Samstag, 8. Juli 2017

08.07.17 - Willst du? JAAA!!!!!


Lövsunder Nyheter: Sehr geehrte Frau - wie darf ich Sie jetzt nennen?
Birgit: Müller-Sigfrids, bitte.
LN: Gut. Sehr geehrte Frau Müller-Sigfrids, Sie sind jetzt also bereits den 3. Tag verheiratet. Wie fühlt es sich an?
B: Danke. Ganz wunderbar!
LN: Was konkret meinen Sie mit: Ganz wunderbar!?
B: Ja. Wie soll ich sagen? Ich fühle mich angekommen, sehr entspannt und ausgesprochen glücklich.
LN: Ist das nicht ein bisschen altmodisch heutzutage? Man muss ja wirklich nicht mehr heiraten, um gesellschaftlich anerkannt leben zu können.
B: Da haben Sie völlig recht.
LN: Sie haben sich für einen Doppelnamen entschieden. Was ist der Grund dafür? Sind Sie eine Emanze?
B: Ich weiss nicht, was für Sie eine Emanze ist. Fakt ist, dass mein Name ein Teil meiner Identität ist. Und meine Identität hat sich erweitert, seit mein Mann in mein Leben getreten ist. Somit fühlt es sich nur natürlich an, dass sich mein Name mit meiner Identität miterweitert.
LN: Während wir unser Gespräch hier führen, steht ein Glas Rotwein neben Ihnen, an dem Sie immer wieder nippen. Was hat es damit auf sich?
B: Guat isches :-)!
LN: Erzählen Sie uns von Ihrem grossen Tag!
B: Der Vormittag verlief erstaunlich unnervös. Wir hatten ein ausgedehntes Frühstück und machten uns dann langsam fertig. Die Kleider hatten wir gemeinsam ausgesucht gehabt. Es war also keine Überraschung mehr. Aber es hat sich gut angefühlt. Wir mochten, was wir sahen. Und Max, ich sags Ihnen, der Max ist ja so ein süsser, aufrechter, strahlender Kerl. Ja. Wie auch immer. Wir sind losgefahren, haben den Brautstrauss abgeholt, nur, um ihn in letzter Sekunde doch im Auto zu lassen, ist ja schon sehr unpraktisch, dieses Ding die ganze Zeit in den Händen zu halten, nicht?, und waren dann schon sehr, sehr früh beim Magistrati. Genug Zeit zum Klogehen, zum Warten, zum Nervöswerden,... Irgendwann sind dann endlich auch unsere Trauzeugen in aller Gemächlichkeit um die Ecke geschlendert gekommen.
Und dann simma auffi mitm Lift.
Und dann simma eini ins Magistrati.
Nach einer kurzen Weile wurden wir aufgerufen und nach der Besprechung der Faktenlage und der Vorbereitung des Raumes (Ringe, Kerze, Musik) gings los.
Die Kombination von Pachelbels Kanon und Frau Kultanens Ansprache war - ja, wie soll ich sagen? - sie hat mich tief berührt. Oder wars die Situation? Ich spürte, wie sich meine Kehle sukzessive verengte und ich spürte meine Tränen, wie sie sich für eine wasserfallartige Überrumpelung formierten. Doch es ging vorüber. Während sie Kalle gefragt hat, ob er denn schon und wirklich will und er noch ein bisschen überlegt hat, nein, hat er natürlich nicht, aber ich hab Zeit gehabt, um die Kontrolle wieder zu erlangen, sagte dann also auch Ja, und dann wars auch schon wieder vorbei. Stevie Wonder und Janis Joplin begleiteten unser Gsundheit! und Kippis! und Skål! und dann war es ganz offiziell. Wir waren ein Ehepaar.
Wir haben uns verabschiedet.
Und sind zum Meer. Dort hat der Wind so geblasen, dass die Sektglasln beim Einschenken ordentlich geschwankt haben. Unglaublich kalt wars und das Meer hat gerauscht. Inmitten dieser im wahrsten Sinne des Wortes Atem beraubenden Kräfte der Natur haben wir uns unser Eheversprechen gegeben.
Und dann? Ja, dann hamma an Kaffee getrunken, uns a Pizza gholt und sind heim. Die Sonne war schon vor uns da. Wir sind sofort raus aus unseren Kleidern und rein in a gemütlicheres Gewand. Dann hamma unsere Pizza verdrückt, als Nachspeise hatten wir Erdbeeren und, ja, Sekt natürlich, und Max ist die ganze Zeit herumgedüst wie ein "raserbil" (=Formel1Auto). Ich hab ihm zugeschaut, hab Kalle angeschaut, und dann kann ich mich nur mehr an meine Freude erinnern. Als ich wieder aufgewacht bin, wars grad no nit dunkel.
LN: Und jetzt? Was ist jetzt für Sie anders als vorher, Frau Müller-Sigfrids?
B: Ich bin müder. Wird wohl der Rotwein sein. Und ich spüre den Ring immer noch an meinem Finger, was ja bedeutet, dass er noch nicht zu einem Teil meiner selbst geworden ist, und ich bin gespannt, wie lange ich ihn wohl tragen werde. Und sonst - ja, ich bin jetzt keine Freundin mehr, sondern jemandens Frau. Und ich habe einen Mann. Das ist definitiv etwas anderes. Für die Selbst- wie auch für die Fremdwahrnehmung.
LN: Enttäuscht, dass Ihnen eine richtige Feier verwehrt geblieben ist?
B: Das ist Ihre Interpretation. So, wie wir es gemacht haben, war es mein und unser Wunsch. Wir mögen unser Leben sehr gerne unspektakulär, dafür aber mit viel Platz für Nähe und Raum, um sich aufeinander und auf die Situation einzulassen. Das wäre in einem Rahmen, wie Hochzeitsfeiern sonst eher üblich sind, für uns in dieser Form nicht möglich gewesen.
LN: Wie gehts jetzt weiter?
B: Mit Freude und ganz viel Zeit. Wir machen Pause. Eine Pause von Finnland, eine Pause vom Arbeiten, eine Pause von Verpflichtungen, und - hiermit wende ich mich an alle LeserInnen - eine Pause vom Blog. Anfang September bin ich wieder zurück.
LN: Wars der schönste Tag Ihres Lebens?
B: Ach, wissen Sie, es gibt so viele so schöne Tage im Leben. Ich vergebe keine Rangliste. Ich hatte ein wunderbares Leben mit grossartigen Tagen bisher. Auch dieser Tag war schön. Und es wird wohl nicht der letzte gewesen sein.

In diesem Sinne - schönen Sommer!
Pfiat enk und Hej då!