Samstag, 28. Mai 2016

28.05.16 - Als es noch keine Waschmaschinen gab...


... da hat man sich am Fluss getroffen und hat dort seine Wäsche gewaschen. Recht mühsam und beschwerlich war's. Aber da man ja nichts wusste von einer möglichen Zukunft mit Waschmaschine, so hat man sich nicht zusätzlich mit Gedanken an Plagerei und Anstrengung belastet, sondern einfach getan.
 
Die Zukunft ist angekommen. Und jeder und jede von uns - zumindest in Mittel- und Westeuropa - darf sich stolz "BenutzerIn einer Waschmaschine" nennen (was mich übrigens sehr dankbar stimmt angesichts der unendlichen Vielzahl von Windeln, die Max täglich verbraucht).
Dass das immer noch nicht der weltweite Standard ist, wissen wir. Ghana, Kasachstan, Peru, Finnland...
Finnland?
Ja - Finnland! Soll ich euch zeigen, wie es in Finnland ausschaut?
So schauts aus:





Da treffen sich zwei Frauen am Baltischen Meer, um ihre Teppiche zu waschen. An der eigens dafür vorgesehenen Waschvorrichtung natürlich. Mit Gestänge zum Aufhängen und Trocknen.

Und damit auch alles seine Ordnung hat:

Teppichwaschen von 5 bis 23 Uhr
 
Immer noch und immer wieder aufs Neue versetzt mich dieses Finnland in Staunen.
Manchmal, da zeigt es sich mir über irgendeine totale Absurdität, wie z.B. mit der Schlagzeile im Vaasabladet "Ab sofort bis Herbst kann man wieder Teppiche waschen!", schaut mich an, tut, als sei das das Normalste der Welt,  dreht sich um, geht und lässt mich ohne weitere Erklärungen oder Erläuterungen mit grossen Augen und am grossen Fragezeichen zurück. Und ich, ich suche Kalle, und frage: Hee, Kalleeee....??? Und alsbald taucht in mir die Frage auf: Wie ist das in Österreich?
 
In diesem Fall: Ich selbst hab noch nie einen Teppich gewaschen. Was bedeutet, dass ich nicht die geringste Ahnung habe. Waschen die Österreicher überhaupt ihre Teppiche? Und falls ja, warum? Und vor allem wie? Und wo? Oder gibts da eine eigene Teppichwaschanstalt? Oder - gehen die Tiroler spätnächstens heimlich an den Inn und die Niederösterreicher an die Donau mit ihrem Teppich unterm Arm? Jedes Tal hat seinen Bach. Waschbach? Waschtag am Waschbach? Jeden Dienstag? 
 
Kann mich bitte mal jemand aufklären???
Danke!!!
 
Ts, ts, ts... Was es nicht alles gibt in dieser Welt...
 
Pfiat enk! Hej då -
d'Birgit
 
 
 

Sonntag, 22. Mai 2016

22.05.16 - Mein Wort zum (Wahl-)Sonntag


Bundespräsidentenwahl in Österreich. Und wer auch immer gewinnt, die rechte Front ist stark wie schon lange nicht mehr und verschwindet auch dann nicht, wenn VdB gewinnen sollte. Ich krieg Bauchweh und Angst, wenn ich daran denke, was das letzte Mal geschah, als Rechts die Zukunft diktiert hat. Und wie es scheint, gehöre ich damit der Minderheit an.
Bin mal neugierig, wie lange sie noch meinen Sohn und meinen Mann, die ja beide Ausländer sind wie sie im Buche stehen (einer von beiden schaut sogar a bissi bedrohlich aus mit seinen dunklen Haaren, den dunklen, durchdringlichen Augen und seinem 3-Tages-Bart) einreisen lassen. Aber eh, so lange sie als Touristen kommen und a bissl Geld da lassen, und dann aber bitteschön wieder dahin zurückgehen, von wo sie gekommen sind, passt das schon.
 
