Samstag, 23. September 2017

24.09.17 - Ein Abstecher nach Russland


Und auf einmal ist einer da, der sagt: Nein. Ich will das nicht.
Irritierende Blicke.
Erstaunen.
Unsicherheit.
Luftanhalten.
Verstohlen neugierige Blicke zur Lehrerin.
Was macht sie jetzt wohl?
Und? Sie freut sich wie ein neuer Schilling, wenn ich das noch so sagen darf (man sieht schon, ich komme aus einem anderen Zeitalter). Endlich! Endlich einer, der sagt, was er sich denkt. Einer, der nicht "brav" ist und der nicht gegen sich selber arbeitet. Wunderbar!!!
Es geht ein merklicher Schnaufer durch die Gruppe, als ich als Lehrerin einfach lache und ihn frage, was denn dann wohl sein Gegenvorschlag wäre.
Wir lachen alle. Und die Sache hat sich.

Übrigens, meine russischen Freunde, ihr, die ihr so zahlreich meinen Blog lest, wie ist es so, in Russland zu leben? Ich muss gestehen, ich kenne mich mit Russland nur sehr schlecht aus. Bekomme hauptsächlich ein von den Medien konstruiertes Bild in meinen Geist gesetzt. Wir sind uns ja recht nah, gell? Zumindest geographisch. Einmal wär ich fast nach St. Petersburg gefahren. Das war, als ich meine Radreise zum Nordkap unternommen habe. Dann hat mir aber das Geld gefehlt und ich habe mich zu wenig zu eurem Land hingezogen gefühlt, als dass ich den Aufwand, ein Visum zu bekommen, auf mich genommen hätte. Eine Frau aus St. Petersburg habe ich trotzdem kennengelernt. Das war in Helsinki. Sie war sehr schwarz gekleidet und sehr geschminkt. Sie hat mir geraten, statt herumzuradeln zu modeln. Ja. Damit hat unser Gespräch eine abrupte Richtungsänderung eingeschlagen und das Ende war schneller da als vorher noch angenommen.
 
Es ist schon komisch irgendwie. Höre oder lese ich den Namen eines Landes, schiessen sofort Bilder wie Gummibälle in meinen Kopf. Ich muss dazu nie je einen Fuss in dieses Land gesetzt haben. Kennt ihr das? Bei Russland wirds mir innen drin kalt und ich sehne mich sofort nach unserem Ofen. Ich sehe Schneeflocken, die Landschaft ist karg, Menschen tragen dicke Wintermäntel, sind eher ruppig und dem Alkohol nicht abgeneigt, ausserdem tauchen Russkaja, meine ehemalige Geigenlehrerin und Mr. Putin vor meinem geistigen Auge auf. Ein recht eigenartiger Fleckerlteppich, der sich da vor mir ausbreitet. Weit mehr Löcher als Nichtlöcher. Und trotzdem zeigt sich schon irgendwie irgendwas. Und ich reagiere mit Gefühlen. Die wiederum Bilder auslösen. Usw.
 
Das, was ich da mache, ist völlig normal. Es ist Teil des Menschseins. Man nennt das Widerkäuen von Klischees. Aus Klischees, und das ist jetzt wichtig, können sehr leicht Vorurteile werden. Nämlich dann, wenn diese Konstrukte, die das Gehirn aufbaut, um eine aufgrund mangelnder Erfahrung und mangelnden Wissens vorhandene Lücke zu füllen, als Realität gesehen werden. Vorurteile verurteilen ohne zu wissen.
Ich verabscheue den erhobenen Zeigefinder. Deshalb lass ich es dabei.
 
Ich bereite meinen nächsten Deutschkursabend vor. Meine Ideen springen herum, wühlen im pädagogischen Werkzeugkasten und fragen sich, wie sie am gscheitesten und sinnvollsten eine blutige Deutschanfängerin und mehrere Eh-schon-relativ-gut-Deutsch-Redende zusammenbringen können. Und dann schweifen sie einfach ab nach Russland. So was aber auch!
 
Ein Hipp-Hipp-Hurra auf meinen Geist, der da hüpft und springt und unbrav abschweift und bitte niemals nie seine Neugierde auf die Welt verliert!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 

Nichts geht über eine gute Tasse Kaffee! Eignet sich ganz hervorragend zum Pause-Machen, zum Konzentrieren und zum Abschweifen.
 
