Freitag, 29. Mai 2015

29.05.15 - Zum Sterbn zan Stoan zuigepickt






Gwortet hosch jo eh scho long
Weil - s'Olta wor do
Und monchmol, do hosch di gfrogt,
Wos kimb do eppa no.

Ongst hosch koane ghobt.
Na. Mit Ongst kimsch vo Haus aus nit weit.
Owa Neigier wor do.
Und a bissl a Mulmigkeit.

Jo. Longsom bisch worn mit de Johr
Und hosch a gern amol groschtet in da Sun
Owa gfreit hots die allaweil no
Des Lebn, dei Haus und des Grian.

Und jetz, jetz isch da Frühling kemman
Hosch da denkt: Mei, isch des fein
Und auf oamol, do hosches gspiat: Es isch so weit
Und bisch gongan zu dem Stoan, dem dein.

Bisch aui aufn Stoan, hosch no amol gschaut
Na. Great hosch du nit
Owa schwar wor da ums Herz
Donn bisch eini ins Haus. Und hosch di niedagleg.

G'holtn vom Grosholm, g'schmückt von am Sum
Dei Schleim, obwohl scho trockn, holtet di no.
Pfiati Gott, liabe Schneckn, olls Guate für di
Troffn homma uns nimma, owa denk tua i an di.



Samstag, 23. Mai 2015

23.05.15 - Abschied

 
PKN sind ausgeschieden, die rechten Politiker gewählt, die Pflanzen gesät, der Frühling ist immer noch nicht da und unser Besuch auch schon wieder weg - gute Gründe, um die Zelte hier für ein paar Wochen abzubrechen und mich aufzumachen ins alte Tirol. Schaun, ob alles noch steht dort. Schaun, was sich getan hat. Und hoffen auf Sonne und feine Temperaturen!


 
Unser Beet...
 

 
... die Frühlingsblumen...
 
 
 
... die 3 Apfelbäume...
 
 
 
... unsere neu gebaute Blumenwiese...
 
 
 
... unser gemütliches Daheim...
 
 
 
... die Sauna...
 
 

... und mein neues Boot (das linke)...
 
 
... ich glaub, das alles - inklusive Kalle - wird mir schon auch gscheit abgehen. Aber das ist ja ok. Das darf schon sein im Leben. Es zeigt sich ja selten nur nur ein Gefühl zur selben Zeit. 
 
Hej då, Finnland!
Griass di, Tirol!
d'Birgit
 
 


Dienstag, 19. Mai 2015

19.05.15 - PKN: Finnlands Teilnahme beim Eurovisions Song Contest

 
 



Pertti Kurikan Nimipäivät - Wie genial sind die denn bitte?!?!!!!
Wie hier in Finnland vor einigen Monaten die Vorausscheidung gelaufen ist, da war ich so was von ergriffen. Und überwältig. Und ganz aus dem Häusl. Und bins immer noch.
 
Pertti Kurikan Nimipävivät , das heisst übersetzt: Der Namenstag des Pertti Kurika. Das ist übrigens der Gitarrist. Es sind Leute, die sich vor einigen Jahren zusammengetan haben um Musik zu machen. Und die eben auch eine Behinderung haben. Sie nennen sich Punks. Sie ziehen dem entsprechende Kleidung an und irritieren mit Antworten in Interviews wie "no like fucking politics" or "no like fucking polizei". Ihre Songs schreiben sie alle selber, und mit den Jahren haben sie hier in Finnland einen grossen Bekanntheitsgrad erworben. Und es kann wirklich nicht mit dem viel und oft zitierten Behinderten-Bonus zusammenhängen. Weil, man schaue und höre sie sich bitte mal an: Sie sind weder gschtiascht (übersetzt: süss), noch nett, noch sonst irgendwie leicht herzerwärmend.
 
Ihr Lied heisst "Aina mun pitää". Das heisst so viel wie "Immer muss ich". Und DAS ist es! In erster Linie wird dieses Gefühl, das sie dabei haben, so eindringlich transportiert in diesem Lied, dass es gar nicht zwingend nötig ist, den Text zu verstehen, um das Lied zu verstehen. Und zweitens habe ich das ganz dringende private Bedürfnis, diese Aussage und das Gefühl dahinter doppelt und dreifach zu unterstreichen. Meine für andere vielleicht etwas übertrieben anmutende Reaktion kommt daher, dass ich mehr als 10 Jahre lang intensiv mit Menschen mit Behinderung zusammen gearbeitet habe. Es gab dabei so viel an Emotionen und Geschichten. Und im Grunde: Genau das ist es! Diese Gruppe, die heute abend für Finnland antritt, findet einen Ausdruck dafür, wofür ich 10 Jahre lang gesucht habe und 10 Jahre lang den Punkt nicht derbenannt habe. Und jetzt versteh ich auch, warum. Ich war Teil des Systems. PKN hingegen ist Teil der Betroffenen.
 
