Stell dir vor.
Stell dir vor, du bist ein Baby. Es gibt dich erst seit ein paar Wochen in dieser Welt.
Du liegst. Du weisst nicht, dass man das Liegen nennt. Du weisst nicht einmal, dass DU das bist, der da liegt, weil du noch keine Vorstellung von ICH und DU hast. Aber das macht nichts. Du schaust. Siehst einen hellen Fleck dort drüben. Die Grossen sagen Nachttischlampe dazu. Sie wirkt auf dich wie ein Magnet. Du kannst deinen Blick nicht davon abwenden. Ab und zu huscht etwas durch dein Blickfeld. Das sind deine Arme, die in der Luft zappeln. Aber auch das weisst du nicht. Und es ist auch nicht weiter irritierend. Du nimmst es als gegeben hin. Wie auch die Nachttischlampe. Und alles andere, das das Jetzt bedeutet.
Während du schaust und zappelst, passiert plötzlich etwas (ein Furz bahnt sich an). Du hältst inne. Versuchst es irgendwie einzuordnen. Aber du weisst nicht, was es ist. Es (der Schmerz) kommt in Schüben. Und ist total unfein. Es (der Druck) wird mehr. Und es wird laut um dich herum (weil du schreist). Alles wird von diesem ES eingenommen. Es existiert nichts mehr daneben. Es wird heiss (dein Kopf rot vor lauter schreien). Das, was dich stets durchfliesst (der Atem), fliesst nicht mehr. Stockt viel mehr. Du kriegst Angst. Aber auch das weisst du nicht. Du spürst nur etwas. Es ist unfein. Es ist total schiach! Und es soll bitte aufhören. Alles. Sofort! Es wird heisser. Und lauter. Du kannst nichts tun. Aufhören!!! Aaaaaaahhhhh!!!
So. Und nun hast du Eltern, die haben ein Erziehungskonzept, das beinhaltet, dass Kinder um 8 schlafen sollen. Und wenn sie das nicht tun, dann muss man sie schreien lassen.
Was glaubst du, wie gehts dir da dabei?
Und mit welchen Augen wirst du deine Eltern anschauen, später, wenn du davon erfährst?
Was glaubst du, wie gehts dir da dabei?
Und mit welchen Augen wirst du deine Eltern anschauen, später, wenn du davon erfährst?
Oder: Du hast Eltern, die pädagogisch sehr gebildet sind. Sie haben viel über deine Entwicklung und die unterschiedlichsten pädagogischen Konzepte gelernt. Und sie fangen zu diskutieren über die möglichst wertvollste Herangehensweise in dieser hier nun entstandenen Situation. Und sie können sich nicht einigen...
Dieselben Fragen.
Dieselben Fragen.
Oder: Du hast die hilflosen Eltern. Sie rennen herbei, packen dich, heben dich aus dem Bett, reden recht aufgeregt und nervös auf dich ein - laut genug, damit du sie ja hören kannst in deinem Geschrei, klopfen auf all deine Körperpartien, geben dich weiter an den/die andere/n, und wieder zurück, weils nix geholfen hat, schaukeln dich, schütteln dich, legen dich hin, heben dich wieder auf, wiegen dich, küssen dich, tragen dich herum, verändern die Stellung, tragen weiter, verändern wieder, ...
Wiederum: Dieselben Fragen.
Wiederum: Dieselben Fragen.
Oder: Du hast die Überbesorgten als Eltern.
Oder: Du hast die Überforderten.
Oder: Du hast die Coolen.
Oder: Du hast die Reflektierten.
Oder: Du hast die Alternativen.
Oder: Du hast die Disziplinierten.
Oder: Du hast die Vertrauensvollen.
Oder: Du hast die Vertrauensvollen.
Oder: Du hast die Ängstlichen.
Oder: Du hast die Machthungrigen.
Oder: Du hast die Machthungrigen.
Oder: Du hast ...
Oder: ....
Oder: ....
Und: Vergiss nie zu fragen.
Egal, an welche Eltern du auch immer gerätst. Du wirst ihren Ideen und Konzepten und Lebensweisen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sein. Ob du nun willst oder nicht. Und dass ihr Sein und ihr Tun einen immens grossen Einfluss auf dein gegenwärtiges und zukünftiges Leben ausübt, steht völlig ausser Zweifel.
Ich habe einen kleinen Sohn. Ich weiss nur sehr wenig darüber, wie er etwas wahrnimmt oder empfindet. Das einzige, was wirklich augenscheinlich ist, ist, dass er total in seinen Emotionen und Körperempfindungen ist. Dinge, die sich in diesem Alter noch überhaupt nicht gut einordnen lassen. Die daherkommen wie Naturgewalten. Manche von ihnen fühlen sich vermutlich fein an, manche hingegen ganz wild und schrecklich. Und er weiss nicht, wie ihm geschieht, um Grönemeyer kurz zu Wort kommen zu lassen. Er kann nichts dafür tun oder dagegen, ist also jeglichen Geschehnissen völlig ausgeliefert. Ihnen und uns, den Eltern.
Von ganz von Anfang an war seine einzige Chance, sich voller Vertrauen in dieses Leben und in dieses Uns zu stürzen, in der Hoffnung, dass wir uns seiner annehmen. Auch wenn er uns nicht kannte. Auch wenn er überhaupt nichts wusste. Er hatte ja keine andere Wahl.