 
 

 

Samstag, 16. September 2017

17.09.17 - Der Mensch und das Tier


Ich fahre mit dem Rad. Ich fahre schnell. Ich schnaufe. Ich schwitze. Hügel rauf. Hügel runter. Kein Mensch. Kein Auto. Es dunkelt bereits. Der Regen ergiesst sich auf meinem Haupt. Und ich dampfe. Angestaute Emotionen ver-dampfen. Und ich fühle mich zunehmend leichter. Mein eingezogener Kopf und die hochgezogenen Schultern entspannen sich. Die Atmung wird leichter. Der Kampf reduziert sich. Und ich fliege durch die nordische Landschaft, dass es nur so eine Freude ist. Ich strecke mein Gesicht dem Wetter entgegen und denke mir, wie gut es ist, dass ich lebe. Und wenn ich dann mal sterbe, dann erinnere ich mich vielleicht genau an diesen einen Augenblick, an dem ich über diese finnische Landschaft mit ihren berauschenden Herbstfarben gesaust bin, den Regen im Gesicht und die endlich wiedergefundene Leichtigkeit im Herzen.

Ich strample also so dahin, und plötzlich seh ich da vor mir am Wegesrand etwas stehen. Ein Tier. Ja. Das steht fest. Nur, was ist das? Ein Elch? Nein. Viel zu klein. Aber sehr zottig. Sehr rund. Ein Bär? Ist es tatsächlich ein Bär??? Wow.... Ich verlangsame das Tempo. Ehrfurcht, die mich immer dann überkommt, wenn ich plötzlich so grossen, mächtigen, weisen Tieren gegenüberstehe. Aber, nein, kein Bär. A schottisches Hochlandrind! Mei, wie nett! Diese Viecher drücken allein durch ihr Sein einen Knopf in mir, der meinem Herzen einen Freudenshupfer verschafft und mich grinsen lässt von einem Ohr zum anderen. Ich begrüsse es, wünsche ihm noch einen schönen Abend und fahre weiter. Und da fällt mir eine Diskussion ein, die ich kürzlich auf Facebook mitverfolgt habe. Da sind 4 solcher Hochlandrinder irgendwo hier bei uns in der Nähe ausgebüxt. Wie auch jenes, dem ich gerade begegnet bin. Ein heftiger Shitstorm hat sich entladen über diese Abenteurer. Aussagen wie "Her mit der Polizei!" und "Ich geh nicht mehr raus!" gehörten zu den harmlosen. Ich hab damals leicht verwundert und belustigt den Kopf geschüttelt und bin zur Tagesordnung übergegangen.
 
Bildergebnis für schottische hochlandrinder
herrseitz.de
 
Aber wie sich herausgestellt hat, war das kein einmaliger Ausrutscher oder eine lustige Anekdote des finnischen Alltags, wie man sie vielleicht in Faschingszeitungen wiederfindet. Ganz im Gegenteil. Hier findet eine echte Hetzkampagne statt gegen alles Tierische, Lebendige, Wilde, Andere.
 
Als Beispiel möchte ich hier die Kormorane nennen. Das sind grosse, schwarze Vögel, die in grossen Schwärmen unterwegs sind und sich hauptsächlich von Fischen ernähren. Dieser Vogel ist geschützt, weil sein Bestand massivst gefährdet ist. Und die Fischer, die mögen das nicht, weil ihnen dieser Vogel die Fische wegfrisst. Ausserdem ist ihr Kot sehr scharf, sodass die Inseln, auf denen sie sich niederlassen, bald kein Grün mehr haben. Also liest man nahezu täglich einen Artikel in der sehr einseitig berichtenden Tageszeitung, dass dieser Vogel endlich zum Abschuss freigegeben werden soll, weils eine Schweinerei ist, weil die Fischer ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können und weil sie die Inseln kaputtmachen. Es wird verschwiegen, dass die Inseln, auf denen sie sich niederlassen, nicht Menschen genutzt sind und weit draussen liegen und die Bäume, ja, mein Gott, wie viele Bäume hamma denn in Finnland?!, und dass laut unabhängingen Studien der Anteil der Fische, den sie fressen, nur marginal ist angesichts des gesamten Fischbestandes. Also, heisse Diskussionen gehen hin und her und die jeweiligen Argumente befeuern sich gegenseitig. Ich bin der Meinung, Diskussionen sind gesund und halten die Gesellschaft am Leben. Aber, bitte schaut euch das an:

Bildergebnis für döda skarv upphängd
http://www.sydin.fi/Artikel/Visa/157229

Ein getöteter Kormoran, aufgehängt an einem Strassenschild, mit einem Karton um den Hals, auf dem steht: Wir fassen dich!
 
