Montag, 30. März 2015

30.03.15 - Rüdiger und seine wundersame Begegnung

 
Ein Fisch namens Rüdiger hüpft im Wasser, das glitzert wie 1000 Diamanten. Er hüpft raus. Und taucht wieder ein. Ganz hoch. Und ganz tief. Er lacht. Er freut sich.
Da kommt ein Elefant, dessen Ohren zu Flossen geworden sind, weil er wo hin muss, wo gehen nicht geht.
Die beiden sehen sich. Sie grüssen sich, gleiten aneinander vorbei und mit einem Staunen im Gemüt schwimmt jeder seiner Wege (bimu09).
 
 
 
Darf ich euch sagen, was mich immer wieder in Staunen versetzt?
 
Ich lebe auf dieser einen Welt in 2 Welten, die sich ähnlicher und zugleich fremder nicht sein könnten. Das Erstaunliche für mich ist, dass die Leute - und zwar in jeder dieser Welten - so tun, als sei die ihrige die Normale und völlig selbstverständlich.
 
In Finnland, dort, wo es unglaublich viele Bäume und unglaublich wenige Menschen gibt, dort gibt man Anchovis (kleine salzige Fische) auf das Wiener Schnitzel und isst Bananensplit mit Erdbeereis und vielen bunten Streuseln.
In Tirol, dort, wo der Stolz aufs eigene Land so gross ist wie ich das nirgendwo anders kennengelernt habe, was zuweilen auch etwas beängstigend sein kann, dort gibt es in jeder Sauna einen Aufgussmeister (natürlich immer männlich), der jede volle Stunde mit seinem Handtuch wachtelt, und Menschen, die in die Sauna gehen, um genau diesem Prozedere beizuwohnen.
 
Und nun schick einen Finnen nach Tirol und lass ihn dort ein Wiener Schnitzel essen und in die Sauna gehen.
Und dann schick eine Tirolerin nach Finnland und lass sie dort ein Wiener Schnitzel essen (wenn sie denn keine Vegetarierin ist) und in die Sauna gehen.
 
Sie machen beide exakt das gleiche. Und trotzdem werden beide ziemlich irritiert (belustigt, überrascht, erfreut, angeekelt, enttäuscht,...) sein.
 
Ich habe gelernt: Nichts ist normal. Alles ist nur gewohnt bzw. angeeignet. Und alles geht auch irgendwie anders.
 
In diesem Sinne: Pfiat enk, Hej då, und mochts es guat!
De Birgit

Dienstag, 24. März 2015

24.03.15 - Frühling in Tirol



De Goass sein endlich wieda auf da Weid :-)! Stinken tuan sie bis weit auffa. Und gfrein tuan sa sich um de Sun und des Aussnsein!
 
Bei einem Spaziergang in Tirol finde ich die wunderbarsten Dinge. Dinge, die mir früher so normal erschienen sind, und die mich jetzt wie ein sehnsuchtsvoller Ruf aus der Vergangenheit ereilen.
 
Darf ich den werten TirolerInnen, die das immer gehabt haben und - wenn alles gut läuft - die das auch in den nächsten Jahren haben werden und vielleicht deshalb a bissi den Blick von der Brille der Normalität bzw. Banalität verdeckt gekriegt haben, und den Finnen, die dort leben, wo alles anders ist, das Wunderbare an Tirols Frühling zeigen?
 


 
Der Huflattich. Der erste, der kommt. Völlig anspruchslos. Braucht nix Grünes rundherum. Weder Schnee noch vertrocknetes Gras irritiert ihn. Er kommt einfach. Getrieben von der Wärme. Und der Lust am Leben.
 
 
 
 
Der Tannenhäher. Den man immer und überall schreien hört (zumindest wenn man in Patsch und Umgebung unterwegs ist). Der mit dem herrlich getupften Muster. Der erste, den ich im Zuge eines vor ein paar Jahren neu entflammten Interesses an Vögeln kennengelernt hab. Und dens oben im Norden nicht gibt. Oder der sich zumindest unglaublich gut vor mir versteckt.
 
 
 
 
Oben noch Schnee. Unten nicht mehr. Der Frühling, der nicht einfach da ist, sondern je nach Höhe sich in ganz unterschiedlichsten Facetten, Farben und Formen zeigt. Und - hey - es gibt ein Oben! Und ein Unten! Wisst ihr, wie genial das ist?!?!!! Wie ich das mag, das Auffigehn, und das Oigehn. Na, das hätt ich mir ja auch nie gedacht, dass das jemals so wichtig für mich werden könnte.
 
