Ein Novembertag.
Die Dunkelheit kam bereits mitten am Nachmittag zurück, nachdem sie sich irgendwann kurz vor Mittag verflüchtigt hat. Nein. Nicht ausnahmsweise, weils Wolken gegeben hat oder so, es ist jetzt so. Sie schlendert mit einer schier verwegenen Selbstverständlichkeit übers Land und weiss genau, dass niemand sie aufhalten wird oder kann. Dieses Wissen gibt ihr eine unglaubliche Macht, die sie mit diabolischer Freude ausspielt. Und wir, die Menschen, spüren das mit aller Härte. Sie berührt alle Lebensbereiche, innen wie aussen. Das Aufstehen wird zur Qual. Man schleppt sich dann mehr schlecht als recht über den Tag und versucht so gut wie möglich, zu tun, was getan werden muss. Irgendwas extra oder zusätzlich? Keine Chance. Im Haus brennt den ganzen Tag das Licht, will man nicht im Dämmerzustand verweilen. Und abends, wenn Max ins Bett geht, also so zwischen halb 8 und 8, schreit jede Zelle in mir nach Schlaf. Das geht aber nicht, und so muss ich aufpassen, dass mich nicht der Neid frisst.
Die Dunkelheit kam bereits mitten am Nachmittag zurück, nachdem sie sich irgendwann kurz vor Mittag verflüchtigt hat. Nein. Nicht ausnahmsweise, weils Wolken gegeben hat oder so, es ist jetzt so. Sie schlendert mit einer schier verwegenen Selbstverständlichkeit übers Land und weiss genau, dass niemand sie aufhalten wird oder kann. Dieses Wissen gibt ihr eine unglaubliche Macht, die sie mit diabolischer Freude ausspielt. Und wir, die Menschen, spüren das mit aller Härte. Sie berührt alle Lebensbereiche, innen wie aussen. Das Aufstehen wird zur Qual. Man schleppt sich dann mehr schlecht als recht über den Tag und versucht so gut wie möglich, zu tun, was getan werden muss. Irgendwas extra oder zusätzlich? Keine Chance. Im Haus brennt den ganzen Tag das Licht, will man nicht im Dämmerzustand verweilen. Und abends, wenn Max ins Bett geht, also so zwischen halb 8 und 8, schreit jede Zelle in mir nach Schlaf. Das geht aber nicht, und so muss ich aufpassen, dass mich nicht der Neid frisst.
Diejenigen unter uns, die Arbeit haben, sind jene, die versuchen, den Anschein der Normalität aufrecht zu erhalten, für sich selbst aber auch für die ganze Gesellschaft. Sie sind Meister im "So tun als ob" und ihnen gebührt aller Dank und alle Ehre.
Diejenigen unter uns, die Kleinkinder haben, kommen wahrscheinlich noch am besten weg. Weil sie an konstantem Schlafmangel leiden, seit es den kleinen Menschen gibt, ist die Müdigkeit bereits ein fixer Bestandteil ihres Lebens. So ist es zwar nicht leichter, aber zumindest normal.
Diejenigen aber unter uns, die Kleinkinder und Arbeit haben, das sind wirklich arme Schweine...
Diejenigen aber unter uns, die Kleinkinder und Arbeit haben, das sind wirklich arme Schweine...
Ich habe Forschungen angestellt und ich bin auf fantastische Überlebensstrategieen gestossen, entwickelt von und für Finnen über Jahrtausende hinweg, perfektioniert und modernisiert (oder auch nicht). Diese hier habe ich gefunden:
- Kaffee.
Finnland ist eines der Länder mit dem höchsten Kaffeeverbrauch europaweit. Je nach Studie nimmt es mal den ersten, mal den zweiten Platz ein. - Alkohol.
Auch hier ist Finnland ganz vorne unterwegs. Man versucht, diesem Trend etwas entgegenzusetzen, indem Alkohol nur in speziellen Geschäften erhältlich ist. Da es aber immer leichter ist, die Symptome anstatt der Ursache zu bekämpfen, bringt das nur sehr wenig. - Vitamin D.
Die Kinder in Finnland müssen Vitamin D bis zu ihrem 19. Lebensjahr nehmen. Vitamin D kriegt man sonst, wenn man sich in der Sonne bzw. im Tageslicht aufhält. Und man braucht es für den Knochenaufbau, also, für die eigene Stabilität. Vielleicht nicht nur im physiologischen, sondern auch im psychologischen Sinne, wenn man davon ausgeht, dass Körper und Geist eins sind. - Viele Kinder machen.
Es gibt nichts, das so viel Strahlendes und Schönes ins Leben bringt als ein kleines Kind, das gerade die Welt und sein Gegenüber entdeckt. Sogar im November. - Tageslichtlampen.
Es gibt tatsächlich einige, die schwören darauf. - Sauna.
Wenn gar nichts mehr hilft: Sauna hilft immer. Egal bei was. - Kanarische Inseln.
Wer es sich leisten kann, haut ab. Wieso aber gerade die Kanarischen Inseln so reizvoll sind für die Finnen, das weiss ich leider nicht. - Suizid.
Ja. Auch das ist ein Ausweg. Nur ist der Preis leider sehr hoch. - Und dann all diese kleinen, kläglichen Versuche, die einem helfen sollen, Tag für Tag zu bestehen. Die einen stürzen sich auf Weihnachtsvorbereitungen und schmücken das Haus innen und aussen, als gäbs einen Preis dafür, die anderen essen kiloweise Schokolade, wieder andere gehen vermehrt einkaufen, weil man in den Geschäften zumindest auf Menschen trifft, und so mancher versucht sich auf dem Meer, indem er dort eisläuft, wenns denn schon geht.
Und ich? Ja, ich hab Max.
Und Kaffee. Und wenns ganz und gar unerträglich wird, dann hab ich auch noch das Feuer im Ofen.
Das ist eine gelungene Kombination, um dem Jetzt die Stirn zu bieten.
Alles geht vorbei. Immer. Daran halt ich mich fest.
Auch wenn das gleichzeitig die Basis meiner grössten Ängste ist.
Wie auch immer - habts es gut, habts es fein. Geniessts die Sonne und das Licht. Denn nichts ist selbstverständlich. Nicht einmal das.
Alles Liebe,
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
Und Kaffee. Und wenns ganz und gar unerträglich wird, dann hab ich auch noch das Feuer im Ofen.
Das ist eine gelungene Kombination, um dem Jetzt die Stirn zu bieten.
Alles geht vorbei. Immer. Daran halt ich mich fest.
Auch wenn das gleichzeitig die Basis meiner grössten Ängste ist.
Wie auch immer - habts es gut, habts es fein. Geniessts die Sonne und das Licht. Denn nichts ist selbstverständlich. Nicht einmal das.
Alles Liebe,
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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