Wenn ich dieses Ereignis beschreiben soll, stoße ich sehr schnell, genauer gesagt: augenblicklich, an meine schriftstellerischen Grenzen. Wie auch könnte ich adäquat dieses Gefühl in Worte fassen, das mich überkommt, wenn ich mich mit einem Beatle in einem Raum befinde?
Keine Chance.
Vielleicht sollte ich einen Schreibunterricht nehmen?
Aber ge.
Ich probiers mal so:
Wäre an diesem Abend ein futzikleines Weibl oder Mandl in meinen Kopf hineingekraxelt mit der Fähigkeit, das momentane Empfinden und Denken zu lesen, und hätte es sich dort ein bisschen umgeschaut, hätte es vielleicht Folgendes vorgefunden:
Erstaunen.
Erstaunen darüber, dass Ringo Starr so klein ist.
Und Erstaunen darüber, dass sein Tanzstil gar so hilflos ist.
Amüsement.
Ringo hat nicht das Genie eines John Lennon, und er hat nicht die Tiefe eines George Harrison, auch fehlt ihm der Charme eines Paul McCartney.
Aber ist er nicht einfach nur süß in seinen Singversuchen, in seiner Nettigkeit, in seiner Coolness, in seiner herrlichen Normalität?
!!!UAAAAH!!!
So muss dieses Gefühl heißen, denn ein anderes Wort gibt es nicht.
"Yellow Submarine". Er ist der einzige, der das singen darf, weil er der einzige ist, der diesem Lied seinen Stimme geschenkt hat. Damals.
Wir alle springen auf. Wir singen. Ich weine. Und ich bild mir ein, wir spüren alle dasselbe: Ein tiefes Bedürfnis, sich zu verbeugen vor dem Menschen, der dazu beigetragen hat, dass Lieder wie dieses in diese Welt gekommen sind. Wir haben uns nicht verbeugt. Aber unsere Standing Ovations hatten denselben Zweck.
Ehrfurcht.
Ehrfurcht vor der Zeit.
Ehrfurcht vor dem Alter(n).
Sie waren so jung damals. Viel jünger als ich es heute bin. Und dann haben sie sich zusammengesetzt, mit ihren 20 Jahren, und haben 10 Jahre lang die Welt auf den Kopf gestellt. Einfach so.
Und jetzt steht er da, der Ringo Starr, mit seinen beinahe 80 Jahren. Er springt, er läuft, er spielt seine Drums, er macht seine Scherze mit dem Publikum und tut grad so, als sei er einer von uns.
Dankbarkeit.
Dankbarkeit, dass er noch lebt.
Dankbarkeit, dass ein Wind von damals dahergeweht kommt und mir eine Ahnung verleiht, wie es möglicherweise war, damals.
Freude.
Auf dem Weg zum Hostel spüre ich, wie meine ureigene Beatlesgeschichte mit jedem Hinspüren des gerade Erlebten ein Stück weit runder wird. Und mit ihr ich.
Und dieses kleine Weiblmandl schaut sich um und denkt und spürt nichts als ein einziges, ein großes Ja! In mir und in sich selbst.
Nach einer Weile kraxelt es aus meinem Kopf heraus und zieht weiter.
Liebe Leute, danke fürs Dabeisein, danke fürs Mitgehen, danke für eure Feedbacks!
Mit diesem Post verabschiede ich mich in die Sommerpause.
Obs dann im Herbst weitergeht, weiß ich nicht. Falls alles so kommt, wie es sich jetzt einmal abzeichnet, jobmäßig und ganz überhaupt, dann wirds richtig viel und richtig eng. Und dann schauts nicht gut aus für die Blogzukunft.
Aber jetzt tu ma einfach mal Sommer genießen.
Habts es gut und habts es fein!
Alles Liebe!
Oder wie Ringo zu sagen pflegt:
Peace and love is all you need!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit