Es gibt da ein Bild in mir. Oder besser gesagt einen Film.
Eine Frau steht mit ihrem Kinderwagen am Bahnsteig. Ich seh einen der Bahnsteige am Innsbrucker Hauptbahnhof, einfach weil mir der innerlich am nächsten ist. Die Frau wendet sich dem Ticketautomaten zu und dreht zugleich ihrem Kind den Rücken zu. Es ist kein anderer Mensch in der Nähe. Während sie versucht, das Ticket zu kaufen, fängt der Kinderwagen aus unerklärlichen Gründen an zu rollen. Auf die Gleise zu. Zeitgleich kommt ein Zug herangerast. Er hat ein sehr hohes Tempo, weil er an diesem Bahnhof nicht hält. Die Frau spürt plötzlich etwas und dreht sich um. Sie sieht nur noch, wie der Kinderwagen auf die Gleise fällt. Genau in dem Moment, indem der Zug die Stelle passiert. Von einer Sekunde auf die andere ist alles anders. Der Kinderwagen ist weg. Die Frau schreit. Vielleicht rennt sie sinnloser Weise ein Stück dem Zug hinterher. Vielleicht bleibt sie in Schockstarre stehen.
Diesen Film hab ich in mir, seit ich einen Artikel in einer Zeitung gelesen habe, der von genau diesem Unglück berichtet. Bereits vor etlichen Monaten. Oder Jahren? Nicht in Innsbruck. Irgendwo. Der Ort tut nichts zur Sache. Und obwohl ich diese Frau nicht kenne, und obwohl ich nie an diesem Bahnhof war, und eigentlich rein gar nichts mit der Sache zu tun habe, hat sich dieser Film in mir festgesetzt.
Und er taucht auf. Immer wieder.
Zum letzten Mal heute. Max war in seinem Kinderwagen. Nachdem ich Laub zusammengerecht hab, wollt ich mit ihm auf die andere Seite der Strasse, um zu schauen, wie's unseren lieben Bäumen geht. Ich schieb also Max vor mir her. Geh an unserer Garage vorbei, durch das Einfahrtstor, auf die Strasse. Und - zack, da ist er. Der Film. Und sofort die connection zu jetzt. Das Bild: ich schiebe Max, unachtsam, träumend, patschert oder sonst was, der Kinderwagen ist bereits auf der Strasse, ich noch nicht, Auto kommt, ist da, zack, weg. Puh...!
Es ist nicht so, dass ich mir das vorstelle. Bewusst oder absichtlich. Es kommt. Es kommt völlig unvorbereitet. Und mich reissts immer wieder. Es ist so wild. Und es ist ja tatsächlich immer so, dass der Kinderwagen zuerst die Gefahrenzone betritt. Um jede Ecke, die wir gehen, jede Strasse, die wir überqueren, die Reihenfolge ist immer die gleiche: Erst Max. Und dann ich.
Da blättere ich also die Zeitung durch. Irgendwann. An irgendeinem Ort. Ich les einen Artikel. Und weiss während des Lesens nicht, dass mich dieser Artikel nun begleiten wird auf unbestimmte Zeit. Und mich beeinflusst. Emotional und mental.
Das, was bleibt, was wir erinnern, was in uns arbeitet, ist nicht immer das Gscheiteste.
Brocken, von irgendwelchen Menschen, vielleicht einfach so dahingesagt.
Traumsequenzen.
Lieder oder Tonfolgen.
Erlebtes oder Fiktives, was sich ja oft nicht unterscheiden lässt.
Absätze aus irgendwelchen Büchern, denen sie schon längst nicht mehr zuordenbar sind.
Filmszenen.
Unbedeutendes. Peinliches. Berührendes. Erschreckendes. Erregendes.
Bilder. Sie kommen hoch. Wirken in irgendeiner Form. Und verschwinden wieder. Das geschieht oft so subtil, dass wir uns dessen nicht einmal bewusst sind. Und doch beeinflussen sie uns, unser Fühlen und unser Handeln.
Wenn ich da weiterspinne, dann tun sich schon einige Fragen auf:
Was vom Erlebten, vom Jetzt wird vom Gehirn wahrgenommen, was wird behalten und was wird vergessen?
Und warum genau dieses, aber nicht jenes?
Mit dem Wissen, dass das Gehirn nicht nur speichert, sondern auch aussortiert bzw. sich weigert, Seiendes wahrzunehmen, weils sonst zu viel an Reizen und Information wäre, habe ich dann überhaupt den Anspruch auf "die Realität"?
Und was bedeutet das für mich und mein Leben?
Und für andere, die mit mir sind?
Und - ist das Gehirn jemand anderer? Oder wieso sonst unterscheide ich zwischen es und mir?
Und die eine Frage, die mich beschäftigt, seit ich denken kann:
Wenn ich einen Käse (austauschbar mit Apfel, Schokolade, und allem anderen Guten) esse, und jemand isst genau denselben Käse, schmeckt er das Gleiche wie ich?
Max verlangt nach mir :-). Gut so. Sonst krieg ich noch einen Knopf im Hirn. Oder - wo?
