Samstag, 28. Januar 2017

28.01.17 - Der vergebliche Versuch, einen BH zu kaufen.


Phase 1: Single.
Man weiss, was man zu tun hat, um einen gewissen "Marktwert" zu bekommen, zu haben und aufrecht zu erhalten. Alles, was es dazu braucht: man muss gut ausschauen. Und man weiss, wie das geht. Schliesslich wird es einem ja überall gesagt und gezeigt. Man hört Männer ebenso wie Frauen entweder abfällig oder bewundernd über das Äussere von Frauen reden. Man schaut TV. Man liest Zeitung. Man fährt mit der Strassenbahn. Egal. Immer und überall sind hübsche, schlanke, sexy, fröhliche Frauen abgebildet, die uns normalen Frauen zeigen, wie wir in Wirklichkeit auszusehen und zu sein hätten.

Phase 2: Verpartnert.
Die Grundstimmung wird ein bisschen entspannter. Weil man ja nicht mehr suchen oder gefunden werden muss. Doch in der Eigenwahrnehmung gilt grundsätzlich alles noch so wie oben beschrieben.

Phase 3: Schwanger.
Plötzlich ist alles anders. Und wie oft hab ich nicht die erleichterten Sätze gehört: Endlich darf ich essen. Endlich darf ich dick sein. Und meine eigene Erfahrung zeigt mir genau das. Die Gesellschaft erlaubt einem fast alles. Man darf sogar zusätzlich zum entspannten kulinarischen Genuss auch mal grantig sein oder weinen, ohne dass man gleich blöd angemacht oder in Frage gestellt wird. Oh, wie herrlich!

Phase 4: Stillende Mama.
Die Brust ist gross, denn das kleine Wesen will gefüttert werden. Die Brust bleibt gross, weil der Hunger wird nicht weniger. Die eigene Äusserlichkeit tritt völlig in den Hintergrund, ganz einfach deshalb, weil man schlicht und ergreifend keine Zeit mehr dafür hat. Die Kleidung orientiert sich an Zweckmässigkeit und Fleckengehalt. Und das alles wird von der Gesellschaft grosszügig geduldet. Danke!

Phase 5: Nicht mehr stillende Mama.
Der Körper verändert sich wieder. Wird er so wie früher? Nein. Niemals. Schliesslich hat der Bauch ein kleines Wesen für mehrere Monate beherbergt. Und die Brust hat das entstandene Leben aufrechterhalten, indem es dieses kleine Wesen mit allem Nötigen versorgt hat. Der Körper wird also einfach wieder und noch einmal anders. Wie anders? Die Antwort darauf kenne ich leider noch nicht.
Denn - ich bin genau an diesem Punkt angekommen. Ausgang: Ungewiss.
Man könnte es auch so formulieren: Ich bin auf der Suche nach meinem neuen Ich. Wer bin ich als nichtstillende Mutter? Wie seh ich aus? Was ziehe ich an, jetzt, wo alles wieder möglich ist? Was ist mir wichtig? Wie gebe ich mich? Wie erlebe ich mich? Wie erleben mich die anderen?
Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, bin ich - auch um der Traurigkeit auszuweichen und diesen Schritt in die beiderseitige Unabhängigkeit einzuläuten - von Unterwäschenabteilung zu Unterwäschenabteilung gezogen auf der Suche nach einem neuen, schönen BH.

Liebe Männer, kurzer Einwurf: Wenn euch das jetzt zu intim ist, dann verabschieden wir uns hier an dieser Stelle und sehen uns nächste Woche wieder. Wenn ihr aber mutig seid, dann bleibt da. Schliesslich kennt so gut wie jeder von euch eine Frau, die unabdingbar zu euch steht oder stand. Und: Es passiert nichts. Versprochen.

