mit Erleichterung mit Unverständnis mit Zweifel mit Trotz und mit Kapitulation.
 
Ich muss zugeben, bis vor kurzem fand ich das durchaus in Ordnung. Man ist von dem Druck der dauernden Freundlichkeit und Fröhlichkeit befreit. Man muss nicht stets bereit sein und kann sich völlig entspannt seinen Gedanken und seinem Leben hingeben, ohne dass sich jemand drum schert.
Nur, vor ein paar Tagen ist innen drin irgendetwas passiert. Und ich habe festgestellt: Ich will das so nicht. Es fühlt sich nicht stimmig an. Ich empfinde diesen Weg des sozialen Umgangs miteinander extrem unfreundlich und respektlos.
Aufgepfropfte Isolation. Was soll denn das?!
In erster Linie denke ich dabei an Max. Was macht das mit ihm auf längere Sicht gesehen?
 
OK. Integrationsversuche offensichtlich völlig fehlgeschlagen.
Was tun?
Eine Chance haben wir noch:
Kalle kauft sich ein Gewehr und schliesst sich den redlichen Männern an, die allherbstlich auf die Jagd gehen und uns Frauen und die Autofahrer vor den bösen Elchen und Hasen und Rehen beschützen.
Und ich, ich könnte - hm, ja, was eigentlich? Was macht eine gute Frau mehr aus als zu Hause und für ihren Mann und ihre Kinder da zu sein? Ja. Genau. Ich könnte einfach meine Ansprüche ein bisschen herunterschrauben. Wer braucht denn schon ein angenehm soziales Umfeld, wenn es Fernseher gibt?
 
Freunde von uns, mit denen ich manchmal darüber spreche, meinen, dass "der Finne" als scheu oder schüchtern gilt und nicht weiss, was er reden sollen.
Mhm.
Damit lässt sich aber nicht diese extreme Dominanz an Ignoranz und Ausgrenzung erklären.
 
Natürlich. Es gibt sie, die Ausnahmen, die, die mit offenen Augen und einem redlustigen Mund durch den Tag wandeln und das Leben hier verschönern. Ich danke ihnen. Denn sie sind es, die mich immer noch hoffen lassen, dass es mal anders wird.
 
Ma. Ich mag jetzt aussi. Die Sonne scheint. Und ich will dieser Thematik die Energie abklemmen.

Habts es gut!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

Übrigens: Falls jetzt noch jemand Lust verspürt, hierherzuziehen:

Bildergebnis für maxmo maksamaa
Bild entnommen von etuovi.com
Dieses Haus steht zum Verkauf und liegt gerade mal um die Ecke. Mit ca. € 700.000,-- seids dabei.


 
 

Samstag, 22. April 2017

22.04.17 - Momentaufnahme


In meinem früheren Leben, als ich noch in Tirol gelebt habe, da war die Einteilung der Jahreszeiten ganz eindeutig für mich.
Kalt + Schnee = Winter
Kalt/Warm + kein Schnee = Frühling
Warm/Heiss = Sommer
Schon frischer = Herbst
Kalt = Winter

Das hat sich mit meinem Umzug verändert.
Es ist nicht mehr die Temperatur, die die Jahreszeiten ausmacht. Es ist das Licht.

Ich zeig euch mal was.
Das hab ich heute aufgenommen:


Sonnenaufgang: 05:43 Uhr
Sonnenuntergang: 21:20 Uhr

Und wie wir alle wissen, ist der Sonnenaufgang nur der Höhepunkt eines lange andauernden Prozesses des Hellwerdens.
Und wenn sie untergegangen ist, so ists noch lange nicht dunkel.
 
Der Blick hebt sich. Die Atmung wird weiter. Und das Herz macht einen Freudensprung, wenn man zum ersten Mal kein künstliches Licht mehr braucht zum Schlafengehen.
 
Aber nicht nur mir gehts so. Ich war heute eine Runde draussen, und was ich da alles entdeckt habe...

Ein Lastwagen macht sich allein auf den Weg nach irgendwo.


Die Sonne zeichnet vergnügt ihre Lichtspiele an die Wand der ewig dunklen Garage und zeigt, dass Grösse immer irgendwie relativ ist.


Die Vögel brauchen uns nicht mehr, weil der Schnee endlich seinen Hut gezogen hat.


Und sogar das Schaukelpferd, es hört den Ruf der Wildnis und will am liebsten einfach nur AUSSI!!!


Das alles ist nett und freut mich sehr.
Und trotzdem geht das ganz normale Leben einfach weiter.

Ich habe eine weitere Absage eines Buchverlages zu verdauen und ich schlage mich mit auf schwedisch geschriebener (sic!) menschlich-biologischer Fachliteratur herum, um die Ende Mai stattfindende Aufnahmeprüfung zur Massageausbildung zu bestehen. Ganz nebenbei bin ich sehr - zumindest gedanklich - mit unserem Projekt des kommenden Sommers beschäftigt. Da hat dieses Übersetzungsexperiment, das wir vielleicht in Bälde angehen werden, grad gar nicht so viel Gewicht. Vorbereitungsarbeiten für den Deutschkurs? Unterrichten? Blog? Kochen, Einkaufen, Aufräumen? Ja, eh klar.
 
Hm. War da nicht noch was?
Ah ja, Max natürlich!
Max. Er ist der, für den ich gerne eine gute Mama sein will. Und er ist natürlich auch der, mit dem ich den Grossteil des Tages verbringe. Deshalb geschieht das meiste dann, wenn Kalle da ist und Zeit hat oder wenn er schläft.
 
Dieser Spagat zwischen Familie und Beruflichem bzw. Berufsähnlichem ist wahrscheinlich völlig normal.
Manchmal stressts mich.
Wenn das so ist, und vorausgesetzt, ich bemerke es, dann hilft es mir sehr, einen Schritt zurückzumachen und einfach nur zu schauen. Dann sehe ich eine Frau, die den Mann, der zu ihr passt, gefunden und mit ihm ein wunderbares Kind hat. Ich sehe eine Frau, die Raum und Möglichkeit hat, um berufliche Ideen zu spinnen und diese auszuprobieren, ohne Erfolgszwang, weil es nicht ums Überleben geht. Ich sehe eine Frau, die sich nicht den leichtesten Weg ausgesucht hat, die aber trotzdem (oder deswegen?) lacht, tanzt, liebt und geliebt wird und dann wieder den nächsten Schritt probiert, ohne zu wissen, was er bringt.

Schon ziemlich genial, oder?
Also, alles in Ordnung bei mir da ☺! 
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

Freitag, 14. April 2017

15.04.17 - Neues Leben


Ein neuer kleiner Mensch ist unterwegs. 
Währenddessen hüpfen und springen insgesamt 3 Kinder durch unser Haus und bringen unsere Ruhe gehörig ins Wackeln.
Ein anderer, ein Grosser ist auch noch da.
Nachdem ordentlich gespielt und gesungen und gegessen wurde, liegen die Kleinen im Bett.
Und wir, wir Grossen, bekommen die Nachricht, dass der neue kleine Mensch endlich da ist.
Ui. Wie schön!
Oh. Wie besonders!
Mir wird ganz warm und kribblig zumute.
Und ich erinnere mich an Max' Geburt.
Es lässt mich immer noch nicht kalt, wenn ich eine schwangere Frau sehe.
Und wenn eine Frau, die ich kenne, gerade auf der Geburtenstation ist, dann finde ich erst wieder Ruhe, wenn sie es beide geschafft haben.
Nach einer angemessenen Würdigung des Geschehnisses mit am Stamperl Zirbenschnaps liegen wir endlich im Bett. Und meine Augen bleiben nicht zu.
Alles kommt wieder. Und will durchlebt werden. Und das Wunder des Lebens in seiner Erhabenheit ringt mir Ehrfurcht und tiefe Dankbarkeit ab.
Ich geh zu Max.
Er schläft.
Ich schau ihn an.
Und bin wieder mal sprachlos ob der Tatsache, dass dieses kleine, dieses wunderbare, schöne Wesen wirklich zu mir gehört und aus mir kommt.
Ich höre ihn atmen.
Und ich höre die Atemzüge der anderen Kinder.
Die, die sich in unserem Heim so behütet und so sicher fühlen, dass sie sich in sich fallen lassen können und tief und selig schlafen, während draussen der Wind die Bäume zum Tanzen bringt und der schon fast volle Mond beharrlich seiner Bahn rund ums Haus folgt.
 
Wir alle waren mal klein.
So klein wie Ava jetzt ist.
Wir sind grösser geworden.
Sind zu Kindern herangewachsen.
Und wir alle hatten Träume und Wünsche, wie unser Leben mal sein wird.
Wir sind erwachsen geworden.
Was ist aus unseren Träumen geworden?
Wie viele Kompromisse sind wir eingegangen?
Falten ziehen sich durchs Gesicht.
Die Haare werden allmählich grau.
Das Leben hinterlässt seine Spuren.
 
Oh, ich wünsche der kleinen Ava so sehr, dass sie ein glückliches Leben führen möge.
Ihr und all den anderen Kinder, die jetzt gerade auf die Welt kommen und irgendwann einmal diesen Planeten übernehmen werden.
 
Frohe Ostern!
Und frohes Leben!

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit


Max' Haarlocke, aufgenommen im Jänner 2017

Sonntag, 9. April 2017

09.04.17 - Umeå


Vor Wochen schon haben wir diesen Tripp gebucht. Und es hat sich herausgestellt, dass es genau der richtige Zeitpunkt war, um die Türen hinter uns zuzumachen, ins Auto zu steigen und abzuhauen.
 
Umeå. Das ist die Stadt in Schweden, die von sich selber sagt, sie sei die Stadt der Birken. Das find ich sehr lustig, zumal es überall, in jeder besiedelten und in jeder nichtbesiedelten Stelle in Schweden und Finnland nichts mehr gibt als Birken. Aber: Der Marketinggag ist genial!
Umeå liegt genau schräg gegenüber von uns, auf der anderen Seite des grossen Wassers. Und dorthin hamma uns auf den Weg gemacht. Also, eini ins Schiffl...


...und los isses gangen.

Das Meer ist wie eine riiiiesige Badewanne mit unglaublich viel Wasser drin und man kann ganz viel platsch, platsch, platsch machen.


Sooo spannend!

Das ist Umeå:

Birken, in Osterbuschen umfunktioniert,

Menschen, die flanierend die Sonne geniessen,

der immer noch zugefrorene Fluss,

Riesenbänke für Zwergenmenschen,

und ein kleiner Abenteurer, der es mit allem und jedem aufzunehmen bereit ist.

Kalles Highlight:


Max' Highlight:


Mein Highlight:


Fein wars!
Hab ganz vergessen, wie gut Reisen tun kann!
Und hab ganz vergessen, wie schön es sein kann, wieder nach Hause zu kommen.

Alles Gute, liebe Menschen!