Da gibt es Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft, jo - no na!, und die müssen immer etwas. Aber nicht, weil sie ihr Leben eben so gestaltet haben, oder es sich halt einfach so ergeben hat, sondern, und das ist der springende Punkt: Weil sie behindert sind. Und da gehts nicht um Dinge wie die alltäglichen Anforderungen, die wir alle bewältigen müssen, einfach weil wir am Leben sind. Nein. Da wähnen sich doch wirklich Menschen ohne Behinderung aufgrund ihrer Ausbildung, ihres Verwandtschaftsverhältnisses, ihres Gesellschaftsstatus' oder auch nur aufgrund ihrer Nicht-Behinderung im Recht (oder sogar in der Pflicht), Menschen mit Behinderung zu sagen, was sie zu tun hätten und was nicht. Was sie dürfen und was nicht. So, als seien sie immer noch kleine Kinder. Oder besser gesagt, so, als könnte man sie nicht für voll nehmen. Ich finde das ungeheuerlich. Ganze Leben werden dadurch dominiert, Menschenseelen klein gehalten, und grosses Potential, von dem alle und jeder profitieren könnte, nämlich ein natürliches Miteinander in seinen vielen Facetten und Gesichtern, einfach ausgedämpft. Wie ein Feuer, das nicht brennen darf.
 
Es gibt so dieses Klischee des/r gschtiaschten Behinderten, der/die nett ausschaut, irgendetwas total gut kann, dabei lieb lächelt und dadurch alle Herzen schmelzen lässt. Diese Menschen sind oft Spezialisten darin geworden, Wünsche anderer zu erfüllen und deren Erwartungen gerecht zu werden.
 
Pertti Kurikan Nimipäivät sind das exakte Gegenteil davon. Sie sind. Und sie zeigen sich. Und sie haben grosse Emotionen.
Mögen sie gewinnen! Ich wünsche es ihnen und uns von ganzem Herzen!!!
 
In diesem Sinne - Daumen halten und voten!
Pfiatenk und Hej då - d'Birgit


 
 
 

Montag, 11. Mai 2015

11.05.15 - Die Insel


Es war einmal ein Muttertag...

Es wird geschrieben der 10. Mai im Jahre 2015.
Kalle und Birgit lassen es sich nicht nehmen, diesen Tag zu zelebrieren. Auch wenn Wolken, Wind und kalte Temperaturen jeglichen Ideen den Garaus machen wollen.
Die beiden setzen sich also ins Auto und fahren ans Meer. Dorthin, wo ein orangefarbenes Boot auf sie wartet, um sie sicher übers Meer bis zu DER INSEL zu bringen.

 
 
Es führt sie durch wilde Gewässer, doch Kalle kämpft sich unerbittlich mit seinen Holzrudern auch durch die höchsten Wellen, die gegen den Bug peitschen.


 

Bald schon sehen sie sicheres Land inmitten der unendlichen Weite des Meeres.
 
Dort angekommen, kämpfen sie sich durch dunkle Wälder. Der dürftige Pfad wird gesäumt von alten, Flechten bewachsenen Bäumen, die mit Krächzen und Stöhnen sich im Winde wiegen, heisere Möwenrufe ertönen von weit her, und es gibt kein Anzeichen von menschlichem Leben.
Bis sie endlich auf eine Lichtung stossen. Und dort:




Das Sommerhaus! Einsam steht es da, direkt am Meer. Es gibt noch Spuren der letzten Menschen, die vor ihnen hier waren (eine Leiter, ein roter Ball, der verloren in den Büschen liegt, eine umgestossene Giesskanne). Wo sind sie? Was ist mit ihnen geschehen? Sie wissen es nicht. Es ist seltsam still.
 
Bevor sie in das Haus gehen, um sich am brasselnden Feuer am Kamin zu wärmen (das natürlich erst gemacht werden muss...), gehen sie - getrieben durch eine seltsame Ahnung - durchs Gebüsch hinab zum Meer. Und finden mitten in den Stauden ein rotes Boot. Wagemutig zerrt Kalle es ins Meer,
 
 


setzt sich hinein

 

und rudert los. Wird es ihn an der Wasseroberfläche halten? Oder wird es kentern und ihn mit sich hinabreissen in die gewaltigen Tiefen des Ozeans?

Das Glück ist ihm hold und nach einigen Runden kommt er trockenen Fusses wieder ans Ufer. Und das Boot wird wieder ins Gebüsch zurückgebracht, wo es weiterhin verlassen sein Dasein fristet und so tut, als ob nichts gewesen wäre.

Die beiden gehen ins Haus. Ein Feuer wird entfacht und sie laben sich an einem wärmenden Tee und einem mitgebrachten Käsebrot.

Doch die Zeit ist nicht anzuhalten. Und so neigt sich der Mittag in den Nachmittag, der bereits langsam am Abend streift. Und die beiden machen sich wieder auf den Rückweg. Gestärkt und mit warmen Gliedern schlagen sie sich durchs Gehölz den Weg zu ihrem Boot frei. Die Wellen sind inzwischen bedrohlich gestiegen, doch unerschrocken stellen sie sich den Gefahren. Und werden auf ihrem Ritt durch die Fluten begleitet von
 



Seeschwalben. Sie überwintern am Südpol. Und im frühen Frühjahr machen sie sich ihrerseits auf den Weg in den Norden. Bis nach Finnland und noch weiter rauf nach Lappland. Vögel, die dem Lichte folgen. Sie umschwärmen uns in Scharen, ohne von uns Notiz zu nehmen. Sie jagen Mücken und stossen ihre kurzen, grellen Schreie in die Welt hinaus.
 
Ja, liebe Leute, das war das Muttertags-Abenteuer von Kalle und Birgit.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
 
Pfiatenk und Hej då -
De Birgit