Dieses hingebungsvolle Vertrauen, das er mir und uns da entgegenbringt, einfach so, weil er eben nicht anders kann, rührt mich zutiefst. So patschert ich mich auch manchmal anstelle, er lässt sich immer wieder aufs Neue in den Arm nehmen, und immer wieder aufs Neue schnauft er - ausgelöst durch unsere Nähe - tief durch und kann angstfrei loslassen. Wie schön sein Gesicht dann ist...
John Lennon hat einmal gemeint, dass die ersten 5 Lebensjahre seiner Meinung nach am Wichtigsten sind. Ich würde gern so weit gehen zu sagen, es sind die ersten 5 Monate im Leben eines Menschen, die prägend sind. Vom ersten Augenblick an fängt das Gehirn an sich zu formen. Je nach Erfahrungen und Entwicklung verbinden sich Synapsen, werden Ordnungen gebildet, und Schritt für Schritt entsteht so eine Idee, eine Vorstellung davon, wie und was das Leben, das Ich und das Du ist. Die "Rillen" im Gehirn können jederzeit umgeschrieben oder erweitert werden. Hier, in dieser Anfangszeit aber wird der Grundstein gelegt.
Ich weiss selber nicht, wie erziehen geht. Ich weiss nicht, was richtig und was falsch ist. Und es liegt mir total fern, über andere Eltern und Erziehungsstile und urteilen. Wie könnt ich auch?
Aber eines hab ich für mich ganz klar gemacht: Ich möchte niemals Max' Vertrauen und seine physische Noch-Hilflosigkeit ausnutzen. Er ist ein vollwertiger Mensch. Und als solches behandle ich ihn. Ich möcht auch nicht sagen, dass ich Max erziehe. Ich darf vielmehr diejenige sein, die ihn gemeinsam mit Kalle auf seinen ersten Schritten durchs Lebens begleitet. Welch wunderbares Privileg!
Ich hoffe, ich tu ihm gut.
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
Egal, an welche Eltern du auch immer gerätst. Du wirst ihren Ideen und Konzepten und Lebensweisen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sein. Ob du nun willst oder nicht. Und dass ihr Sein und ihr Tun einen immens grossen Einfluss auf dein gegenwärtiges und zukünftiges Leben ausübt, steht völlig ausser Zweifel.
Ich habe einen kleinen Sohn. Ich weiss nur sehr wenig darüber, wie er etwas wahrnimmt oder empfindet. Das einzige, was wirklich augenscheinlich ist, ist, dass er total in seinen Emotionen und Körperempfindungen ist. Dinge, die sich in diesem Alter noch überhaupt nicht gut einordnen lassen. Die daherkommen wie Naturgewalten. Manche von ihnen fühlen sich vermutlich fein an, manche hingegen ganz wild und schrecklich. Und er weiss nicht, wie ihm geschieht, um Grönemeyer kurz zu Wort kommen zu lassen. Er kann nichts dafür tun oder dagegen, ist also jeglichen Geschehnissen völlig ausgeliefert. Ihnen und uns, den Eltern.
Von ganz von Anfang an war seine einzige Chance, sich voller Vertrauen in dieses Leben und in dieses Uns zu stürzen, in der Hoffnung, dass wir uns seiner annehmen. Auch wenn er uns nicht kannte. Auch wenn er überhaupt nichts wusste. Er hatte ja keine andere Wahl.
Dieses hingebungsvolle Vertrauen, das er mir und uns da entgegenbringt, einfach so, weil er eben nicht anders kann, rührt mich zutiefst. So patschert ich mich auch manchmal anstelle, er lässt sich immer wieder aufs Neue in den Arm nehmen, und immer wieder aufs Neue schnauft er - ausgelöst durch unsere Nähe - tief durch und kann angstfrei loslassen. Wie schön sein Gesicht dann ist...
John Lennon hat einmal gemeint, dass die ersten 5 Lebensjahre seiner Meinung nach am Wichtigsten sind. Ich würde gern so weit gehen zu sagen, es sind die ersten 5 Monate im Leben eines Menschen, die prägend sind. Vom ersten Augenblick an fängt das Gehirn an sich zu formen. Je nach Erfahrungen und Entwicklung verbinden sich Synapsen, werden Ordnungen gebildet, und Schritt für Schritt entsteht so eine Idee, eine Vorstellung davon, wie und was das Leben, das Ich und das Du ist. Die "Rillen" im Gehirn können jederzeit umgeschrieben oder erweitert werden. Hier, in dieser Anfangszeit aber wird der Grundstein gelegt.
Ich weiss selber nicht, wie erziehen geht. Ich weiss nicht, was richtig und was falsch ist. Und es liegt mir total fern, über andere Eltern und Erziehungsstile und urteilen. Wie könnt ich auch?
Aber eines hab ich für mich ganz klar gemacht: Ich möchte niemals Max' Vertrauen und seine physische Noch-Hilflosigkeit ausnutzen. Er ist ein vollwertiger Mensch. Und als solches behandle ich ihn. Ich möcht auch nicht sagen, dass ich Max erziehe. Ich darf vielmehr diejenige sein, die ihn gemeinsam mit Kalle auf seinen ersten Schritten durchs Lebens begleitet. Welch wunderbares Privileg!
Ich hoffe, ich tu ihm gut.
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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