 
 
 
Und diese wunderbaren Farben! Das find ich schon ziemlich genial...!
 
 
Und jetzt, zur ausgleichenden Gerechtigkeit, ein Foto vom finnischen Frühling.
In Ermangelung an "echten Frühlingsbildern", einfach deshalb, weil der Frühling uns bis jetzt noch nicht mehr als grad mal a bissi gestreift hat, dieses hier:
 
 
Elchscheisse.
 
Die aperts jetzt überall aus. In unserem Garten. Im Wald. Oder - wie hier - neben unserem Kirschbaum. Dort, wo wir unser Frühlingsfeuer gemacht haben. Darüber hab ich mindestens gleich gestaunt und mich gefreut wie über die Bluamalen, die hier, weiter im Süden, schon wachsen.
 
In diesem Sinne, liebe Leute, schönen Frühling, an Grinser im Gmiat und die Sonne im Gsicht!
 
Pfiat enk und Hej då -
de Birgit
 

 
 


Sonntag, 15. März 2015

15.03.15 - Miteinander auf Finnisch






Dieses Foto hat mit meinem heutigen Thema rein gar nichts zu tun. Aber ich mag es. Das ist unser Kirschbaum, eingepflanzt im letzten Herbst. Und er lebt immer noch :-)!


Mein heutiges Thema handelt sich um finnisches Miteinander. Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und eigenartig, so wirds langsam doch a bissl durchsichtiger für mich.

Hier ein paar Erkenntnisse zusammengefasst:
  • Begrüssung und Abschied: Händeschütteln zum Sich-Vorstellen. Wenn das einmal getan ist, ist jeder weitere Körperkontakt unnötig oder auf jeden Fall irgendwie schräg. Hallo und Pfiati geschehen oft so nebenher. Sagt nichts über die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit aus.
  • Zufallsbegegnungen im Lövsunder Wald (anders in der Stadt natürlich):
    • der/die eine im Auto, man selber zu Fuss oder auf dem Radl: winken! Egal ob man sich kennt oder nicht.
    • beide zu Fuss: man sagt "Hej!" (= Hallo), und geht weiter. Nein, man bleibt nicht stehen zum Ratschen! Ausser man ist verwandt oder sonst irgendwie eng.
  • Einladungen: man kriegt eine, für ungefähr an diesem Tag irgendwann am Nachmittag. Als Ausländer ist es empfehlenswert, am Vortag noch mal anzurufen. Vielleicht gibts dann schon genaue Anhaltspunkte. Sonst: einfach kommen.
  • Mangels Cafehäuser oder anderer netter Treffpunkte trifft man sich zu Hause. Was meistens bedeutet, dass man sich entweder mit der ganzen Familie anfreundet oder eben gar nicht.
    • An der Eingangstür Schuhe ausziehen! Patschen oder dicke Socken mitbringen!
    • Im Zweifelsfall Badeanzug mitnehmen! Sauna in Finnland ist so was wie der Kaffeetratsch in Tirol.
  • Höflichkeit steht ganz oben in der Wichtigkeitsskala! Vor allem als Frau. Man weiss dann zwar nicht so ganz genau, wie was gemeint ist und was das Gegenüber wirklich meint, aber höflich und nett wars jedenfalls. Ebenso haben Direktheit und Klarheit Seltenheitscharakter. Viel üblicher ist es, sich wage irgendwie a bissl oder so ungefähr zu äussern.
 
Das sind meine Erfahrungen.
Wenn ich manchmal Kalles Erzählungen über Menschen in Lappland, also über die Samis, und den Begegnungen mit ihnen lausche, dann fühlt sich das so fremd und gleichzeitig so reizvoll an, dass ich total gern irgendwann einem samischen Menschen begegnen möchte. Dann, wenn ich finnisch kann. Die Art und Weise, wie man miteinander redet oder aufeinander zugeht, sagt so viel aus über die Kultur, über das eigene Menschenbild oder auch über übernommene und oft unhinterfragte Wertigkeiten. (Ein mir erzähltes Beispiel für samisches Menschenbild: Wenn jemand gleich drauflosreden muss, vielleicht auch noch laut und schnell, ohne sich erst mal hinzusetzen und leise zu sein, mit dem stimmt was nicht, der fühlt sich vermutlich unsicher.)
 
Bis dahin freu ich mich über die Begegnungen hier und jetzt.
So hinderlich die Sprache für mich manchmal ist, so genial erleb ich es auch. Die Küstengegend, also da, wo ich wohne, ist zweisprachig. Finnisch und Schwedisch. Das bedeutet, dass die Menschen, wenn sie einem neu begegnen, nie von Anfang an wissen, wie jetzt geredet wird. Die Antennen sind also schon automatisch mehr ausgefahren als ich das von Tirol kenne, die Erwartungshaltung in dieser Hinsicht total niedrig und die Fähigkeit in den Sprachen zu switchen enorm. Fast jeder ist hier mindestens 3-sprachig. Das machts mir schon sehr viel einfacher.
Und ich wünschte, dass diese Menschen, die in Österreich herumschimpfen und sagen: "Die sollen doch erst mal Deutsch lernen!", nur ansatzweise ähnliche Erfahrungen machen könnten. Was es wirklich bedeutet, sich sprachlich nicht ausdrücken zu können, also zum Danebenstehen gezwungen zu sein, eine Sprache von Null auf lernen zu müssen, jedes Wort, jede Grammatik, alles, Angst zu haben, nicht ernst genommen zu werden, nur weil man vielleicht einen Fehler macht,...
Jede normalste Alltagshandlung wird zur Odyssee. Beispiel: Friseurbesuch. Da kommt man nicht drum herum. Wie tut man denn da, wenn man sich zu unsicher fühlt, um anzurufen und auf die Landessprache um einen Termin zu bitten???
 
Ma, Leitln, i sogs enk... Bitte tuts gut überlegen, und am besten leise sein, bevor ihr ein verbales Urteil über jemanden fällt, der nicht in eurem Land aufgewachsen ist!
 
Und irgendwie schliesst sich jetzt der Kreis. Die Knospen sind da. Und fangen gleich mal an zu spriessen.
Ich habe bereits wunderbare, interessante, spannende Menschen kennengelernt, die Kommunikation ist jetzt eine Herausforderung und keine Überforderung mehr, und langsam weiss ich, wie's geht, also wie man denn da tut, wenn man in Finnland im Wald lebt. Der erste Winter ist überstanden. Da kann mich kaum mehr was erschüttern :-).
 
Habt's es fein, liebe Leute!
Pfiatenk und hej då!
De Birgit
 
 


Montag, 9. März 2015

09.03.15 - Då kummt die Sunn - düdldüdü.

 
 


Kennt wer diesen alten STS-Schinken? Ja, eh, übernommen von den Beatles, und so genial :-)!

Då kummt de Sunn... ! Und ich rede jetzt noch gar nicht von der Wärme. Aber von der Sonne. Und vom Licht. Und von der orange-roten Farbe, die man sieht, wenn man mit geschlossenen Augen direkt in die Sonne schaut.

Es treibt uns alle hier aus unseren Bauten, Nestern und Häusern. So viele Menschen unterwegs, so viel Leben plötzlich. Kinder düsen mit ihren Radln rund um ihre Häuser. Andere werkeln im Garten ummadum. Und wieder andere gehen einfach nur spazieren. Jeder scheint aufzuatmen.
 
Die letzten Monate waren echt hart. Eingepackt in dicken Jacken und Hosen und Kappen und Schals, die Schultern hoch gezogen, den Blick nach unten, schnellen Schrittes dahin, wo man eben hinmusste. Rausgehen wurde zu einem Mega-Kraftakt. Körperlich, weils Berge von Kleidung braucht, und emotional. Weil sichs immer irgendwie grausig angefühlt hat.

Ich habe vorletztes Jahr zu Weihnachten ein Probewohnen hier veranstaltet. Für ungefähr 2 Wochen. Und währenddessen und danach hab ich mir gedacht: "Ah, des geaht scho!" Zur dunkelsten Zeit, also knapp vor Weihnachten, haben wir ca. 4 Stunden Licht. Das ist mir damals ziemlich ok erschienen. 4 Stunden mehr als ich gedacht und befürchtet hatte. Nur hab ich damals ausgeblendet, oder eben nicht wahrgenommen, dass diese 4 Stunden kein wirkliches Tageslicht sind, sondern Dämmerungslicht. Und das ist ein Riesenunterschied fürs Innenleben.
Das Tageslicht ist mit dem Jänner Schritt für Schritt zurückgekehrt. Der Winter ist geblieben.

Und der Frühling ist noch weit weg. Dafür ist es noch viel zu kalt. Der Wind bläst, dass es mich gleich wieder reintreibt. So stark, wie's mich zuerst rausgetrieben hat. Es kann jederzeit wieder schneien.
 
