Freitag, 23. Dezember 2016

23.12.16 - Der schönste Tag im Jahr


Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch endlich wieder ruhiger.
Karl Valentin

Da gibt es eine Frau, die seit 2 Wochen ihre Wohnung putzt und nun so erschöpft ist, dass sie keine Weihnachtsbesuche mehr empfangen kann.
Und eine andere Frau, die sich extra für das Weihnachtsfest mit ihrer Familie ein Kleid gekauft hat.
Und wieder eine andere Frau, die sich unendlich schämt, weil sie vergessen hat, die eingekauften Pakete gut genug zu verstecken. Und die eine unglaubliche Lüge erfindet, nur um die Geschichte vom Weihnachtsmann aufrecht erhalten zu können.
Ausserdem gibt es Radiosendungen, die sich über eine geschlagene Stunde damit befassen, wie man den Weihnachtsputz am Besten verrichtet.
 
Das alles ist mir viel zu verrückt.
 
Ich freu mich.
Ich freu mich auf das gemeinsame Christbaumherrichten.
Ich freu mich auf unsere Weihnachtssauna.
Ich freu mich aufs gemütliche Zusammensein, das in den letzten Wochen und Monaten viel zu kurz gekommen ist.
Und ich bin neugierig auf Max.
Was er wohl sagt, wenn morgen in der Früh ein Baum in der Stube steht?
Und wie wir den wohl gemeinsam schmücken werden?
Ich freu mich aufs Singen, aufs Paktlgeben, aufs Käsefondue und auf a Glasl Rotwein.
Am allermeisten aber freue ich mich über meine Herz erwärmenden, Freude bringenden, Licht spendenden und  Lachen ins Gesicht zaubernden zwei Lieblingsmenschen. Über meine kleine Familie.
Und darüber, dass wir uns das Putzen und das Geschichtenerfinden und das Aufmaschln einfach sparen.
 
Ich wünsche euch Frohe Weihnachten, God Jul, Hyvää Joulua und Merry Christmas.
Ich hoffe, dieses Jahr war ein gutes Jahr für euch. Und ich wünsche mir, dir und uns, dass im neuen Jahr Frieden und Ruhe ihren Platz finden dürfen.
 
Nachdem eine Pause immer wieder mal not und gut tut, verabschiede ich mich für a Zeitl von hier und bin dann wieder zurück am Wochenende der 3. Jännerwoche.
Habts es gut derweil!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit, die Tirolerin in Finnland
 
 
 
 

Samstag, 17. Dezember 2016

17.12.16 - Brief an das Christikind


Liebes Christkind!
 
Was? Du sagst, du bist nicht mehr zuständig für mich, weil ich ja jetzt im Land des dicken Mannes mit rotem Mantel und Rauschebart wohne?
Und das, ohne dass ich überhaupt nur angefangen habe, mir etwas zu wünschen?
Aber, hallo! So geht das nicht. Schliesslich bist du der Inbegriff meiner Kindheitsweihnacht, weshalb du natürlich auch mein erster Ansprechpartner bist, wenns ums Thema Wünschen geht. Und ausserdem, sollen wir uns nicht alle lieb haben und uns Gutes tun? Gilt das denn nur für uns Menschen?
Na also, siehst du.
Schön, dass wir einen Konsens gefunden haben.
 
Also. Ich fange noch einmal an.
 
Liebes Christkind!
 
Wünschen ist etwas, das ich nicht sehr gut kann. Und das mir zudem ausserordentlich unverschämt vorkommt in meiner privilegierten Situation. Ich mein, was will ich denn noch? Ich wohne in einem wunderschönen Häuschen in herrlicher Abgeschiedenheit, ich habe einen Mann, der mich liebt und den ich liebe, ich habe ein Kind, das jedesmal, wenn ich es anschaue, mein Herz höher schlagen lässt, ich habe genug Holz, um gut über den Winter zu kommen, ich habe eine kuschelige Bettdecke und mysteriöser Weise immer Schokolade im Haus. Also, was?!?!
 
