Ich fahre vom ersten Zahnarztbesuch mit Max nach Hause. Die Gedanken springen mal hier hin und mal dort hin, ich singe, wir singen, die Bäume ziehen an uns vorbei und - da durchfährt es mich wie ein Blitz und schiesst direkt in meine Magengegend.
Habe ich in meinem letzten Blog wirklich zum Suizid aufgerufen?
Ich meine, natürlich nicht direkt, aber kann mein Eintrag dahingehend missverstanden werden?
Ich habe letzte Woche unterschiedliche Strategien genannt, derer man sich hier in Finnland bedient, um der Dunkelheit Herr zu werden. Neben all den Dingen wie Kaffee und Alkohol erwähne ich im Zuge dessen auch Suizid, lasse dabei aber aus, diesen Punkt explizit als Fakt aufzulisten mit einem Zusatz, der etwa lauten könnte, dass die Suizidrate in Finnland eine der höchsten weltweit ist (siehe auch in www.wikipedia.org: Suizidrate nach Ländern). Stattdessen verweise ich auf diese Praxis nur als eine Möglichkeit, welche man mit einem hohen Preis zu bezahlen hat. Das ist ein gewaltiger und mitunter gefährlicher Unterschied.
Oioioi.
Ok. Man könnte sagen: Kleiner Schlampigkeitsfehler. Oder wenn man es als noch unbedeutender darstellen will: Kleiner Schönheitsfehler. Kann schon mal passieren.
Aber bei so einem Thema? Nein. Das geht gar nicht!
Was jetzt? Was tun, wenn man im Nachhinein feststellt, dass man etwas versemmelt hat?
So tun, als sei nie etwas gewesen?
Sich baden in Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen?
Warten, ob bzw. bis man darauf angesprochen wird und dann die Verteidigungs- oder noch besser Ablenkungsmaschinerie hochfahren (worin übrigens eine bestimmte politische Gruppierung nahezu meisterliche Fähigkeiten entwickelt hat)?
Seitdem ich erkannt habe, dass ich "nur" ein Mensch bin, bin ich nachsichtiger mit mir. Ein Mensch macht Fehler. Das gehört zu seiner Natur. Ebenso, wie jede Träne, jedes Lachen, jeder Versuch und jeder Irrtum. Es gehört dazu wie das Geborenwerden und das Sterben. Wie Wachen und Schlafen. Wie Trinken und Essen. Wie Lieben und Nichtlieben (dazu fällt mir ein, dass ich mal irgendwo gelesen habe, dass nicht Hass das Gegenteil von Liebe ist, sondern Angst).
Ich habe also im Laufe meines Lebens gelernt, dass man Fehler machen darf, ja, machen soll. Das Leben will und darf ausprobiert werden. Und das geht schlichtweg nicht ohne Fehler zu machen.
Was aber tun, wenns passiert ist?
Naja, da gibt es nichts gross zu tun irgendwie. Ausser halt sich genau anzuschauen, was passiert ist und sich klar zu werden, warum, dahinterzustehen und sich gegebenenfalls zu entschuldigen. Und zu versuchen, es in Zukunft besser zu machen. Wobei die Betonung wieder nur auf versuchen liegt. Mehr geht nicht. Und das ist eh schon viel.
Also, in diesem meinem konkreten Fall habe ich eigentlich nur eines zu sagen:
Liebe Leute, ich habe mich unglücklich ausgedrückt. Tuts am Leben bleiben, so lange es euch möglich ist. Das Leben ist ganz wunderbar und spannend. Und herausfordernd. Und belastend. Und interessant. Und so vieles mehr. Und das ist auch in Ordnung so. Wer hat denn gesagt, dass es leicht sein muss?
Sicher ist, wenns dunkel ists, wirds wieder hell.
Das liegt in der Natur des Lebens.
Habts es gut, liebe Menschen!
Ich grüsse euch aus der Dunkelheit - "bewaffnet" mit Tee, Feuer, Schokolade, Max und Kalle :-).
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit