Pertti Kurikan Nimipäivät - Wie genial sind die denn bitte?!?!!!!
Wie hier in Finnland vor einigen Monaten die Vorausscheidung gelaufen ist, da war ich so was von ergriffen. Und überwältig. Und ganz aus dem Häusl. Und bins immer noch.
Pertti Kurikan Nimipävivät , das heisst übersetzt: Der Namenstag des Pertti Kurika. Das ist übrigens der Gitarrist. Es sind Leute, die sich vor einigen Jahren zusammengetan haben um Musik zu machen. Und die eben auch eine Behinderung haben. Sie nennen sich Punks. Sie ziehen dem entsprechende Kleidung an und irritieren mit Antworten in Interviews wie "no like fucking politics" or "no like fucking polizei". Ihre Songs schreiben sie alle selber, und mit den Jahren haben sie hier in Finnland einen grossen Bekanntheitsgrad erworben. Und es kann wirklich nicht mit dem viel und oft zitierten Behinderten-Bonus zusammenhängen. Weil, man schaue und höre sie sich bitte mal an: Sie sind weder gschtiascht (übersetzt: süss), noch nett, noch sonst irgendwie leicht herzerwärmend.
Ihr Lied heisst "Aina mun pitää". Das heisst so viel wie "Immer muss ich". Und DAS ist es! In erster Linie wird dieses Gefühl, das sie dabei haben, so eindringlich transportiert in diesem Lied, dass es gar nicht zwingend nötig ist, den Text zu verstehen, um das Lied zu verstehen. Und zweitens habe ich das ganz dringende private Bedürfnis, diese Aussage und das Gefühl dahinter doppelt und dreifach zu unterstreichen. Meine für andere vielleicht etwas übertrieben anmutende Reaktion kommt daher, dass ich mehr als 10 Jahre lang intensiv mit Menschen mit Behinderung zusammen gearbeitet habe. Es gab dabei so viel an Emotionen und Geschichten. Und im Grunde: Genau das ist es! Diese Gruppe, die heute abend für Finnland antritt, findet einen Ausdruck dafür, wofür ich 10 Jahre lang gesucht habe und 10 Jahre lang den Punkt nicht derbenannt habe. Und jetzt versteh ich auch, warum. Ich war Teil des Systems. PKN hingegen ist Teil der Betroffenen.
Da gibt es Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft, jo - no na!, und die müssen immer etwas. Aber nicht, weil sie ihr Leben eben so gestaltet haben, oder es sich halt einfach so ergeben hat, sondern, und das ist der springende Punkt: Weil sie behindert sind. Und da gehts nicht um Dinge wie die alltäglichen Anforderungen, die wir alle bewältigen müssen, einfach weil wir am Leben sind. Nein. Da wähnen sich doch wirklich Menschen ohne Behinderung aufgrund ihrer Ausbildung, ihres Verwandtschaftsverhältnisses, ihres Gesellschaftsstatus' oder auch nur aufgrund ihrer Nicht-Behinderung im Recht (oder sogar in der Pflicht), Menschen mit Behinderung zu sagen, was sie zu tun hätten und was nicht. Was sie dürfen und was nicht. So, als seien sie immer noch kleine Kinder. Oder besser gesagt, so, als könnte man sie nicht für voll nehmen. Ich finde das ungeheuerlich. Ganze Leben werden dadurch dominiert, Menschenseelen klein gehalten, und grosses Potential, von dem alle und jeder profitieren könnte, nämlich ein natürliches Miteinander in seinen vielen Facetten und Gesichtern, einfach ausgedämpft. Wie ein Feuer, das nicht brennen darf.
Es gibt so dieses Klischee des/r gschtiaschten Behinderten, der/die nett ausschaut, irgendetwas total gut kann, dabei lieb lächelt und dadurch alle Herzen schmelzen lässt. Diese Menschen sind oft Spezialisten darin geworden, Wünsche anderer zu erfüllen und deren Erwartungen gerecht zu werden.
Pertti Kurikan Nimipäivät sind das exakte Gegenteil davon. Sie sind. Und sie zeigen sich. Und sie haben grosse Emotionen.
Mögen sie gewinnen! Ich wünsche es ihnen und uns von ganzem Herzen!!!
Mögen sie gewinnen! Ich wünsche es ihnen und uns von ganzem Herzen!!!
In diesem Sinne - Daumen halten und voten!
Pfiatenk und Hej då - d'Birgit
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