Es ist dunkel. Und es ist kalt. So kalt, dass ich mich kaum bewegen kann. Und wenn das Weisse vom Himmel fällt, dann schaue ich ihm manchmal zu und sehe, wie es wächst, und weiss doch gleichzeitig, dass das nichts mit mir zu tun hat.
Ich bewege mich kaum. Es gibt keinen Grund dafür. Die Kälte macht mich steif und hält meinen Bedarf an Nahrung verschwindend gering. Ich habe meine Ritze, in der ich die meiste Zeit des Winters verbringe. Dort ist es sicher und schön eng, sodass mir nichts passieren kann. Ich döse. Und ich träume.
Nur manchmal, so wie jetzt gerade, zieht es mich nach draussen. Die Wärme ruft und ich kann mich nicht dagegen wehren. Obwohl ich weiss, dass es noch viel zu früh ist.
Ich strecke meine 8 Beine und bewege mich vorsichtig in Richtung Ausgang. Ich weiss, ich muss vorsichtig sein. Es geht etwas nicht mit rechten Dingen zu, wenn es mitten im Winter warm wird. Ich spähe aus meiner Ritze. Meine 8 Augen wenden sich entsetzt ab. Es ist so hell. Als sie sich ein bisschen daran gewöhnt haben, kneife ich sie zusammen, und langsam werden die Umrisse schärfer und nehmen Gestalt an. Ich sehe - nichts. Zumindest nichts, das mich beunruhigt. Das grosse Braune liegt vor mir wie eh und je. Und der bunte Fleck ist immer noch drauf. Auch alles andere ist wie eh und je und ich wage meine ersten Schritte raus aus meinem Versteck. Es ist so herrlich kuschelig und warm. Und ich vergesse auf meine Vorsicht, als ich mich neben dem Roten niederlasse und mich genüsslich strecke und recke. Schon meine Mutter hat mich gewarnt und gemeint, dass meine Genusssucht mir irgendwann einmal das Leben kosten wird. Das taucht kurz in meinem Hinterkopf auf, aber es ist mir egal. Es ist sooo schön. Ich schliesse meine Augen. Und ich bade mich in einem Meer aus Wonne und Behaglichkeit.
Doch bald schon merke ich meinen Hunger. Er meldet sich immer dann, wenn es warm wird und ich aus meiner Döserei erwache. Das ist ein bisschen lästig, aber eigentlich wurscht, denn hier gibt es Viecher zuhauf. Sie wohnen genauso wie ich in irgendwelche Ritzen und dösen vor sich hin. Ich werde also sehr schnell fündig und ein knackiges Insekt lässt mich wohlig erschauern.
Halt. War da nicht was? Ein Schatten? Ach was. Du hast ja schon Halluzinationen.
Mmmmm. Es geht nichts über ein frisches Insekt. Wie lange dauert es eigentlich noch, bis die echte Wärme anfängt? Ich schmatze. Weil mich niemand daran stört. Es ist wunderbar allein zu sein! Ich furze. Und grinse. Und stopfe mir das nächste Bein in den Mund.
Uaaaah! Was ist das?!?!?
HIIIILFE!!! Aua. Mein Kopf! Lasst mich hier raus!!!
Es ist dunkel! Und ich bin nicht in meiner Ritze! Und ich kann nicht weglaufen! Sobald ich renne, sind meine Beine schon über meinem Kopf. HIIIILFE! MAMA! PAPA! Ach. Du wurdest ja von Mama gefressen. Ach, wurscht. HE, HÖRT MICH DENN KEINER?!?!?!!!!
Da. Ein Licht. Schnell darauf zu. Und - uaaaaaaaah. Ich falle. Puh. Nicht weit. Bin irgendwo. Wo? Egal. Ich muss weg. Weg. Wo ist eine Ritze? Wo kann ich rein? Wo soll ich hin? Weg. Weg. Weg.
So oder so ähnlich war wohl der heutige Tag für meine Mitbewohnerin, die Spinne.
Ich bin in mein Haus gegangen, um zu schreiben. Ich war schon lange nicht mehr hier, und es war saukalt, als ich rein bin. Der Ofen heizt wirklich gut und bald schon wars kuschelig warm. Und das anscheinend nicht nur für mich. Aus den Augenwinkeln hab ich gesehen, wie sich etwas auf dem Fensterbankl rechts von mir bewegt. Ich schaue hin, und krieg fast ein Herzkasperl. Eine riesige Spinne war da. Ja. Ich weiss schon. Die Grösse ist immer Ansichtssache und meistens relativ. Aber diese hier hat mir einen ordentlichen Schrecken eingejagt.
Im Reflex hab einen Becher geholt, so wie ich es immer mache, wenn ich jemanden entdecke, den ich lieber draussen hätte als drinnen. In meiner Hektik war ich jedoch zu patschert und die Spinne ist auf und davon.
Uiuiui...
Klopfenden Herzens hab ich mich wieder an meinen Computer gesetzt, nicht, ohne alle 5 Sekunden zu schauen, ob sie irgendwo in der Nähe meiner Füsse ist.
Was hat sie wohl gemacht? Und wo ist sie jetzt?
Ich glaub, ich muss eh bald wieder rüber...
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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