Aber: Die Vögel singen, was das Zeug hält. Und ich weiss, die lassen sich nicht mehr mundtot machen. Auch nicht vom wildesten Wetter. Das war schon in Tirol so. Und das wird auch hier so sein. Und wir haben Tag. Schon ganz lang. Nächste Woche bereits 12 Stunden Sonnenschein, falls das Wetter mitspielt. Die ersten Knospen an vereinzelten Büschen sind sichtbar. Das Eis auf dem Meer wird Tag für Tag mehr vom offenen Wasser zurückerobert. Die Strassen, zumindest die Asphaltstrassen, sind schon seit Tagen eis- und schneefrei. Und die Sonne scheint. Das tut einfach sooo gut...!

Hab das Schlendern neu entdeckt.
Ich sehe wieder, weil mein Blick nicht mehr nur nach unten zieht.

Ich glaube, noch nie hab ich die Sonne so gebraucht wie heuer. Und vielleicht hab ich sie noch nie so genossen...

Anbei gibts Fotos von unserem ersten Kaffee auf unserer Terasse :-).

Liebe, sonnige Grüsse aus dem Norden!
Pfiatenk, hej då!
De Birgit




Montag, 2. März 2015

2.3.15 - Der Träumer





Vor dreieinhalb Jahren bin ich diesem Herrn hier zum ersten Mal begegnet. Es hat - genau wie heute - geregnet und es war kalt. Obwohl Sommer war. Dreckig war ich von oben bis unten, mein Radl auch, und glücklich war ich. Da war ich also angekommen in der Zivilisation, nachdem ich wochenlang im Wald unterwegs war und dort geschlafen habe, ohne je einem Menschen begegnet zu sein.
 
Hier, auf diesem Markplatz in Vaasa, gab und gibt es alles, was das Herz begehrt und was man sich nur vorstellen kann. Endlos viele Geschäfte mit allem, was man braucht, um ein komfortables und feines Leben führen zu können (da hab ich leicht und mit am Grinser so vieles gefunden, das ich NICHT brauche für ein gutes Leben), Bankomaten, Bankln zum Sitzen und - Cafes :-). Grad heute hab ich mich mit einer Freundin in einem dieser Cafes getroffen und hab festgestellt, dass für mich Cafes wirklich eine Art Grundversorgung darstellen.
 
Da bin ich also herumgeschlendert, mein Radl an eine Hausmauer angelehnt, hab Geschäfte, Cafehäuser und Menschen geschaut, und:
 
Da lag er. Der Träumer. Er, der sich nicht anstecken lässt von all dem Trubel um ihn herum. Er, dem es egal ist, ob Menschen lachen, vorbeirennen, ihn ignorieren, ihn fotografieren, reden, rauchen, laut sind,... Es ist ihm auch egal, ob es regnet oder schneit, ob die Möwen auf ihn scheissen oder eben nicht. Er liegt einfach da. Den Kopf in eine Hand gestützt. In der anderen Hand den Flieger, der ihn fortfliegen lässt in eine andere, in seine Welt. Ganz in seinen Gedanken und Emotionen versunken. Den Blick ins Leere. Oder besser: ins Innere.
Von ihm hab ich mich sofort angezogen gefühlt. Und auf irgendeine Weise bestätigt. Das, was ich da gemacht habe, nämlich mir mit dem Radl den Traum vom Unterwegssein erfüllt mit allem, was dazugehört, war irgendwie genau das, was er verkörpert hat. Und immer noch tut. Mit dieser Figur hat jemand mein Inneres nach aussen gekehrt und in Form gegossen.
 
Wenn ich heute an ihm vorbeigehe, 3,5 Jahre später, inzwischen hier angesiedelt und mittendrin, mein Leben aufzubauen, werd ich manchmal a bissi melancholisch. Automatisch schaue ich dann zurück. Und spüre das, was ich damals gespürt hab. In diesem ersten Moment der Begegnung. Und gehe gedanklich und emotional weiter in der Geschichte. Und manchmal ertapp ich mich dann dabei, wie ich kopfschüttelnd und wahrscheinlich leicht dämlich vor mich hingrinse. Wenn ich nämlich einen Schritt zurück mache und auf meine Geschichte schaue, dann find ich das schon ziemlich grandios. Und wundersam. Und eigentlich unglaublich, dass passiert ist, was passiert ist. Und dass ich getan hab, was ich getan hab. Mit allen Konsequenzen.
 
Ein gscheiter Mensch hat einmal zu mir gesagt: You should always stick to your dreams! Du solltest immer an deinen Träumen festhalten!
 
In diesem Sinne, liebe Leute, träumt! Und wenn ihr es mal im Trubel des Alltags vergesst, dann fangt einfach wieder von vorne an :-)!
 
Pfiat enk und Hej då!
De Birgit