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

Samstag, 1. April 2017

01.04.17 - Meine Mitbewohnerin


Es ist dunkel. Und es ist kalt. So kalt, dass ich mich kaum bewegen kann. Und wenn das Weisse vom Himmel fällt, dann schaue ich ihm manchmal zu und sehe, wie es wächst, und weiss doch gleichzeitig, dass das nichts mit mir zu tun hat.
Ich bewege mich kaum. Es gibt keinen Grund dafür. Die Kälte macht mich steif und hält meinen Bedarf an Nahrung verschwindend gering. Ich habe meine Ritze, in der ich die meiste Zeit des Winters verbringe. Dort ist es sicher und schön eng, sodass mir nichts passieren kann. Ich döse. Und ich träume.
Nur manchmal, so wie jetzt gerade, zieht es mich nach draussen. Die Wärme ruft und ich kann mich nicht dagegen wehren. Obwohl ich weiss, dass es noch viel zu früh ist.
Ich strecke meine 8 Beine und bewege mich vorsichtig in Richtung Ausgang. Ich weiss, ich muss vorsichtig sein. Es geht etwas nicht mit rechten Dingen zu, wenn es mitten im Winter warm wird. Ich spähe aus meiner Ritze. Meine 8 Augen wenden sich entsetzt ab. Es ist so hell. Als sie sich ein bisschen daran gewöhnt haben, kneife ich sie zusammen, und langsam werden die Umrisse schärfer und nehmen Gestalt an. Ich sehe - nichts. Zumindest nichts, das mich beunruhigt. Das grosse Braune liegt vor mir wie eh und je. Und der bunte Fleck ist immer noch drauf. Auch alles andere ist wie eh und je und ich wage meine ersten Schritte raus aus meinem Versteck. Es ist so herrlich kuschelig und warm. Und ich vergesse auf meine Vorsicht, als ich mich neben dem Roten niederlasse und mich genüsslich strecke und recke. Schon meine Mutter hat mich gewarnt und gemeint, dass meine Genusssucht mir irgendwann einmal das Leben kosten wird. Das taucht kurz in meinem Hinterkopf auf, aber es ist mir egal. Es ist sooo schön. Ich schliesse meine Augen. Und ich bade mich in einem Meer aus Wonne und Behaglichkeit.
Doch bald schon merke ich meinen Hunger. Er meldet sich immer dann, wenn es warm wird und ich aus meiner Döserei erwache. Das ist ein bisschen lästig, aber eigentlich wurscht, denn hier gibt es Viecher zuhauf. Sie wohnen genauso wie ich in irgendwelche Ritzen und dösen vor sich hin. Ich werde also sehr schnell fündig und ein knackiges Insekt lässt mich wohlig erschauern.
Halt. War da nicht was? Ein Schatten? Ach was. Du hast ja schon Halluzinationen.
Mmmmm. Es geht nichts über ein frisches Insekt. Wie lange dauert es eigentlich noch, bis die echte Wärme anfängt? Ich schmatze. Weil mich niemand daran stört. Es ist wunderbar allein zu sein! Ich furze. Und grinse. Und stopfe mir das nächste Bein in den Mund.
Uaaaah! Was ist das?!?!?
HIIIILFE!!! Aua. Mein Kopf! Lasst mich hier raus!!!
Es ist dunkel! Und ich bin nicht in meiner Ritze! Und ich kann nicht weglaufen! Sobald ich renne, sind meine Beine schon über meinem Kopf. HIIIILFE! MAMA! PAPA! Ach. Du wurdest ja von Mama gefressen. Ach, wurscht. HE, HÖRT MICH DENN KEINER?!?!?!!!!
Da. Ein Licht. Schnell darauf zu. Und - uaaaaaaaah. Ich falle. Puh. Nicht weit. Bin irgendwo. Wo? Egal. Ich muss weg. Weg. Wo ist eine Ritze? Wo kann ich rein? Wo soll ich hin? Weg. Weg. Weg.
 
So oder so ähnlich war wohl der heutige Tag für meine Mitbewohnerin, die Spinne.
Ich bin in mein Haus gegangen, um zu schreiben. Ich war schon lange nicht mehr hier, und es war saukalt, als ich rein bin. Der Ofen heizt wirklich gut und bald schon wars kuschelig warm. Und das anscheinend nicht nur für mich. Aus den Augenwinkeln hab ich gesehen, wie sich etwas auf dem Fensterbankl rechts von mir bewegt. Ich schaue hin, und krieg fast ein Herzkasperl. Eine riesige Spinne war da. Ja. Ich weiss schon. Die Grösse ist immer Ansichtssache und meistens relativ. Aber diese hier hat mir einen ordentlichen Schrecken eingejagt.
Im Reflex hab einen Becher geholt, so wie ich es immer mache, wenn ich jemanden entdecke, den ich lieber draussen hätte als drinnen. In meiner Hektik war ich jedoch zu patschert und die Spinne ist auf und davon.
 
Uiuiui...
Klopfenden Herzens hab ich mich wieder an meinen Computer gesetzt, nicht, ohne alle 5 Sekunden zu schauen, ob sie irgendwo in der Nähe meiner Füsse ist.
Was hat sie wohl gemacht? Und wo ist sie jetzt?
 
Ich glaub, ich muss eh bald wieder rüber...
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
Bildergebnis für spinne
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