Freitag, 19. Mai 2017

20.05.17 - Mandarinen auf Rädern


Ich möchte euch heute eines der innovativsten, der Menschen freundlichsten, der lustigsten und der genialsten Systeme überhaupt vorstellen, das ich so in dieser Form nur in Finnland kennengelernt habe.
 
Es handelt sich um den Lebensmittelbus.
 
Wie mittlerweile bekannt sein dürfte, wohnen wir nicht gerade zentral. Vielmehr wohnen wir im Wald, fernab jeglicher Zivilisation. Nein. So schlimm ist es natürlich nicht. Es führt ja eine Strasse an unserem Haus vorbei. Und es gibt ein paar Nachbarn, zwar weit weg, aber immerhin. 5 km weiter, in Särkimo, liegen die nächste Schule und der nächste Kindergarten. Und 10 km in die andere Richtung befindet sich Maxmo, "unser" Dorfes, indem es eine Bibliothek, ein Geschäft, ein Altersheim, eine Kirche, eine stets unbesuchte Pizzeria und diese kongenialen Post-Bank-Apotheken-Fusion gibt, alles geführt im selben Raum von ein und derselben Person.
 
Nun hat Anfang des Monats das Lebensmittelgeschäft in Särkimo zugesperrt. Es sind zu wenig Menschen dort einkaufen gegangen, und von der mutigen Bewegung "Wir brauchen ein eigenes Geschäft im Dorf", die die Bewohner selber auf die Haxn gestellt haben, ist nur ein Haus mit vergilbten Klebestreifen und blinden Fenstern geblieben.
 
Traurig.
Aber super.
Denn seitdem dieses Geschäft zugesperrt hat, fährt hier 2 Mal in der Woche ein Lebensmittelbus vorbei und hält einen halben Kilometer weit entfernt für 15 min.

So schaut er aus:



Wenn also jemand kein Auto hat, um 10 km zu fahren, dann wird er trotzdem überleben, Dank dieses Busses.
 
Gestern waren wir dort. Max und ich. Es war DAS Abenteuer des Tages. Wir sind mit dem Radl hingefahren, was ja für sich allein genommen schon total spannend ist. Nicht, dass wir so selten radeln. Es ist nur so, dass für Max grundsätzlich alles spannend ist. Immer. Und ich frage mich, sind alle Kinder so?
 
Wie auch immer. Wir sind also hin, runter vom Radl, und - nein, nicht eini in den Bus. Denn vorher hamma noch die Reifen anschauen müssen. Und die blaue Farbe. Und die Tür. Und die Reifen. Und dass sich die Reifen nicht gedreht haben. Und die Tür, die offen war, aber nicht zugegangen ist, obwohl Max doch "auf und zua" gesagt und dabei in die Hände geklatscht hat, um der Tür zu zeigen, wie es geht.
 
Und - dann sind zum Glück unser thailändischen Nachbarn gekommen. Er ein Finne, sie eine Thailänderin, verbringen sie - welch kluge Menschen! - nur den Sommer in Finnland und die restliche Zeit in Thailand. Vor 2 Tagen sind sie angereist.
Sie waren mindestens ebenso begeistert wie wir von diesem Bus.
 
Es gibt dort alles was man braucht für ein lebenswertes Leben. Milch, Obst, Schokolade, Kaffee, Brot. Wahrscheinlich auch Nudeln und Geschirrspülmittel, aber so genau hab ich dann nicht geschaut, weil zum einen war da Max, den seine Faszination a bissl überfordert hat, und zum anderen waren da diese 2 strahlenden und netten Menschen, mit denen zu reden und zu lachen ein genussreiche Abwechslung war.
 
Der krönende Abschluss unseres Abenteuers?
Max und ich sitzen auf der Terrasse, das erste Mal in diesem Jahr ohne Jacke, ohne Doppelschicht Kleider, in sommerlicher Leichtigkeit, und schnabulieren mit klebrigem Mund und pickigen Fingern die Mandarine, die sich Max ausgesucht hat.
 
Das Leben ist genial!


Hej då, lieber Bus!
Bis Dienstag!

Und Pfiat enk und Hej då, liebe LeserInnen.
Bis nächstes Wochenende!
d'Birgit



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