Das ist jetzt schon das dritte Mal passiert. Und hier wird definitv eine Grenze überschritten. Eine Grenze, die sich über die Achtung und Respekt vor Lebewesen hinwegsetzt und die zumindest in unseren Breitengraden seit langem eine ist zwischen damals und heute, zwischen grauen, unzivilisierten Vorzeiten und der Moderne. Das Recht der Diskussion wird hier ausgehebelt, stattdessen wird gemordet und ausgestellt. Blinder Hass und überschiessende Emotionen greifen zu solch grässlich abstossenden Mitteln. Beim Betrachten dieses Bildes sind mir sofort andere Bilder in den Kopf geschossen. Nämlich jene der abgeschnittenen Menschenköpfe auf Zaunpfählen. Das gabs auch einmal bei uns.
Was haben die sich wirklich gedacht dabei, falls sie gedacht haben? Glauben die, die Kormorane lesen das Schild ihres toten Kameraden und denken sich: Ups, da müss ma weg! Was soll das?! Mir graut vor solchen Menschen. Wer zu so etwas fähig ist, ist zu weit mehr fähig. Weil er die natürliche Hemmschwelle, die uns vor Bestialität bewahren soll und die wir alle mitbekommen haben ins Leben, mit dieser Tat schon lange überschritten hat.
 
Anderes Beispiel: Eine Wildkamera hat unweit von hier in der Nacht Wölfe aufgenommen. Ausserdem wurden Wolfsspuren entdeckt. Und nun: helle Aufregung. Eltern beklagen, dass sie ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen müssen und sie diese nicht mehr im Garten spielen lassen können. Andere trauen sich nicht mehr, Schwammerl zu suchen und Beeren zu pflücken. Und wieder andere schreien auf und fordern: Erschiessen!!!

Bildergebnis für wolf aufgenommen mit nachtkamera
wildkameravergleich.de
 
Hier wird masslos überzogen. Auch Füchse spazieren vorbei in der Nacht. Und Luchse. Und Marderhunde. Und Elche. Und und und... Wölfe greifen von sich aus so gut wie nie einen Menschen an. Es sei denn sie sind extrem hungrig oder sie fühlen sich bedroht. Sonst laufen sie einfach weg. Das ist Fakt.
 
Noch ein anderes Beispiel: Elche. Zur Elchjagdzeit im Herbst gibt es auffällig oft Unfälle zwischen Elchen und Autos. Dann fühlen sich die Jagdbefürworter bestätigt und sagen: "Schiesst die Elche ab. Und erhöht die Abschussquote! Sie gefährden unser Strassen, die Familienväter, die täglich zur Arbeit fahren und unsere Kinder, die zur Schule müssen. Elche sind gefährlich!" Hat schon irgendwann einmal jemand daran gedacht, dass Elche deshalb auf die Strasse gehen, weil sie aufgrund der Jagd wochenlang zur Flucht genötigt werden und deshalb gezwungen sind, weitere Gegenden aufzusuchen, was eben auch Strassenüberquerungen zur Folge hat?

Der Mensch hat vergessen, dass er nicht alleine auf der Welt ist.
Nein. Da macht man es ihm zu leicht.
Er hat es nicht vergessen, er bestreitet bei vollem Bewusstsein die Tatsache, dass auch andere Lebewesen neben ihm ein Recht auf ein würdiges Leben haben. Andere Kreaturen sind so lange akzeptabel für ihn, so lange sie ihm zu Nutzen sind. Kühe und Schweine als Lebensmittel, Hunde und Katzen als käufliche Freunde, kleine Vögel, weil sie so schön singen, und? Ja, vielleicht noch die eine oder andere Biene. Das wars im Grossen und Ganzen.
Neben dem Menschen gibt es unzählige verschiedene Lebewesen auf diesem Planeten. Die einen fliegen, die anderen gehen, die einen schwimmen, die anderen kriechen. Viele von ihnen haben wir noch nie zu Gesicht bekommen. Aber sie alle gibt es, sie bedingen einander. Und das ist Fakt. Und es ist nicht so, dass der Mensch ausgenommen wäre und wie ein gottgleiches Wesen auf dieses unglaublich filigrane Geflecht an Gegenseitigkeiten von oben herab schauen könnte. Er ist Teil davon. Und genauso abhängig davon wie ein Kormoran. Wie viele Schweine töten wir jedes Jahr? Oder wie viele Haselhühner erschiessen wir, einfach so, um des Spasses Willen? Wehe aber, ein Mensch wird angegriffen von einer Kuh zum Beispiel, dann gibts sofort grosse Schlagzeilen und empörte Stimmen, die nach dem Verantwortlichen suchen. Das steht in keiner Relation.
Das Tier will leben.
Der Mensch will leben.
Punkt. Aus. So einfach ist das.
Und die abartige Idee, dass wir Menschen das Recht hätten zu bestimmen, wer leben darf mit allem was dazu gehört (Essen, Vermehrung, Verteidigung,...) und wer nicht, das ist eine Farce, grenzt an Wahnsinn und ist eine Anmassung sondersgleichen!!!
 
Es gibt da ein Lied vom Funny van Dannen: Fleischfresserantilopen.
Das fällt mir grad dazu ein.
 
Dieses Getue vom Menschen ist schwer auszuhalten. Und frei von Intelligenz. Einer schreit: "Wölfe sind gefährlich!" und alle schreien nach "Wölfe sind gefährlich!!!", noch lauter als der erste. Wo bleibt das kritische Selbstdenken? Wo bleibt das Sich-Informieren? Wo bleibt das Sich-Berufen-auf-Fakten?
Die Gesellschaft agiert zunehmend hysterisch und blind.
 
Ich lehne mich zurück. Ich lese diesen Text. Und mir wird klar, dass mein Gefühl angesichts dieser Tierhysterie dasselbe ist wie jenes, das mich überkommt bei der blindwütigen Ablehnung und Ausgrenzung von Menschen aus anderen Ländern, sobald sie es wagen, "unsere" Landesgrenze zu überschreiten.
Der Schritt von da nach dort ist nur ein kleiner.
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 
 
 
 

Samstag, 9. September 2017

09.09.17 - Mein ganz persönlicher kleiner Luxus


Mein lieber Mann hat sich entschlossen, Auszeit zu nehmen und hat sich zu diesem Zweck in die Einsamkeit der schwedischen Lapplandberge zurückgezogen.
Der Rest der Familie hält die Stellung.
 
Max kann und will mittlerweile immer wieder mal alleine sein. So ist er draussen und strawanzt zwischen Sandkiste, Himbeeren, Garage und seinem Moped herum oder er ist in seinem Zimmer und vertieft sich dort in seine Duploklötze oder ein Puzzle. Und plötzlich - schon völlig vergessen und aus meinem Leben gestrichen - befinde ich mich mittendrin. Ein Loch! Ein Loch mit nichts, das stante pede getan werden muss. Echt? Ich schau mich um. Ja. Schon. Natürlich könnt ich mich um das Geschirr kümmern. Oder, ja, eh, das Gras ruft auch schon aus allen Löchern: Mähe mich! Aber, eigentlich, ist das nicht völlig wurscht? Ich hab ein Loch. Ein wunderbares Zeitloch!!!
 
Fantastisch!
Umgehendst finde ich mich vor unserem Bücherregal wieder. Ich fahre mit dem Finger über die Buchrücken, ziehe einen Kindererziehungsratgeber raus, entscheide mich dann doch für das Fotobuch von meiner Radreisebekanntschaft. Mein Blick bleibt hängen bei Lauster und Branden. Und Calvin & Hobbes, die sind mir ja eine echte Freude. Schlussendlich hab ich einen ganz beachtlichen Stapel Bücher auf dem winzigen Beistelltischchen stehen und ich, ich flacke in unserem Bibliothekssessel, lass die Füsse über die Handlehne baumeln und blättere hier, lese dort ein paar Absätze, nehme mir das nächste Buch, und finde mich in einem ungeheuerlich genussvollen Fluss von Worten, Gedanken und Bildern wieder.
 
Seit ich endlich meine Bücher von Tirol nach Finnland übersiedelt habe, fühle ich mich ganz. ICH bin endlich hier angekommen. So hat sich unsere Bibliothek schlagartig erweitert. Und ich fühle mich wie eine Königin. Eine Königin, die je nach emotionalem oder geistigem Momentzustand einfach wählen kann. Ja, wir haben echt schon so viel, dass wir wählen können! Es ist wunderbar. Das ist mein und unser Luxus, auf den ich nicht mehr verzichten möchte.
 
Spotlight. Die Stunde Mittagsschlaf ist um. Ich gehe in Max' Zimmer und wecke ihn auf. Er ist ziemlich schlaftrunken und braucht a bissi Zeit für sich. Also flacke ich - wieder mal - auf unserem Bibliothekssessel und beginne ein Kapitel von Precht. Ich höre im Ohrwinkel, wie Max singt und mit seinem Hammer Klötze einschlägt und sich selber wachtrommelt. Nach einer Weile hör ich, wie er mit Highspeed angerannt kommt. Er sieht mich lesen. Und er, dieser wunderbare kleine Mensch, geht zu seinem Teil des Regals - das ganze vorletzte Fach ist für seine Bücher reserviert - schnappt sich das Gedichtebuch, in dem er die Chinesen mit dem Kontrabass vermutet, und macht sichs damit auf der Couch bequem. So sitzen wir da, lesen, er laut, ich leise, und mich durchfährt ein Schauer der Freude.
 
"Miass ma Windln wechsln!"
Diese Worte sinds, die mich das Buch zuklappen und die nächsten Schritte in meinem Leben als Mutter und zurückgelassene Ehefrau tun lassen.
Oh, wunderbares Leben!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 

Sonntag, 3. September 2017

03.09.17 - Bin wieder da!


Hej, meine liebe LeserInnen!

Aufgetaucht aus den Tiefen und Untiefen eines warmen, sonnigen, strahlenden Sommers melde ich mich freudig zurück. Meine Haare sind irgendwie immer noch nass. Meine Haut räkelt sich in der Wärme der Sonnenstrahlen. Und dafür muss ich nicht einmal die Augen schliessen, um die Phantasie anzuzapfen, sondern nur rausgehen. Herrlich, sag ich euch! Das frisch gemähte Gras pickt noch an meinen Gummistiefeln und mit Genugtuung betrachte ich unseren neuen Kirschbaum. Wir sind noch nicht so weit, dass wir uns Selbstversorger nennen könnten. Aber mit unseren Apfelbäumen, den Ribiselsträuchern, unserem kleinen, feinen Garten und den unzähligen Beeren und Schwammerl, die rund um uns herum wachsen, simma auf dem besten Weg dorthin. Ich habe in den letzten Tagen einen Roman gelesen, der in einem kurzen Abschnitt von unserer vielleicht gar nicht mehr so fernen Zukunft handelt. Der Überfluss, in dem wir, also die Mittel- und Nordeuropäer als auch die Nordamerikaner, leben, hat ihren Preis. Und der ist verdammt gross. Da wird alles Festhalten und Ausgrenzen nichts helfen auf längere Sicht gesehen. Wo wir hinsteuern, ist ungewiss. Aber es ist auf jeden Fall gut, zu versuchen, möglichst auf eigenen Haxen zu stehen. Also tu ma Holz hacken, Beeren klauben und so weit wie möglich aufmachen, sodass die Sonne und die Liebe und alle wunderbaren Farben des Lebens sich ausbreiten und es sich gemütlich machen in uns drin.

War das Rot der Vogelbeeren auf unseren Bäumen schon jemals so leuchtend?
 
Ach, liebe Leute, ich lass es wieder gut sein für heute.
Ich freu mich auf ein weiteres Jahr mit euch. Ich mag es, spontan-schriftlich zu denken, zu erzählen, zu teilen. Danke für euer reges Interesse. Hatte ja keine Ahnung, wie wohl das tut...!
 
Als kleines Dankeschön Augen-Blicke, festgehalten mit meiner Kamera, aus meinem finnischen Leben.
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 
So gross. So voll. So satt. So prächtig...

Schmusende Giesskannen.

Mmmmmmhhh!

Selbstvergessen. Versunken. Im Einklang mit sich und der Welt.