Ich mache mich nicht lustig über die Ängste, die die Menschen haben, die neuerdings Rechts wählen. Ich habe auch Ängste. Doch weiss ich, dass Hass und laute Schwarz-Weiss-Reden, dass Menschenverachtung, Respektlosigkeit, Augenverschliessen und rechtes Gedankengut noch nie zu einer konstruktiven und lebensbejahenden Lösung geführt haben.
 
Es bringt nichts, meine Gedanken zu streuen. Es ist alles gesagt worden in den letzten Wochen. Von viel gscheiteren und wortgewandteren Menschen, als ich es bin.
 
Das für mich Erschreckende und Lähmende ist, dass man mit Argumenten und Inhaltlichkeit nicht gegen diese Bewegung ankommt. Was hilft? Ich glaube wirklich, da hilft gar nichts. Wie es scheint, ist es in unsicheren und bangen Zeiten durch bestimmtes Gehabe und Auftreten und durch vermeintlich einfache Lösungsangebote, die jegliche Komplexität verneinen,  relativ leicht, viele Menschen auf die rechte Seite zu ziehen. Wenn diese aber mal dort sind, ist es schier unmöglich, sie zurückzuholen. Zumindest nicht in Gesprächen. Weil das Gespräch nicht existiert. Nicht existieren darf. Ein Gespräch beinhaltet, dass man den Gesprächspartner hört, sich mit ihm und seinen Meinungen auseinandersetzt, eigene Meinungen kundtut und gemeinsam eine bestimmten Sache aus verschiedenen Blickwinkeln anschaut und bespricht. Das tun Menschen auf der rechten Seite nicht. Und sie werden schon ihre Gründe dafür haben.
 
In Niederösterreich montiert jemand eine Hakenkreuzfahne auf den Maibaum. Nicht nur Österreich, ganz Europa ziehts in diese Richtung. Aber auch die USA, wenn man den Reden des Mr. Trump lauscht. Alles wackelt.
 
Und dann sitz ich da in unserem finnischen Wald, spiele mit Max und lausche Kalles Ausführungen zu Finnlands Überlegungen, der NATO beizutreten und welche Konsequenzen das hätte bzw. haben könnte. Russland ist nah. Und Russland ist gross. Und Russland ist stark. Was, wenn Mr. Putin auf einen falschen Gedanken kommt?
 
Mein altes Land wackelt.
Mein neues auch.
Und ich noch viel mehr. Nur wackle ich nicht in meinen Ansichten, sondern vor lauter Angst.
Stabil ist nur noch meine Beziehung. Und die steht auf wackeligen Beinen, wenn man den Tod miteinbezieht...
 
Uiuiui....
 
Aber einstweilen, liebe Leute, ziehe ich doch noch frohen Mutes durch mein Leben.
Es gibt den Kalle. Der, der mich hält, wenn mir das alles zu viel wird. Und der, der mir zeigt, dass das Leben das auch und aber noch viel mehr ist. 
Und es gibt sie noch, die anderen Menschen, die, die gerne nachdenken und klugen, klaren Kopfes und Herzens jeden Tag aufs neue versuchen, die Welt und das Leben darauf ein bisschen besser zu gestalten.
Und es gibt die Vögel, denen unser ganzes Getue völlig wurscht ist und die durch Gesang und Farbenreichtum versuchen, die Liebe auf ihre Seite zu ziehen.
Und es gibt die Frau, die mir einen Job anbietet und die mir, ohne meine Fähigkeiten zu kennen, vertraut, dass ich das gut machen werde.
Und es gibt Max, der mit einem unglaublichen Leuchten in seinen Augen das erste Mal alleine mit Schwung seine Hände zusammenführt und somit klatscht.
Und es gibt eine Freundin, die sich noch einmal, trotz irren Strapazen und Schmerzen, darauf eingelassen hat, Leben zu schenken. Sie liegt gerade in den Wehen.
Und es gibt Menschen, die sich auf ihre Hinterhaxn stellen und noch einmal völlig neu anfangen, wenn das Alte zerbröselt.
Und es gibt die Sonne, die schon seit Jahrmillionen auf diese Erde scheint, und die an die Menschheit gewöhnt ist. Manchmal regiert Zerstörung, manchmal ist es richtig angenehm auf diesem Planeten. Es wechselt sich immer ab. Und was grad am Zug ist, ist letzten Endes völlig wurscht. Es kommt. Es geht. Es kommt. Es geht. Es ist die Menschheit, die sichs so richtet und sie ist es auch, die die Konsequenz zu tragen hat.
 
Das ist mein Bild des Tages.
Es ist die Blume der Freude, der Hoffnung und der Zuversicht. Sie öffnet sich auch dann, wenns so gar nicht nach Frühling ausschaut oder sich anfühlt.
 
 
In diesem Sinne - good vibrations und einen geglückten Sonntag!
Und ich, ich geh jetzt dem Gesang der Vögel lauschen.
 
Liebe Grüsse aus dem Norden,
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 
 

Samstag, 14. Mai 2016

14.05.16 - Knut, der Elch


 
Ein Bus. Knaatschrot. Wie der englische. Nur eben auf finnisch.
Ein Bus, der der neueste Renner ist. Seit ungefähr einem Jahr im Einsatz, ist er fast immer ausgebucht, weil er sehr billig Fahrten von da nach dort ermöglicht. Das günstige Preisticket wiegt vermutlich das nervige Dahinzockeln auf Finnlands Landstrassen auf.

Bildergebnis für bus helsinki vaasa

Nein. Ich mache keine Werbung. Das liegt mir ferner als nur irgendwas.
Es ist nur - ja, wie soll ich sagen? Dieser Elch in sportlichem Outfit, der auf der Seite des Busses auf zwei Haxn rennt, was das Zeug hält, und der auf der Rückseite den Kofferraum mit beiden - Pfoten? - festhält,

Bildergebnis für onni bus

soll wahrscheinlich von der Kreativität der Marketingabteilung zeugen. Und, ich mein, ja, eh, ist woll ganz ok, nit?

Und doch, die Elche, also die richtigen, fühlen sich durch diese absurde Vermenschlichung verständlicherweise masslos beleidigt. Welcher Elch wird schon gern wie ein Idiot joggend und grinsend auf einem Bus dargestellt?! Ein Elch ist ein Elch und nichts als dieser. Majestätisch streift er auf seinen ewig langen vier Beinen durch Finnlands Wälder und versucht, wiederkäuend seinen Frieden zu finden, indem er dem Menschen so gut es geht aus dem Weg geht. So beleidigend diese Karikatur auch sein möge, die meisten Elche lassen dann doch bald Bus Bus und Bild Bild sein und beschäftigen sich lieber mit den wirklich wichtigen Dingen eines Elchlebens.
 
Doch eines Tages kam Knut. Und Knut wollte sich das nicht bieten lassen. Ihr müsst wissen, Knut war einer der aufmüpfigen Elche. Einer, der sein Maul stets aufgemacht hat, wenn ihm etwas sauer aufgestossen ist. Einer, der sich für die Rechte und das Ansehen der Elche eingesetzt hat, und dem das aufgrund seiner Angst einflössenden Wuchtigkeit nie schwer gefallen ist.
 
Knut hat diesen Bus beobachtet. Jeden Tag ist er mindestens 5 Mal vor seiner Schnauze hin- und hergefahren. Erst hat Knut noch versucht, diesem Spott mit Ignoranz zu begegnen. Was kann dieses komische Ungetüm auf 4 Rädern ihm, dem grossen mächtigen Knut, schon anhaben? Aber, wie es der Teufel eben so will, immer genau dann, wenn Knut die Strasse überqueren wollte, ist dieser Bus dahergekommen. Man hat ihn schon von weitem gehört. Und Knut musste - warten. Knut hasste warten. Und dann diese Fratze von Bus. Mit all diesen komischen Zweibeinern drin. Bald kam es gar so weit, dass Knuts Rhythmus vom Fahrplan des Busses bestimmt wurde. Wenn er gehen wollte, konnte er nicht, und musste es tun, wenn er nicht wollte. Knut wurde grantig. Und stinksauer. Er konnte es nicht ertragen, wenn ihm jemand in sein Tagwerk pfuschte. Und schon gar nicht, wenn er aus der Menschenwelt stammte.
 
Donnerstag, 12. Mai.
Knut verliert seine Nerven. Sieht nur mehr rot, als der Bus wieder genau dann auftaucht, als er auf dem Weg zu seinem Fressplatz ist. Es geht mit Knut und seiner Selbsteinschätzung durch. Er sieht den Bus. Schnaubt durch seine Nüstern. Seine Augen weit aufgerissen rennt er los. Auf den Bus zu. Er hat schon viel grössere besiegt, so feuert er sich an. Yinna, seine Verlobte, kommt gerade ums Eck, als sie ihren Geliebten wie wahnsinnig auf den Bus zurennen sieht. Sie erstarrt. Kann nicht einmal mehr schreien.
 
Und das ist das traurige Ende der Geschichte von Knut, dem Elch:
 
 
Und die Moral von der Geschicht:
Ich weiss es leider nicht.
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 
 

Samstag, 7. Mai 2016

07.05.16 - Muttertag


Alles Gute, Mama!

Glad Morsdag, Birgit!
Mmmp, prrrrrrrr, chchchchchck!

Danke :-)!

Auf einmal gibts einen Tag zusätzlich für mich. Ich weiss nicht recht, was ich davon halten soll. Ja, eh nett. Ich mein, ich werd gern verwöhnt und beschenkt. So isses ja nit. Aber irgendwie fühlt sichs komisch an.
 
Ja, ja, es stimmt schon. Ich bin Mutter. Ganz klar. Aber - doch nicht nur das! Ich bin ja - Birgit. Mit all ihren Farben und Schattierungen. Und eben auch Rollen.

Ich bin Birgit.
Ich bin Frau.
Ich bin Lebensgefährtin.
Ich bin Tochter.
Ich bin Schwester.
Ich bin Tante.
Ich bin Die Neue.
Ich bin Österreicherin.
Ich bin Ausländerin.
Ich bin Autofahrerin.
Ich bin Radlerin.
Ich bin Kinderwagenschieberin.
Ich bin Van-der-Bellen-Wählerin.
Ich bin jung.
Ich bin alt (je nachdem, wer schaut).
Ich bin weit weg.
Ich bin nah dran (je nach Standpunkt des Schauenden).
Ich bin Vogelgesangslauschende.
Ich bin Wegen-Schlangen-die-auf-der-Strasse-liegen-auf-die-Seite-Hupferin.
Ausserdem bin ich:
verliebt,
gesund,
müde,
hungrig,
blauäugig,
schon a bissi faltig,
angetan vom Morgen,
verzückt vom Abend.

Und wenn ich mir noch ein bissi mehr Zeit nähme, würden mir bestimmt noch 338 Dinge einfallen. Und dann bräuchte ich nur noch für jede Rolle einen Tag im Kalender finden. Und dann könnte ich mir an jedem Tag ein weichgekochtes Frühstücksei wünschen. Oder ein Picknick. Oder ein Gedicht. Oder einen Blumenstrauss.
 
Oder?
 
Allen Müttern einen wunderschönen Muttertag mit geschniegelten und gestriegelten Kindern, die brav mit selbstgepflückten Blumen in der Hand ihre auswendig gelernten Gedichte aufsagen und mit Männern, die ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen, oder sie zumindest bekochen, oder sie wenigstens ausschlafen lassen, oder - aber das ist nun echt das Allermindeste: Sie küssen und ihnen ihre Liebe gestehen.
 
Allen Nicht-Müttern wünsch ich einen wunderbar geruhsamen, erholsamen Tag :-)!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit