Ich habe Hunger.
Ich habe Hunger nach Farben.
Nach Violett und Grasgrün ist es nun der Mangel an Senfgelb, der mir keine Ruhe mehr lässt.
Wenn der Hunger übermächtig wird und ich an nichts anderes mehr denken kann und ich nur mehr allerorts das Nicht-Senfgelb wahrnehme, dann brauche ich ein Kleidungsstück in der besagten Farbe. Dann ist alles wieder gut.
Manchmal habe ich Hunger nach Menschen. Konkret: Menschen mit Behinderung.
Sie sind hier in Finnland kaum zu anzutreffen. Sind sie in Österreich fast omnipräsent (oder ist mein Blick beruflich bedingt getrübt?), so gleicht es hier einer Sensation, wenn man jemanden auf offener Straße sieht. In trüben Stunden verdächtige ich diesen Staat, besagte Menschen irgendwo gefangen zu halten oder gar Schlimmeres mit ihnen anzustellen...
Und dann war da plötzlich dieser Mann im Rollstuhl! Es war mit seinem Assistenten im Caféhaus. Und zu 100 % auf dessen Hilfe angewiesen. Mein Herz machte einen Freudenluftsprung.
Und dann war da plötzlich dieser Mann im Rollstuhl! Es war mit seinem Assistenten im Caféhaus. Und zu 100 % auf dessen Hilfe angewiesen. Mein Herz machte einen Freudenluftsprung.
Ich kenne auch den kulturellen Hunger. Den Hunger nach einem bestimmten Lied zum Beispiel oder einer/s bestimmten InterpretIn. In so einem Fall bin ich sehr froh und dankbar, dass ich in der Jetzt-Zeit lebe und es YouTube gibt. Dieser Hunger ist also der fast am leichtesten zu stillende.
Ich kenne natürlich auch den ganz konkreten Hunger. Hunger nach einer bestimmten Frucht zum Beispiel oder einem guten Cappuccino. Wobei Hunger in diesem Zusammenhang wahrscheinlich das falsche Wort ist. Hunger ist Mangel an Nahrung. Ich habe das Glück, in einem westeuropäischen Staat zu leben, in dem es uns nicht nur an nichts mangelt, sondern in dem es vielmehr von allem viel zu viel gibt. Das Wort Hunger sollte besser mit dem Wort Lust ausgetauscht werden. Und so muss es dann heißen: Lust auf einen guten Cappuccino oder eine bestimmten Frucht (frisch gepflückte, noch von der Sonne warme Marillen zum Beispiel - mmmmmmmmh).
Aber dann - und davon wusste ich nichts - gibt es in mir auch den Hunger nach Menschen aus dem Ausland.
Wir waren am Strand. Dieselbe überschaubare Besuchergarde wie immer. Mütter, ein paar Kinder, vielleicht das ein oder andere junge Paar, und wir. Und dann war da dieser junge Mann, dessen Gesichtszüge und dessen Hautfarbe mich an jemanden aus dem Balkan erinnerten. Ich spürte ein aufgeregtes Kribbeln und gleichzeitig ein Gefühl des wohlig Vertrautem.
Und ich habe gemerkt: Das fehlt mir. Mir fehlt die Vielfalt. Das Bunte. Eine homogene Bevölkerung ist äußerst befremdlich und unnatürlich.
Und ich habe gemerkt: Das fehlt mir. Mir fehlt die Vielfalt. Das Bunte. Eine homogene Bevölkerung ist äußerst befremdlich und unnatürlich.
Bevor der Ahornbaum austreibt und seine Blätter ihm wachsen, werden seine Äste von wundersamen, kleinen Blumen geschmückt. Abertausende von diesen Blüten überziehen die gesamte Baumkrone und tauchen diese in grün-gelbes Licht. Ein Festschmaus für alle Insekten. Und dann erst, dann, wenn sich alle dem Rausch des Frühlings hingeben haben können, presst der Ahorn die Blätter aus seinen Ästen, während die Blumen sich langsam dem Tode übergeben.
42 Jahre habe ich auf dieser Erde weilen müssen, um das zu erleben.
Blind geh ich durchs Leben.