Es ist nicht so, dass ich mir von dir den Frieden auf Erden wünsche. Denn ich weiss, dass das nun wirklich nicht in deinen Zuständigkeitsbereich fällt. Die schrecklichen Szenarien, die sich hier auf Erden abspielen, im Kleinen wie im Grossen, sind ganz allein des Menschen Werk. Er und sie trägt die Verantwortung dafür. Und es liegt ganz allein in seiner und ihrer Verantwortung und Zuständigkeit, Frieden zu machen, will er, der Mensch, denn wahrhaftig Frieden haben.
 
Ich wünsche mir auch nicht alles Geld der Welt. Na ja. Ein bisschen mehr tät ich schon nehmen. So ist es ja nicht. Aber, wenn wir von "alles" reden , dann winke ich ohne mit der Wimper zu zucken ab. Was tät ich denn damit, um Himmels Willen? Das mag ich mir gar nicht ausmalen. Und ausserdem, hätte ich alles, hätten alle anderen nichts. Und dann? Neinneinnein, da lob ich mir mein Bisslweniger, leg die Füsse auf den Tisch, trink meinen Kaffee und freu mich meines Daseins.
 
Einen Mercedes Benz, so wie Janis Joplin ihn gerne hätte, brauch ich auch nicht. Wer weiss, ob der wirklich immer anspringen würde bei diesen unberechenbaren finnischen Temperaturen, so wie mein unverwüstlicher Fiat Panda. Und ausserdem, ist die Ampel Rot, muss sogar der Mercedes Benz stehen bleiben. Und bei Stau kann auch er nichts anderes tun, als sich brav hinten anstellen und warten. Also, was würde der mir bringen, was der Fiat Panda nicht schon längst kann?
 
Aber, ich weiss schon, langes Geschwafel liegt uns nicht. Weder dir noch mir. Es ist nicht gut, lang um den heissen Brei herumzureden. Und ich komme besser auf den Punkt, so lange du überhaupt noch die Zeit hast, Briefe zu lesen. Bist ja vermutlich schon ein bisschen im Weihnachtsstress, oder?
 
Liebes Christkind, ich hätte gern einen Glühwein.
Du wunderst dich?
Ja. Das verstehe ich. Du musst aber wissen, ich rede nicht einfach nur von einem gewöhnlichen Glühwein. Den kann ich mir natürlich daheim selber machen. Ganz ohne deine Hilfe.
Ich rede von dem Glühwein, dessen Tasse man mit kalten Fingern umklammert, während die Atemluft kleine Wölkchen vor den Mund zaubert.
Ich rede von dem Glühwein, der immer zur Hälfte auf der Jacke landet, weil so ein Gedränge herrscht, dass man nicht anders kann, als zu rempeln.
Ich rede von dem Gühwein, der völlig überteuert ist und heuer noch süsser schmeckt.
Und ich rede von dem Glühwein, der den Gedanken heraufbeschwört: Warum tue ich mir das eigentlich an?
 
Es ist der Christkindlmarktglühwein, den ich so schmerzlich vermisse und der meine Adventszeit durch seine Abwesenheit bluesig einfärbt.
Ich weiss schon, das ist nur eine Kleinigkeit und du könntest ganz einfach sagen: Stell dich nicht so an und trink Glögg. Und die Sache wär erledigt. Wäre sie das?
Ich fürchte nein.
 
Der Christkindlmarktglühwein ist etwas ganz Spezielles.
Er ist immer verbunden mit einem lieben Gesicht, das man kennt und mag, zumal man ja selten allein seine Abende an solchen Örtlichkeiten verbringt.
Er ist immer auch verbunden mit einer Klangwolke aus Tirolerisch, Italienisch und diversen anderen Sprachen, wobei aber immer das Kch und das Sch überwiegt. Oh, wie ich diese Sprache liebe!
Diese wunderbare Bergluft darf ich nicht vergessen. Ständig da. Und trotzdem kaum wahrgenommen.
Und natürlich der Duft der Kiachln, der sich über die gesamte Altstadt legt.
Die uralten Pflastersteine unter den Schuhen, die Standln, die Bläser, der Krawall.
Das alles ist der Christkindlmarktglühwein.
Ich werd grad ein bisschen wehmütig und nostalgisch. Obwohl ich die letzten Jahre meines Tiroler Lebens eh nicht mehr dort hingegangen bin.
 
Verklärt sich die Vergangenheit und geht auf Distanz zur Realität?
Und wenn ja, ist das immer so?
 
Liebes Christkind, hast du bitte einen Glühwein für mich?
 
