Dieses Foto hat mit meinem heutigen Thema rein gar nichts zu tun. Aber ich mag es. Das ist unser Kirschbaum, eingepflanzt im letzten Herbst. Und er lebt immer noch :-)!
Mein heutiges Thema handelt sich um finnisches Miteinander. Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und eigenartig, so wirds langsam doch a bissl durchsichtiger für mich.
Hier ein paar Erkenntnisse zusammengefasst:
- Begrüssung und Abschied: Händeschütteln zum Sich-Vorstellen. Wenn das einmal getan ist, ist jeder weitere Körperkontakt unnötig oder auf jeden Fall irgendwie schräg. Hallo und Pfiati geschehen oft so nebenher. Sagt nichts über die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit aus.
- Zufallsbegegnungen im Lövsunder Wald (anders in der Stadt natürlich):
- der/die eine im Auto, man selber zu Fuss oder auf dem Radl: winken! Egal ob man sich kennt oder nicht.
- beide zu Fuss: man sagt "Hej!" (= Hallo), und geht weiter. Nein, man bleibt nicht stehen zum Ratschen! Ausser man ist verwandt oder sonst irgendwie eng.
- Einladungen: man kriegt eine, für ungefähr an diesem Tag irgendwann am Nachmittag. Als Ausländer ist es empfehlenswert, am Vortag noch mal anzurufen. Vielleicht gibts dann schon genaue Anhaltspunkte. Sonst: einfach kommen.
- Mangels Cafehäuser oder anderer netter Treffpunkte trifft man sich zu Hause. Was meistens bedeutet, dass man sich entweder mit der ganzen Familie anfreundet oder eben gar nicht.
- An der Eingangstür Schuhe ausziehen! Patschen oder dicke Socken mitbringen!
- Im Zweifelsfall Badeanzug mitnehmen! Sauna in Finnland ist so was wie der Kaffeetratsch in Tirol.
- Höflichkeit steht ganz oben in der Wichtigkeitsskala! Vor allem als Frau. Man weiss dann zwar nicht so ganz genau, wie was gemeint ist und was das Gegenüber wirklich meint, aber höflich und nett wars jedenfalls. Ebenso haben Direktheit und Klarheit Seltenheitscharakter. Viel üblicher ist es, sich wage irgendwie a bissl oder so ungefähr zu äussern.
Das sind meine Erfahrungen.
Wenn ich manchmal Kalles Erzählungen über Menschen in Lappland, also über die Samis, und den Begegnungen mit ihnen lausche, dann fühlt sich das so fremd und gleichzeitig so reizvoll an, dass ich total gern irgendwann einem samischen Menschen begegnen möchte. Dann, wenn ich finnisch kann. Die Art und Weise, wie man miteinander redet oder aufeinander zugeht, sagt so viel aus über die Kultur, über das eigene Menschenbild oder auch über übernommene und oft unhinterfragte Wertigkeiten. (Ein mir erzähltes Beispiel für samisches Menschenbild: Wenn jemand gleich drauflosreden muss, vielleicht auch noch laut und schnell, ohne sich erst mal hinzusetzen und leise zu sein, mit dem stimmt was nicht, der fühlt sich vermutlich unsicher.)
So hinderlich die Sprache für mich manchmal ist, so genial erleb ich es auch. Die Küstengegend, also da, wo ich wohne, ist zweisprachig. Finnisch und Schwedisch. Das bedeutet, dass die Menschen, wenn sie einem neu begegnen, nie von Anfang an wissen, wie jetzt geredet wird. Die Antennen sind also schon automatisch mehr ausgefahren als ich das von Tirol kenne, die Erwartungshaltung in dieser Hinsicht total niedrig und die Fähigkeit in den Sprachen zu switchen enorm. Fast jeder ist hier mindestens 3-sprachig. Das machts mir schon sehr viel einfacher.
Und ich wünschte, dass diese Menschen, die in Österreich herumschimpfen und sagen: "Die sollen doch erst mal Deutsch lernen!", nur ansatzweise ähnliche Erfahrungen machen könnten. Was es wirklich bedeutet, sich sprachlich nicht ausdrücken zu können, also zum Danebenstehen gezwungen zu sein, eine Sprache von Null auf lernen zu müssen, jedes Wort, jede Grammatik, alles, Angst zu haben, nicht ernst genommen zu werden, nur weil man vielleicht einen Fehler macht,...
Jede normalste Alltagshandlung wird zur Odyssee. Beispiel: Friseurbesuch. Da kommt man nicht drum herum. Wie tut man denn da, wenn man sich zu unsicher fühlt, um anzurufen und auf die Landessprache um einen Termin zu bitten???
Ma, Leitln, i sogs enk... Bitte tuts gut überlegen, und am besten leise sein, bevor ihr ein verbales Urteil über jemanden fällt, der nicht in eurem Land aufgewachsen ist!
Und irgendwie schliesst sich jetzt der Kreis. Die Knospen sind da. Und fangen gleich mal an zu spriessen.
Ich habe bereits wunderbare, interessante, spannende Menschen kennengelernt, die Kommunikation ist jetzt eine Herausforderung und keine Überforderung mehr, und langsam weiss ich, wie's geht, also wie man denn da tut, wenn man in Finnland im Wald lebt. Der erste Winter ist überstanden. Da kann mich kaum mehr was erschüttern :-).
Habt's es fein, liebe Leute!
Pfiatenk und hej då!
De Birgit
Hallo meine liebe finnische Freundin:-)!
AntwortenLöschenIch finde nicht, dass dein Bild so gar nichts mit deinem heutigen Thema zu tun hat. Im Gegenteil: da wächst etwas, da beginnt etwas zu blühen, da entsteht etwas.........so wie bei dir........ am Ende des Textes siehst du das dann irgendwie auch selber so - wie ich gerade nochmals nachgelesen habe :-) - ......und das ist gut so.
Eine dicke Umarmung und alles Liebe! Dein magiccapperl :-)!!!