Mir ist, als wäre ich für 20 Jahre in eine Art Tiefschlaf verfallen gewesen und sei gerade eben in der Unterwäschenabteilung wieder aufgewacht. Wohin man schaut: Pushup-BHs, Super-Pushup-BHs, Balconette-BHs (sic!), und derer aller Aufgabe ist es mit ihren ausgestopften Teilen (mittlerweile auch mit austauschbaren Einlagen erhältlich) den Busen zusammenzupressen und zu heben oder aber zumindest optisch deutlich zu vergrössern. Sucht man ein Teil, das einfach nur unterstützend und fein sein soll, ist man auf verlorenem Posten.
Was, frage ich mich, wird hier vermittelt? Für mich ist das ganz klar: Du, Frau, genügst nicht. So wie du bist, Frau, bist du zu wenig. Dein Busen, Frau, egal wie er aussieht, ist zu klein. Du, Frau, brauchst was Gscheits. Denn nur dann, Frau, bist du so, wie der Mann dich will und so, wie wir alle es erwarten.
Puh. Ich werd traurig. Und so wütend. Was, bitte, vermitteln wir damit unseren Töchtern? Und unseren Söhnen?
Ich gebe nicht auf.
Ich bin mir sicher, ich bin nicht die einzige.
Aber ich geb schon zu. Meine Ansprüche sind hoch. So hoch,  dass ich - ja, ich weiss, Unverschämtheit kommt vor dem Fall - nicht nur gern einen normalen, feinen BH hätte, er soll bitte auch noch aus Baumwolle oder einem anderen natürlichen Material sein. Und daran scheitere ich schlussendlich wirklich mit Bomben und Granaten. Jeder, J E D E R einzelne BH ist aus Polyester, also aus Plastik,  Polyamid, eine andere Form von Plastik und aus Nylon, dasselbe wie Polyamid, gemischt mit Elastan. Soll ich mir wirklich Plastik über meinen Busen ziehen?? Ja, spinn ich?! Wer lässt sich so etwas einfallen? Und, wieso ziehen alle mit?

Vielleicht ist es das Alter, das mich so komisch denken lässt. Früher war mir das auch wurscht. Aber mittlerweile denke ich mir halt, dass alles, was ich esse und dass alles, was ich trage, sprich: alles, was direkt mit meinem Körper in Kontakt kommt, direkte Auswirkungen auf mich und mein Sein, Empfinden und Erleben hat. Es kann einfach nicht gesund sein, mit Plastik auf dem Herzen und auf der Brust rumzurennen. Es erscheint mir abartig und krank, einen Körperteil, der so viel zu geben hat (und wie in meinem Fall: gegeben hat) und so sensibel ist, in Plastik zu wickeln und somit "mundtot", also empfindungs- und ausdruckslos zu machen, ihn dafür aber sexy in Szene zu setzen. Da stimmt doch etwas nicht!

Ich  frage mich wirklich, welche Menschen die Designer von solchen Kleidungsstücken sind. Es sind nicht nur Männer. Da bin ich mir sicher. Viele Frauen sind Meister darin, so zu tun, als seien sie Männer. Sie haben es sich im Laufe ihres Leben angeeignet, zu denken und zu schauen wie Männer. Sie wollen die besseren Männer sein. Und sind immer vorne mit dabei, wenn es darum geht, ab- oder sonst irgendwie wertend über Frauen zu sprechen.

Egal, ob Männer oder Frauen, wer immer solche BHs entwickelt, gehört eingesperrt.
Und Geschäfte, die ausschliesslich solche Dinger zum Kauf anbieten ohne jegliche Alternative, gehören zugesperrt.
Und die, die solche BHs kaufen, ja, die wollen es entweder so, und dann ist es eh OK, oder aber sie sind arme Schweine.
Oh, ich armes Schwein...

Nein. Ich bin kein armes Schwein. Ich bin froh, dass ich weiss, was gut für mich ist. Dass ich weiss, was ich nicht will. Und dass ich weiss, was ich will. In vielerlei Hinsicht.
Es ist gut, älter zu werden 😊!

In diesem Sinne:
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

PS: Zum Abschluss ein Foto, das auf den ersten Blick überhaupt nichts mit meinem heutigen Thema zu tun hat. Erst auf den zweiten Blick wird man sich der Verbindung bewusst. Max springt und saust in sein Leben. Auf eigene Faust.
Auf dem Eis. Ein paar hundert Meter von unserem Haus entfernt.

 

Sonntag, 22. Januar 2017

22.01.17 - A Tirolerin in Finnland


Fertig. Nur noch mal schnell drüberlesen.
Hm. Nein. Das kann ich so nicht machen. Auch wenns von Herzen kommt. Es gibt Dinge, die gehören nicht ins Internet.
Löschen.
Ok. Was anderes.
Endlich. Fertig.
Grad noch mal lesen.
Na ge. Da ist man ja beim 3. Satz schon nicht mehr gscheit dabei.
Na. Weg damit.
Und jetzt?
Wie geht das gleich noch amal, das Blogschreiben?
Mir ist, als hätt ichs vollkommen vergessen.
Was interessiert? Was langweilt? Wozu hab ich etwas zu sagen? Wo halt ich besser meinen Mund?
 
Zu meinen Bloggeranfängen hab ich mir immer schon Tage vorher Gedanken gemacht und überlegt, was ich denn schreiben könnte. Mit der Zeit aber bin ich draufgekommen, dass ich jene Einträge am liebsten mag, die meinen aktuellen Geistes- und Emotionswelten entspringen. Also habe ich mir die Strategie angeeignet, mich vor den Computer zu setzen und erst dann zu schauen, was grad da ist. In meinem Kopf. In meinem Gfühl. Oder sonst wo innendrin. Und dann einfach draufloszuschreiben.
Doch ganz plötzlich geht diese Strategie nicht mehr auf.
Nichts fliesst.
Und die Suche nach einem Thema übernimmt der Kopf. Da ist noch nie was Gscheites dabei rausgekommen. Und das, was in meinem Gfühl rumschwirrt, scheint so gross und so funkelnd für mich, jedoch so unbedeutend für eine/n LeserIn, dass ich es lieber sein lasse.
 
A Tirolerin in Finnland.
 
A Tirolerin in Finnland nimmt die hiesige Tageszeitung und liest ganz ungläubig, dass angefordert wird, das Zentimeter dicke Glatteis auf den Strassen mit speziellen Maschinen aufzurauhen. Das löst Kopfschütteln aus. Hat hier schon mal jemand was von Salz oder Kiesel gehört? Die Antwort von den Zuständigen, dass man sein Fahrzeug eben wintertüchtig machen solle und die Sicherheit in jedem seiner eigenen Verantwortung liege, macht sie sprachlos.
 
A Tirolerin in Finnland, eine wahre Kaffeeliebhaberin, ist auf Tee umgestiegen. Das ist ihr Resümee nach jahrelanger, jedoch leider erfolgloser Suche nach geniessbarem Kaffee.
 
 A Tirolerin in Finnland ist dermassen wütend über die Frauen feindliche Politik Finnlands, dass sie erst mal nicht anders kann als ihrem so lieben Mann eine lautstarke Predigt über die Gemeinheit und Ungerechtigkeit derselben zu halten. Er kann sie nur bestätigen. Wohin mit dieser grenzenlosen Wut???
 
A Tirolerin in Finnland steigt in der Nacht ihrer Heimkehr aus dem Auto. Und hört - nichts. Sie hört die Stille. Ehrfürchtig und staunend lässt sie sich von dieser zudecken. Und macht einen tiefen, dankbaren Atemzug, während sie ihren Blick auf diesen unfassbaren Sternenhimmel legt.
 
A Tirolerin in Finnland fällt mit einem lautstarken Krach zu Boden, weil sie in der Schwärze der Nacht schwungvoll eine Stufe nimmt, die gar nicht da ist. ZACK! Au! Kalle schrickt auf. Wo ist Max? Ja. Eh im Bett. AUUU!!! Nix passiert. Der neugebaute Turm jedoch hats in sich.
 
A Tirolerin in Finnland ist eine, die verdammt viel Glück hat in ihrem Leben. In jeglicher Hinsicht.
 
A Tirolerin in Finnland schnauft auf.
Es geht doch!
A Tirolerin in Finnland ist zurück 😊!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 
meine beiden Lieblingsmenschen unterwegs auf Finnlands Strassen