Mit freudiger Zuversicht und grösstem Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten danke ich dir bereits im voraus für deine Bemühungen und verbleibe mit einem herzlichen
 
Pfiati und Hej då -
d'Birgit
 
Bildergebnis für innsbrucker glühwein
Bild entnommen von www.provinnsbruck.at

Sonntag, 11. Dezember 2016

11.12.16 - Warum ich Finnland so mag


Ich lasse Max zu Hause bei Kalle und begebe mich ins Weihnachtsshoppinggetümmel. Erst noch recht enthusiastisch, ernüchert sich meine Gefühlswelt rasant und leicht gereizt bahne ich mir Wege, stehe für gefühlte Stunden bei irgendwelchen Kassen an, nur um dort mein Geld herzugeben, ich suche, und finde nicht, und dann doch, und suche weiter, und - dann höre ich ihn.
Den Chor. Ich schlage mich mit "Ursäkta" und "Andeksi" durch die Massen wie jemand im Dschungel mit seiner Machete. Als ich ihn endlich sehe, kommt mir sofort dieser eine Satz in den Sinn: Das kann es nur in Finnland geben.
Die Sängerinnen und Sänger, ja, sie singen halt. Recht leise, sodass ich nicht ausmachen kann, in welcher Sprache sie ihre Lieder darbringen. Manche haben komische Kostüme an, grad wie einem Krippenspiel entsprungen, manche sind ganz normal gekleidet und manche sehr adrett, und alle schauen auf die Chorleiterin. Und diese Frau, sie sitzt im Rollstuhl. Ich gehe auf die Seite, um besser sehen zu können. Sie dirigiert mit einer Hand, während die andere versucht, die Seiten ihrer Noten umzublättern. Das ist nicht leicht, da sie offensichtlich eine Muskelerkrankung hat. Aber sie schafft es. Immer wieder. Ein Mikrophon vor ihrem Mund lauscht mit und gibt wieder. Und sie, sie dirigiert. Ist in Kontakt mit ihren Chormitgliedern und gleichzeitig versunken in ihr Tun.
Wie genial ist das denn, bitte?! Gäbs das in Tirol? Gäbs das wirklich? Vielleicht, wenn der Chor selbst auch einer für und mit Menschen mit Behinderung wäre. Aber ansonsten? Ich bezweifle es sehr.

Und das ist mit ein Grund, warum ich Finnland so mag.

Ausserdem sind in diesem Land noch wirkliche Abenteuer möglich. Vor allem im Winter. Jede Autofahrt auf einer Eisbahn, die in wärmeren Zeiten mal eine Strasse war, lässt das Adrenalin in die Höhe schnellen. Salz wird nicht gestreut, zumindest nicht auf den Nebenstrassen. Manchmal wird unmotiviert eine Ladung Steine auf einer Kreuzung abgeladen. Aber nur dort und im schlechtesten Fall in Hügelform, sodass es schon mehrere Autos braucht, bis die Steine gut verteilt sind.
Aber ich darf dem Strassendienst nicht Unrecht tun. Jetzt, nachdem wir 2 Wochen Glatteis gehabt haben, ist ein Streuwagen gefahren. Zwar in der Mitte der Strasse, um nicht vor- und den gleichen Weg wieder zurückfahren zu müssen, aber immerhin.

In diesem Land wird jedes Jahr eine neue Lucia gewählt. Weiblich, jung, fesch, blond - das sind die idealen Grundvoraussetzungen, um den begehrten Titel zu ergattern und dann mit Kerzen auf dem Kopf durch die Strassen ziehen zu dürfen. Früher waren die Kerzen echt, mittlerweile sind sie wohl elektrisch. Ich möchte nicht wissen, wie viele Mädels ihre Haare haben lassen müssen (wenns denn nur das war...), bevor man sich zu diesem Schritt durchgerungen hat.
Aber, und das ist ja das eigentlich Geniale: Das Vasabladet, die hiesige Tageszeitung, veranstaltet jedes Jahr die Wahl zur Lucia-Oma. Frauen von 70 oder 80 aufwärts stellen sich zur Wahl, man kann mitstimmen, viele Menschen sind ganz gerührt, weil das ja "so süss" ist, und das ist es dann auch schon wieder. Super, oder? Ich mag das Vasabladet. Und wenn die ganze Welt draufgeht oder vor die Hunde oder den Bach runter oder sonst wo hin, das wird uns erhalten bleiben. Jedes Jahr zu Dezemberbeginn: Oma-Luciawahl. Inklusive mehrere Seiten Berichterstattung.