Sterben werde ich wohl hoffentlich sehenden Auges.
Im Schwedischen gibt es den Ausdruck "spring i benen".
Astrid Lindgren sagt dazu folgenden Satz in Ronja Räubertochter: "Sie (die Pferde, Anm.) laufen sich den Winter aus dem Leib."
So wars, als Max und ich im Auto heimgefahren sind und wir diesen jungen Elch gesehen haben. Wie der gehüpft ist und gesprungen ist! Direkt vom Wald heraus auf die Straße - und somit auf uns - zu. Dazu muss man wissen, dass Elche normaler Weise sehr behäbige Tiere zu sein scheinen. Was natürlich nicht stimmt, zumal sie richtig schnell sein können, wenn sie erschrecken und vor etwas davonlaufen. Aber zu ihrem natürlichen Wesen gehört diese Gemächlichkeit, diesen In-sich-Ruhen. Sie sind bei weitem nicht so nervös wie Rehe, und auch nicht so angespannt wie Gemsen.
Ja. Da sprang also dieser junge Elch im Frühlingsrausch auf uns zu. Beide gleichzeitig hamma eine Vollbremsung hingelegt. Und so standen wir, nur ein paar Meter voneinander getrennt und haben uns angestarrt. Max im Rücksitz, ich vorne. Viel zu sagen war nicht. Und trotzdem haben wir uns in Worten und Freudenrufe überschlagen. Bis Max ihn angebrüllt hat: "Uaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhh!!!!" Der Ton war überzeugend, wie ich finde. Nur die fehlende optische Aufmachung meines Fiat Pandas hat wohl ihres zum Scheitern des Projektes "Ich bin ein Löwe und jage dem Elch Angst ein" beigetragen. Auf jeden Fall war der Elch nicht sehr berührt von Max' Darbietung. Er hat weiter nichts gemacht als geschaut und womöglich überlegt, wie er sich aus dieser Situation herauswinden soll.
Bis ich leicht aufs Gas gedrückt habe. Hui, wie der fortgesprungen ist! Pfiati, lieber Elch!
Als Maigewürz in Erscheinung tretend: Großfamilienfest, Kurzreise in den Süden, Frühlingsfest im Kindergarten, erstes Eis, Meer, Sommervorgeschmack, Kälte, hellgrüne, frische Blätter auf den Bäumen, Schmetterlinge,...
Bis ich leicht aufs Gas gedrückt habe. Hui, wie der fortgesprungen ist! Pfiati, lieber Elch!
Als Maigewürz in Erscheinung tretend: Großfamilienfest, Kurzreise in den Süden, Frühlingsfest im Kindergarten, erstes Eis, Meer, Sommervorgeschmack, Kälte, hellgrüne, frische Blätter auf den Bäumen, Schmetterlinge,...
Ich konserviere den Frühling und mache Honig aus Löwenzahnblumen. Wenn die Winter kalt und dunkel sind, dann tauche ich den Löffel in ein Glas voll von besagtem Löwenzahnhonig, schließe die Augen, und dann ist er wieder da: der Frühling. Die Wärme der Sonne, das leuchtende Gelb der Löwenzahnblüte, das hohe Gras in den Wiesen, das Vogelgezwitscher, die hellen Nächte. So hantle ich mich von Löffel zu Löffel durch diese schon etwas bedrückende Zeit, bis irgendwann, ganz plötzlich, sich die Welt hinter den geschlossenen Augenlidern der Welt vor den geschlossenen Augenlidern angleicht. Und ich endlich wieder mit offenen (und sehenden) Augen durch die Welt gehen kann 😊.
In meinem Bauch rumorte es schon länger. Immer, wenn eine Mitteilung über unsere WhatsApp-Gruppe daherkam, dachte ich mir: "Na, ge." Wenn etwas gemacht werden sollte, wurde mein "Na, ge" zu einem "Naaaa". Und als dann auf meine Anregung keine Antwort kam, war für mich klar, dass das nichts ist für mich.
Also bin ich nach ausführlichem Dialog mit mir selbst und mit Kalle hingeradelt zum Vorstand des Dorfrates und habe gesagt: "Lieber Vorstand, es tut mir leid, aber ich höre als Mitglied des Dorfrates auf."
