Wäre ich eine malende Künstlerin, dann würde ich heute ein Gemälde zeichnen für euch.
Ein Gemälde, das die hier vorherrschende Idylle einfängt.
Ich würde mit einer Mischung aus RotBraunWeiss anfangen. Sie stünde für den Fuchs, der einfach so am Abend, kurz vor dem Schlafengehen, an Max' Zimmer vorbeispaziert, ganz ohne Hektik und ohne ein Ziel zu verfolgen, ein paar Schritte hierhin, um ein bissl zu schaugen, a bissl zu riechen, ein paar Schritte dorthin, um a bissl in die Sonne zu blinzeln, bis er irgendwann hinter den Bäumen im Wald verschwindet.
SchwarzWeissBraun würde ich anrühren. Es solle den Marderhund zeigen, der in Seelenruhe über unsere Wiese schlendert, während ich das Geschirr abwasche. Auch er scheint nicht getrieben zu sein, vielmehr begibt er sich auf die Terrasse, geniesst die Aussicht, und trottet dann irgendwann zu unserem Biomüll, um sich mit Hingabe den Freuden des Essens zu widmen.
Und Grün. Ganz viel Grün bräuchte dieses Bild. Es zeigte den Wald, der gerade mal 2 Schritte hinterm Haus beginnt und der Max seine ersten Abenteuer erleben lässt. Es könnte euch vom Moos erzählen und von den Blättern der Preiselbeere, vom Flechten bewachsenen Stein, der wie ein Felsen mitten auf dem Weg drohnt und der wie eine Sirene mit unwiderstehlichem Charme "Bekraxle mich!" Max zu sich lockt, und vom Weg, der eigentlich nur dazu da ist, um darauf hinzuweisen, wo man unter keinen Umständen seinen Fuss drauf setzen soll.
Und Gelb wäre wichtig. Gelb für die Sonne, die endlich nicht nur scheint, sondern auch wärmt.
Und Braun. Braun für die Erde, die die Samen aufnimmt und uns in naher Zukunft mit Kostbarem für Auge und Mund versorgt.
Oja. Und ein knalliges Rot bräuchte ich. Eines, das vermag, die Augenbraue des Haselhuhns darzustellen, das sich als Paar unseren Platz als Revier ausgesucht hat und nun mit uns hier wohnt, Kinder aufzieht und den Alltag lebt für die kommenden Monate.
Und natürlich Blau. Viel Blau. Es würde die Weite und Tiefe des finnischen Himmels und des Meeres veranschaulichen.
Wäre das nicht ein schönes Bild? Vielleicht würde ich es gar als Gemälde deklarieren. Der Stil wäre ein abstrakter, aber der/die, der/die mich und meinen Blogg kennt, würde sich sehr schnell darauf zurechtfinden.
Nur, liebe/r LeserIn, ich muss dich enttäuschen. Es existiert leider nicht. Weder aussen noch innen. Zumindest nicht in dieser Form.
Um es als etwas Ganzes, als etwas Fertiges durchgehen zu lassen, fehlt etwas ganz Entscheidendes. Etwas, das die Idylle zerschneidet, zerberstet oder zumindest gehörig ins Wackeln bringt.
Es braucht einen roten Blitzregen, der sich übers ganze Gemälde verteilt. Ein Blitz ist das stimmigste Symbol für meine Emotionen, die da aufkommen, wenn ich mit dem Lernen für die Aufnahmeprüfung für die Massageausbildung beschäftigt bin. Was erstens dauernd ist und zweitens ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass ich dabei nicht nur eine schwedischsprachige medizinisch-biologische Fachliteratur vor mir habe, sondern auch noch ein Deutsch-Schwedisch-Wörterbuch, ein deutsches Fremdwörterbuch, ein schwedisches Fremdwörterbuch und weil das oft noch nicht reicht, den Computer mit seinem Internet. Dabei trage ich ständig mit mir rum, dass es mit dem Verstehen alleine noch lang nicht getan ist. Die wollen von mir erklärt bekommen, wie es ist. Mit all diesen schwedisch-lateinischen Fachausdrücken. Óioioi...
Und es braucht unbedingt etwas Dunkelviolettes. Etwas, das sich im Hintergrund hält, aber doch sehr präsent ist und sich ausbreitet, sobald man es genauer anschaut.
Es sind die "guten" Ratschläge, die man als Mutter immer wieder völlig ungefragt erteilt bekommt. Man solle "strenger" sein, "härter", wolle man nicht, dass einem die Kinder auf den Kopf scheissen. Man solle dies tun und jenes, immer mit dem Ziel vor Augen, dass das Kind "brav" zu sein hat und "folgen" muss.
Diesen Menschen möchte ich raten: Kauft euch einen Hund. Aber lasst bitte die Finger von den Kindern!
Und es sind die Geschichten, die jede/r mit sich herumträgt und über seine Gespräche und Lebensweisen quer über die ganze Welt verteilt und diese damit gehörig beeinflusst. Diese Geschichten machen mich oft traurig, ängstlich, unsicher, zweifelnd, wütend, aber manchmal auch zuversichtlich, staunend, glücklich und kribblig.
Ich mag Violett. Es ist eine tiefe Farbe. Vielleicht die Farbe, die am besten von allen das Komplexe der Gefühlswelt darzustellen vermag.
Hm. Was sagts? Ich glaub, ich mags...
Nein. Es fehlt noch etwas.
Es fehlt ein Lichtstrahl. Etwas Hellgelbes. Etwas Weisses? Etwas, das sich über alles drüberlegt. Etwas, das die Farben strahlender werden und zugleich in den Hintergrund treten lässt. Etwas, das sie ineinanderfliessen lässt, sodass sie am Ende wie eíne Gesamtkomposition dem Lichtstrahl als Verstärker dienen.
Ihr wisst es bereits, gell?
Der Lichtstrahl ist Max. Max, der so glücklich und vergnügt ist, dass ich gar nicht anders kann, als auch glücklich zu sein.
So. Jetzt ist es fertig. Schen isches ☺!
Damit aber das Abstrakte weniger abstrakt wird, zeige ich euch hier unser ganz konkretes Haselhuhn.
Ich habs aufgenommen von unserem Badefenster aus. Es steht auf dem Dach unseres Holzschupfens und ruft nach seiner Frau.
Und sie kommt nicht.
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit