Parties liegen mir im Blut wie einem Vogel das Eislaufen...
Gestern war es wieder einmal so weit. Wir hatten eine Einweihungsfeier für unseren Turm. Es waren etwas mehr als 40 Gäste geladen, von denen auch fast alle gekommen sind. Verwandte, FreundInnen, Bekannte, allesamt natürlich mit Lieblingsmensch und Kindern.
Uiuiui, da isches zuagangen.
"Hallo. Griass di! Schen, dass du do bisch!"
"Wos? Du geasch scho wieda? Ma, volle nett, dassd kemman bisch!"
Zwischen diesen beiden Sätzen gabs eine Führung in unser neues Schlafgemach, etwas zum Essen und zum Trinken, a Plauschale hier und a Plauschale da, Kaffee, Musik, die immer viel zu früh fertig war, Max mit all seinen Bedürfnissen wie Essen, kuscheln und Windeln wechseln, Kuchen, und, ja, und dann all diese Spotlight-Begegnungen.
Mittlerweile haben sich auch die Letzten verabschiedet. Mein Kopf schwirrt. Ich sitze da, schaue zurück, und mir ist, als wäre ich von einem Improtheaterstück zurückgekommen in meine Welt.
Der Name dieses Stückes: Triff dich.
Es gibt viele, viele Schauspieler. Der Auftrag: Jede/r tritt einzeln auf die Bühne, der Scheinwerfer geht an, und er/sie erzählt. Egal was. Persönliches. Politisches. Langweiliges. Spannendes. Was auch immer. Die Erzählung muss so lange dauern, bis der Scheinwerfer wieder ausgeht. Wobei niemand weiss, wann das passieren wird.
So viele Spotlights. So viele Menschenlebenausschnitte.
Licht an - sie hat ihren Ehering verloren - Licht aus.
Licht an - sie wartet immer noch auf die Info des Arbeitgebers, ob er nun eingespart wird oder nicht - Licht aus.
Licht an - der Enkel ist auch auf einer Party - Licht aus.
Licht an - er wünscht uns noch viele, viele Mäxe - Licht aus.
Saft? Ja. Hier. Bitte. Gerne!
Max? MAX! He, Mahaaax!!! Ah, do bist du.
Licht an - Tomas, der jüngste Partygast, schreit und weint - Licht aus.
Licht an - Sie hat so oft an mich gedacht und sich gefragt, wie es hier wohl ist für mich, aber sie hat sie nicht hergetraut - Licht aus.
Licht an - Wow! A Laterne. Danke! - Licht aus.
Für weitreichendere Begegnungen ist so ein Rahmen nicht gedacht. Und nichts desto trotz sind diese kurzen Einblicke - echt. Und sie berühren mich. Und Gesprächsfetzen hängen immer noch wie Wäschestücke in der Luft. Zum Trocknen? Vielleicht.
Während unsere letzten Gäste noch mit Kalle diesen riesigen Kasten auseinandergebaut und in einem anderen Raum wieder aufgebaut haben, haben Max und ich uns auf den Weg nach draussen gemacht. Auch wenn noch kein Schnee liegt, so hat doch der Frost alles unter eine funkelnde Decke aus Kälte gehüllt. Kaum haben wir die Türe hinter uns zugemacht, hat uns frostige Luft empfangen und Wolken vor unsere Münder gezaubert und die Stille, diese wohltuende, alles übertönende Stille hat uns wie ein sanftes, zärtliches Wesen umarmt und aufgenommen. Oh. Wie wohl mir war.
In dieser Stille hat sich Max auf den Weg gemacht, das Leben zu erkunden. Es ist ja sooo spannend!
Ich mag diese Ruhe wirklich. In der Ruhe kann ich mich entspannen und mit und bei mir sein.
Aber so a Party ist schon auch nett. Ich habe ganz schön alt werden müssen um zu erfahren, dass Spotlightbegegnungen durchaus ihren Reiz haben, auf jeden Fall aber berühren können.
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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