... dann haben wir endlich wieder Zeit füreinander.
Max und ich.
Alle sind sie weg. Mein lieber Freund aus Tirol, Kalles enge Familie und Kalle selbst. Ihre Motivationen trennen sie, der Abschied verbindet sie. Pfiati sagen war früher ein sehr schwieriges Unterfangen. Mit dem Alter nimmt die Akzeptanz der Unvermeidlichkeit zu. Also, Pfiati, lieber Mensch, und dann umdrehen und einen Schritt in Richtung wiedererlangtes, eigenes und alleiniges Ich machen und schauen, was dort ist. In meinem Fall: Max.
Max und ich in Finnland. Gestriges Projekt: Passfoto machen.
Zusammenpacken und Autofahren sind mittlerweile zur Routine geworden. Das Fahren auf Eis noch nicht. Aber schlussendlich doch das Ziel - Vörå - erreicht und mit Sack und Pack eini ins Fotogschäft. Zu meinem Erstaunen war hinter der halben Fotowand eine Friseurin mitsamt Frisierstudio und einer frisch blondierten Blondine.
"Do you speak english?" (Gewohnheiten lege ich nur sehr schwer ab.)
Verlegenes Lächeln ihrerseids.
Also gut. Auf Schwedisch die Bitte um ein Passfoto von Max.
Ich solle doch in einer Stunde wiederkommen.
Das sei a bissi kompliziert und obs nicht doch gleich ginge.
Anruf. In 20 min kommt die Fotografin.
Ok. 20 min warten mit einem Baby ist nicht gerade das Entspannteste. Also: Kann ich Windeln wechseln?
Ja. Natürlich. Hier vielleicht?
Und so ists geschehen, dass ich meine Decke ausgepackt hab und Max alsbald nackig auf dem Verkaufs- und Kassatisch gelegen ist und strampelnd-quietschend die Umstände für gut befunden hat.
Während wir geratscht und gequietscht haben, haben auch die Frauen hinter der Wand geratscht, bis dann endlich die Fotografin, die eigentlich ein Fotograf war (Missverständnisse passieren immer wieder), eingetroffen ist.
Und Max war immer noch gut drauf. Und er hat das ganz super gefunden, dass da ein weisser Karton unter ihm durchgeschoben wird. Und es war auch ganz lustig, dass dieser neue Mann da auf einen Stuhl steigt und auf einmal riesengross ist.
Aber wo ist Mama? Ah ja. Besser nicht aus den Augen lassen. Man weiss ja nie. Und so hat Max ganz ausdrucksstark mit den verschiedensten Emotionen im Gesicht ("Schau, Mama, was der Mann da macht!!!", "Wieso bist du denn so weit weg?", "Ich kenn mich da nicht aus!", "Hihi, ist das lustig!",...) mich angeschaut. Und immer wieder mich. Da hat der Fotograf gut und gern mit seinem Glöckchen läuten können. Oder komische Dinge sagen, die kein Mensch versteht. Und wie wir wissen, hat es die EU (mit Sicherheit Männer) für gut und richtig befunden, dass Menschen auf dem Passfoto ernst und emotionslos dreinzuschauen haben. Das möge man bitte mal einem kleinen Baby, das mit Enthusiasmus die Welt für sich entdeckt, erklären.
Doch das Wunder ist geschehen, und Max hat die Kamera entdeckt. Und wenn er etwas neu entdeckt, dann schaut er. Mit grossen, wunderschönen Augen schaut er. Wirklich ohne eine Mine zu verziehen.
Also, das Foto war im Kasten und unser Projekt erfolgreich abgeschlossen.
Und da ich die Geschichte nicht so abrupt abbrechen will, hier noch eine Willkommensfeier-Impression - ein Foto von unserem Wunsch-Feuer auf dem Meer:
Bei Schneesturm haben wir dem Feuer unsere Wünsche für Max übergeben, und dieses dann wiederum - begleitet von einem Joik - dem Meer in seiner endlosen Weite. Sehr archaisch. Sehr gross. Sehr gewaltig. War zutiefst ergriffen.
Hallo, lieber Max! Willkommen in dieser Welt!
Pfiat enk, liebe Leute! Pfiat enk und Hej då!
Mochts es guat!
d'Birgit