Hast du schon jemals Fesseln abgeschnitten bekommen? Wurdest du schon jemals aus einem dunklen Kerker befreit? Ich auch nicht. Aber ich glaube, so in etwa muss es sich anfühlen.
Und dann, am selben Abend, kam dieses bereits in ganz Europa bekannt gewordene Ibiza-Video in die Öffentlichkeit.
Der Rest ist Geschichte.
Ich war nicht schadenfroh. Ich war - leicht. Dieser Strache und seine Mannen, deren Existenz und Machtposition war eine derartige Last im Gemüt... Das hat gedrückt. Auf das allgemeine Wohlbefinden. Auf meine Zuversicht. Auf meinen Blick in die Zukunft. Und bis zu diesem besagten Abend war mir der Ausmaß dieses Druckes nicht einmal bewusst.
Ich war jedoch zu keinem Zeitpunkt nach dem Öffentlichwerden dieses Skandals so naiv zu glauben, die Rechten würden sich jetzt besinnen und zu denken anfangen.
Die EU-Wahl gibt mir ja Recht.
Aber schön wars, sich für ein Wochenende im Traummeer von Frieden und klugen, besonnen, ehrlichen Menschen zu baden.
Dieses Gefühl "Jetzt wird endlich alles anders!" - es ist so schön! Nur, leider eben, ein Traum. (Nachtrag: Oder doch nicht? Ö. hat plötzlich eine gebildete, kompetente KanzlerIN!!!)
You may say, I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope some day you'll join us
And the world will be as one. (J.L.)
Ab Anfang Juni biete ich jetzt wöchentliches Sommeryoga auf unserem Strandsteg an.
Irgendetwas muss ich ja tun!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
In meinem Bauch rumorte es schon länger. Immer, wenn eine Mitteilung über unsere WhatsApp-Gruppe daherkam, dachte ich mir: "Na, ge." Wenn etwas gemacht werden sollte, wurde mein "Na, ge" zu einem "Naaaa". Und als dann auf meine Anregung keine Antwort kam, war für mich klar, dass das nichts ist für mich.
Also bin ich nach ausführlichem Dialog mit mir selbst und mit Kalle hingeradelt zum Vorstand des Dorfrates und habe gesagt: "Lieber Vorstand, es tut mir leid, aber ich höre als Mitglied des Dorfrates auf."
Hast du schon jemals Fesseln abgeschnitten bekommen? Wurdest du schon jemals aus einem dunklen Kerker befreit? Ich auch nicht. Aber ich glaube, so in etwa muss es sich anfühlen.
Und dann, am selben Abend, kam dieses bereits in ganz Europa bekannt gewordene Ibiza-Video in die Öffentlichkeit.
Der Rest ist Geschichte.
Ich war nicht schadenfroh. Ich war - leicht. Dieser Strache und seine Mannen, deren Existenz und Machtposition war eine derartige Last im Gemüt... Das hat gedrückt. Auf das allgemeine Wohlbefinden. Auf meine Zuversicht. Auf meinen Blick in die Zukunft. Und bis zu diesem besagten Abend war mir der Ausmaß dieses Druckes nicht einmal bewusst.
Ich war jedoch zu keinem Zeitpunkt nach dem Öffentlichwerden dieses Skandals so naiv zu glauben, die Rechten würden sich jetzt besinnen und zu denken anfangen.
Die EU-Wahl gibt mir ja Recht.
Aber schön wars, sich für ein Wochenende im Traummeer von Frieden und klugen, besonnen, ehrlichen Menschen zu baden.
Dieses Gefühl "Jetzt wird endlich alles anders!" - es ist so schön! Nur, leider eben, ein Traum. (Nachtrag: Oder doch nicht? Ö. hat plötzlich eine gebildete, kompetente KanzlerIN!!!)
You may say, I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope some day you'll join us
And the world will be as one. (J.L.)
Ab Anfang Juni biete ich jetzt wöchentliches Sommeryoga auf unserem Strandsteg an.
Irgendetwas muss ich ja tun!
| (Foto S.D.) |
d'Birgit