In diesem Land braucht man sich keine Gedanken über Weihnachtsschmuck zu machen. Es hat einfach jedes Haus dieselbe Weihnachtsbeleuchtung. 7 elektrische Kerzen in Stiegenform (4 auffi, 3 oi) zieren fast alle Fensterbankln. Auch bei uns. Ja. Wir machen da natürlich mit. Nachdem sich schon jemand die Mühe gemacht hat, uns dieses wunderbare Ding zu schenken, stehen wir dem finnischen Brauchtum um nichts nach.

Nein. Nein. Es ist nicht alles besser in diesem Land.
Aber es zaubert mir immer wieder mal ein Lächeln voller Staunen, Wohlwollen oder Ungläubligkeit auf meine Lippen.

Und es ist wahrhaftig spannend, zwei Welten zu einer werden zu lassen. Nicht nur im Dezember, aber schon auch.
Weihnachtsmann vs. Christkind.
Finnischer Nationalfeiertag vs. Nikolaus und Krampus.
Lucia vs. Anklöpfler.
Elektrische Kerzentreppe vs. Adventskranz.
Jultortor vs. Weihnachtskeks.

Diese Fragen stellen sich an uns als Familie, an mich als Tirolerin, die in Finnland lebt und an Max, der irgendwann auf seine Kindheit zurückblickt und hoffentlich eine heimelige Advents- und Weihnachtszeit vor Augen und im Herzen hat. Vielleicht a bissl chaotisch und vermischt und drunter und drüber, aber heimlig und kuschelig. Das wünsche ich ihm. Und das wünsche ich mir. Und uns.

Euch übrigens auch so viel.
Möge diese Zeit auch euer Herz erwärmen!

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

unser Weihnachtsstiegenlicht von aussen...

... und von innen

die heurige Lucia-Oma mit dem Kerzenkranz auf dem Kopf
 




Sonntag, 4. Dezember 2016

04.12.16 - Sven ist tot


Max hat mit dem gestrigen Tag beschlossen, eine Glocke zu sein.

Den Bauch weit vorgestreckt und mit seinen Armen wachtelnd rennt er von der Küche in die Stube in sein Zimmer und wieder zurück, nur um denselben Weg wieder in Angriff zu nehmen. Dabei ruft er: "Doonnnng, doonnnnng, doonnnng!" Zwischendrin quietscht er vor Begeisterung, dann gehts weiter mit "Doonnnng, doonnnng, doonnnng".

Wir waren in der Kirche. Sven, Kalles Onkel, ist gestorben. Ich habe ihn nie getroffen, und ich habe bis vor wenigen Tagen nicht mehr von ihm gewusst als seinen Namen.
 
Es fühlt sich ein bisschen seltsam an, inmitten aller Verwandten zu sitzen und so zu tun, als sei das selbstverständlich. Dabei ist es genau das, denn selbstverständlich begleite ich Kalle.
So sitzen wir also da. Es ist Max' erstes Mal in einer Kirche. Die Augen gross, den Mund zu einem Strich zusammengekniffen, sitzt er da auf Kalles Schoss und schaut. Und schaut. Und schaut. Die Orgel fängt an, etwas unheimlich Trauriges zu spielen. Und Max hat schaut weiter. "Das Volk" fängt an zu singen. Und das geht dann wohl ein bisschen zu tief für Max. Oder bekommt er Angst? Auf jeden Fall fängt sein Mund zu zittern an, was bedeutet, dass er die nächsten Sekunden in herzzerreissendes Schluchzen und Weinen ausbricht. Ich nehme ihn. Ich umarme ihn. Ich erkläre ihm, dass allen in Ordnung ist und dass Papa und Mama hier sind. Und wir singen unsere Eigenkreation von "Ich hab dich lieb" vom Grönemeyer. Natürlich flüsternd. Und auch wenn er sich langsam wieder beruhigt, so ist es doch zu gross irgendwie. Es sind so viele Emotionen im Raum, so viele schwarz gekleidete Menschen, die kein Wort reden und nur herumstehen, diese grossen Luster, und diese Musik.
 
Ein kurzer Blick zurück in meine Tiroler Vergangenheit: Ich gehe nicht zum Lidl einkaufen. Ich mag dieses Geschäft nicht. Und das kann ich einfach so stehen lassen, ohne auf die Gründe näher eingehen zu müssen.
 
Wir kommen zurück zur Kirche: Ein grosse Dankbarkeit überkommt mich. Lidl. Es ist das einzige Geschäft, das Laugenbrezen verkauft. Und Max liebt Laugenbrezen. Und - welch Erleichterung: Ich habe in weiser Vorahnung eine Laugenbreze eingepackt. Und die futtert er nun. Und kann kauend dem Programm folgen, ohne weiter Angst haben zu müssen.
 
Der Pfarrer ist eine Frau. Und niemand stört sich daran. Sie erscheint nur kurz, um von Svens Leben zu sprechen. Dann geht sie wieder.
An einem Punkt der Messe gehen die Verwandten und Freunde der Reihe nach zum Sarg, um dort die Blumenbuketts oder Kränze abzulegen und der Trauerfamilie, die ganz vorne sitzt, teilnahmsvoll zuzunicken. Ein Freimaurer erscheint. Allein. Und die Kriegsveteranen bekommen mehr Platz oder Wichtigkeit als jeder andere. Sie halten sogar eine kurze Ansprache.
Wir singen. Das wunderbar stimmungsvolle Lied von "Wie im Himmel" - Härlig är Jorden. Max zeigt auf die vielen Lichter in der Kirche und ruft laut, ohne die anderen zu stören, weil die singen ja laut und inbrünstig: Titta! (Schau!). Und zeigt dabei auf die wundersamen Luster und die Decke, die so hoch ist, dass niemand sie angreifen kann.
Am Ende der Messe geht wieder jeder vor zum Sarg, sucht seine Blumen und nimmt sie mit, um sie zum Friedhof zu bringen.
 
Es ist vorbei. Wir gehen raus. Reden mit ein paar Menschen. Und gehen zum Auto. Der Glockenturm, der in diesem Land sehr oft getrennt zum Kirchengebäude steht, läutet eine seiner Glocken. Ein tiefes DOONNNNNG durchstösst die betretende Stille. Und Max fängt an zu wachteln mit seinen Armen und ruft DOONNNNNG mit seiner hellen, süssen Stimme. Und das Leben durchfährt uns mit aller Wucht. Und wir schauen uns an. Und wir wollen lachen. Und laut sein. Und uns freuen. Und kaum sitzen wir im Auto, so reden wir und reden und reden und lachen und sind einfach nur glücklich,.
 
Was da mit uns passiert ist? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich es ganz wunderbar finde, zu leben und nicht tot zu sein.
 
Heute ist Wahlsonntag in Österreich.
 
Und Max läuft herum und ruft DOONNNNNG.
 
Und ich kann jetzt eh nichts mehr tun.
Das Faktum Tod verändert so vieles. Grosses wird klein und Kleines wird gross.
 
Brauchen die Leute einen Hofer? Ja. Vielleicht. Und vielleicht kriegen sie ihn sogar. In 6 Jahren wird der Spuk wieder vorbei sein. Und die, die heute noch mit dem Finger auf andere zeigen und Widerwertigkeiten verbreiten und unterstützen, werden sich irgendwann verschämt verkriechen oder alles abstreiten. Alles war schon mal da. Alles ist wieder vorbeigegangen.
 
DOONNNNNG.
 
Und ich weiss, Widerstand ist wichtig, weils die Würde bewahrt (das hab ich von Trojanow). Aber ich weiss auch, dass mir ab einen gewissen Punkt die Hände gebunden sind.
 
DOONNNNNG.
 
Liebe Leute, ihr, die mir politisch nahe steht, habts es gut.
Und ihr, die ihr politisch gefährlich am Weg seids, habts es gut.
Ich verneige mich vor jedem, der es wagt, Mensch zu sein und Mensch sein zu lassen.

Ich wünsche ein glückliches Am-Leben-Sein!

Pfiatenk und Hej då -
d'Birgit

DOONNNNNG

Egal, wie dunkel die Zeiten scheinen. Es gibt sie!!!