Habts es fein, liebe Leute! Und schauts gut auf euch und eure Lieben!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
Eine Frau steht mit ihrem Kinderwagen am Bahnsteig. Ich seh einen der Bahnsteige am Innsbrucker Hauptbahnhof, einfach weil mir der innerlich am nächsten ist. Die Frau wendet sich dem Ticketautomaten zu und dreht zugleich ihrem Kind den Rücken zu. Es ist kein anderer Mensch in der Nähe. Während sie versucht, das Ticket zu kaufen, fängt der Kinderwagen aus unerklärlichen Gründen an zu rollen. Auf die Gleise zu. Zeitgleich kommt ein Zug herangerast. Er hat ein sehr hohes Tempo, weil er an diesem Bahnhof nicht hält. Die Frau spürt plötzlich etwas und dreht sich um. Sie sieht nur noch, wie der Kinderwagen auf die Gleise fällt. Genau in dem Moment, indem der Zug die Stelle passiert. Von einer Sekunde auf die andere ist alles anders. Der Kinderwagen ist weg. Die Frau schreit. Vielleicht rennt sie sinnloser Weise ein Stück dem Zug hinterher. Vielleicht bleibt sie in Schockstarre stehen.
Diesen Film hab ich in mir, seit ich einen Artikel in einer Zeitung gelesen habe, der von genau diesem Unglück berichtet. Bereits vor etlichen Monaten. Oder Jahren? Nicht in Innsbruck. Irgendwo. Der Ort tut nichts zur Sache. Und obwohl ich diese Frau nicht kenne, und obwohl ich nie an diesem Bahnhof war, und eigentlich rein gar nichts mit der Sache zu tun habe, hat sich dieser Film in mir festgesetzt.
Und er taucht auf. Immer wieder.
Zum letzten Mal heute. Max war in seinem Kinderwagen. Nachdem ich Laub zusammengerecht hab, wollt ich mit ihm auf die andere Seite der Strasse, um zu schauen, wie's unseren lieben Bäumen geht. Ich schieb also Max vor mir her. Geh an unserer Garage vorbei, durch das Einfahrtstor, auf die Strasse. Und - zack, da ist er. Der Film. Und sofort die connection zu jetzt. Das Bild: ich schiebe Max, unachtsam, träumend, patschert oder sonst was, der Kinderwagen ist bereits auf der Strasse, ich noch nicht, Auto kommt, ist da, zack, weg. Puh...!
Es ist nicht so, dass ich mir das vorstelle. Bewusst oder absichtlich. Es kommt. Es kommt völlig unvorbereitet. Und mich reissts immer wieder. Es ist so wild. Und es ist ja tatsächlich immer so, dass der Kinderwagen zuerst die Gefahrenzone betritt. Um jede Ecke, die wir gehen, jede Strasse, die wir überqueren, die Reihenfolge ist immer die gleiche: Erst Max. Und dann ich.
Da blättere ich also die Zeitung durch. Irgendwann. An irgendeinem Ort. Ich les einen Artikel. Und weiss während des Lesens nicht, dass mich dieser Artikel nun begleiten wird auf unbestimmte Zeit. Und mich beeinflusst. Emotional und mental.
Das, was bleibt, was wir erinnern, was in uns arbeitet, ist nicht immer das Gscheiteste.
Brocken, von irgendwelchen Menschen, vielleicht einfach so dahingesagt.
Traumsequenzen.
Lieder oder Tonfolgen.
Erlebtes oder Fiktives, was sich ja oft nicht unterscheiden lässt.
Absätze aus irgendwelchen Büchern, denen sie schon längst nicht mehr zuordenbar sind.
Filmszenen.
Unbedeutendes. Peinliches. Berührendes. Erschreckendes. Erregendes.
Bilder. Sie kommen hoch. Wirken in irgendeiner Form. Und verschwinden wieder. Das geschieht oft so subtil, dass wir uns dessen nicht einmal bewusst sind. Und doch beeinflussen sie uns, unser Fühlen und unser Handeln.
Wenn ich da weiterspinne, dann tun sich schon einige Fragen auf:
Was vom Erlebten, vom Jetzt wird vom Gehirn wahrgenommen, was wird behalten und was wird vergessen?
Und warum genau dieses, aber nicht jenes?
Mit dem Wissen, dass das Gehirn nicht nur speichert, sondern auch aussortiert bzw. sich weigert, Seiendes wahrzunehmen, weils sonst zu viel an Reizen und Information wäre, habe ich dann überhaupt den Anspruch auf "die Realität"?
Und was bedeutet das für mich und mein Leben?
Und für andere, die mit mir sind?
Und - ist das Gehirn jemand anderer? Oder wieso sonst unterscheide ich zwischen es und mir?
Und die eine Frage, die mich beschäftigt, seit ich denken kann:
Wenn ich einen Käse (austauschbar mit Apfel, Schokolade, und allem anderen Guten) esse, und jemand isst genau denselben Käse, schmeckt er das Gleiche wie ich?
Max verlangt nach mir :-). Gut so. Sonst krieg ich noch einen Knopf im Hirn. Oder - wo?
Habts es fein, liebe Leute! Und schauts gut auf euch und eure Lieben!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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