Bundespräsidentenwahl in Österreich. Und wer auch immer gewinnt, die rechte Front ist stark wie schon lange nicht mehr und verschwindet auch dann nicht, wenn VdB gewinnen sollte. Ich krieg Bauchweh und Angst, wenn ich daran denke, was das letzte Mal geschah, als Rechts die Zukunft diktiert hat. Und wie es scheint, gehöre ich damit der Minderheit an.
Bin mal neugierig, wie lange sie noch meinen Sohn und meinen Mann, die ja beide Ausländer sind wie sie im Buche stehen (einer von beiden schaut sogar a bissi bedrohlich aus mit seinen dunklen Haaren, den dunklen, durchdringlichen Augen und seinem 3-Tages-Bart) einreisen lassen. Aber eh, so lange sie als Touristen kommen und a bissl Geld da lassen, und dann aber bitteschön wieder dahin zurückgehen, von wo sie gekommen sind, passt das schon.
Ich mache mich nicht lustig über die Ängste, die die Menschen haben, die neuerdings Rechts wählen. Ich habe auch Ängste. Doch weiss ich, dass Hass und laute Schwarz-Weiss-Reden, dass Menschenverachtung, Respektlosigkeit, Augenverschliessen und rechtes Gedankengut noch nie zu einer konstruktiven und lebensbejahenden Lösung geführt haben.
Es bringt nichts, meine Gedanken zu streuen. Es ist alles gesagt worden in den letzten Wochen. Von viel gscheiteren und wortgewandteren Menschen, als ich es bin.
Das für mich Erschreckende und Lähmende ist, dass man mit Argumenten und Inhaltlichkeit nicht gegen diese Bewegung ankommt. Was hilft? Ich glaube wirklich, da hilft gar nichts. Wie es scheint, ist es in unsicheren und bangen Zeiten durch bestimmtes Gehabe und Auftreten und durch vermeintlich einfache Lösungsangebote, die jegliche Komplexität verneinen, relativ leicht, viele Menschen auf die rechte Seite zu ziehen. Wenn diese aber mal dort sind, ist es schier unmöglich, sie zurückzuholen. Zumindest nicht in Gesprächen. Weil das Gespräch nicht existiert. Nicht existieren darf. Ein Gespräch beinhaltet, dass man den Gesprächspartner hört, sich mit ihm und seinen Meinungen auseinandersetzt, eigene Meinungen kundtut und gemeinsam eine bestimmten Sache aus verschiedenen Blickwinkeln anschaut und bespricht. Das tun Menschen auf der rechten Seite nicht. Und sie werden schon ihre Gründe dafür haben.
In Niederösterreich montiert jemand eine Hakenkreuzfahne auf den Maibaum. Nicht nur Österreich, ganz Europa ziehts in diese Richtung. Aber auch die USA, wenn man den Reden des Mr. Trump lauscht. Alles wackelt.
Und dann sitz ich da in unserem finnischen Wald, spiele mit Max und lausche Kalles Ausführungen zu Finnlands Überlegungen, der NATO beizutreten und welche Konsequenzen das hätte bzw. haben könnte. Russland ist nah. Und Russland ist gross. Und Russland ist stark. Was, wenn Mr. Putin auf einen falschen Gedanken kommt?
Mein altes Land wackelt.
Mein neues auch.
Und ich noch viel mehr. Nur wackle ich nicht in meinen Ansichten, sondern vor lauter Angst.
Stabil ist nur noch meine Beziehung. Und die steht auf wackeligen Beinen, wenn man den Tod miteinbezieht...
Uiuiui....
Aber einstweilen, liebe Leute, ziehe ich doch noch frohen Mutes durch mein Leben.
Es gibt den Kalle. Der, der mich hält, wenn mir das alles zu viel wird. Und der, der mir zeigt, dass das Leben das auch und aber noch viel mehr ist.
Und es gibt sie noch, die anderen Menschen, die, die gerne nachdenken und klugen, klaren Kopfes und Herzens jeden Tag aufs neue versuchen, die Welt und das Leben darauf ein bisschen besser zu gestalten.
Und es gibt die Vögel, denen unser ganzes Getue völlig wurscht ist und die durch Gesang und Farbenreichtum versuchen, die Liebe auf ihre Seite zu ziehen.
Und es gibt die Frau, die mir einen Job anbietet und die mir, ohne meine Fähigkeiten zu kennen, vertraut, dass ich das gut machen werde.
Und es gibt Max, der mit einem unglaublichen Leuchten in seinen Augen das erste Mal alleine mit Schwung seine Hände zusammenführt und somit klatscht.
Und es gibt eine Freundin, die sich noch einmal, trotz irren Strapazen und Schmerzen, darauf eingelassen hat, Leben zu schenken. Sie liegt gerade in den Wehen.
Und es gibt Menschen, die sich auf ihre Hinterhaxn stellen und noch einmal völlig neu anfangen, wenn das Alte zerbröselt.
Und es gibt die Sonne, die schon seit Jahrmillionen auf diese Erde scheint, und die an die Menschheit gewöhnt ist. Manchmal regiert Zerstörung, manchmal ist es richtig angenehm auf diesem Planeten. Es wechselt sich immer ab. Und was grad am Zug ist, ist letzten Endes völlig wurscht. Es kommt. Es geht. Es kommt. Es geht. Es ist die Menschheit, die sichs so richtet und sie ist es auch, die die Konsequenz zu tragen hat.
Das ist mein Bild des Tages.
Es ist die Blume der Freude, der Hoffnung und der Zuversicht. Sie öffnet sich auch dann, wenns so gar nicht nach Frühling ausschaut oder sich anfühlt.
In diesem Sinne - good vibrations und einen geglückten Sonntag!
Und ich, ich geh jetzt dem Gesang der Vögel lauschen.
Liebe Grüsse aus dem Norden,
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit