Freitag, 30. Juni 2017

01.07.17 - Düdldi-düdlda


Hela familjen går ut med geten, hela familjen går ut med geten, hela familjen...
 
Das haben sie mir gerade beigebracht, meine beiden Männer. Ein witziges Lied mit am genialen Rhythmus und einer Melodie, die zum Tanzen einlädt.
 
Die Sonne scheint.
Die Vögel sind beim Brüten (Grauschnäpper) oder schon beim Kinderfüttern (Trauerschnäpper).
Und wir, wir gehen einfach mit mit dem Tag. Schauen, was er bringt, tun, wonach uns ist, und freuen uns schon sehr auf nächste Woche.
 
3 Menschen, die mich die letzten Tage sehr beeindruckt, beinflusst und begeistert haben:
  • George Orwell mit seinem 1984
  • Vera F. Birkenbihl mit ihrem Ansatz, Sprachen zu lernen
  • Johann Pachelbel mit seinem wunderbaren Kanon in D

Sie sind bereits tot. Alle. Aber sie wirken immer noch nach. Und obwohl ich sie nie kennengelernt habe, spielen sie jetzt, in dieser Lebensphase, in der ich mich gerade befinde, eine entscheidende Rolle.
 
Ja. Und so springen meine Gedanken mal hierhin, dann wieder dorthin, höre nebenbei, wie unser lieber Ficus wieder eines seiner Blätter loslässt (ich glaube, er hat sich entschieden, zu sterben...), und dabei wird dieser Text genau so wie unsere Tage - unzusammenhängend, spontan den inneren und äusseren Rufen folgend, springend, ruhend, leicht und frei von Sinn.
 
Eine Bachstelze spaziert vorbei.

Und ich stelle fest, ich vergesse mein Leben. Ohne unter Alzheimer zu leiden, wohlgemerkt. Und ich lebe weiter, als sei das ganz normal.
Wie war das gleich noch mal an dem Tag, als wir uns das erste Mal getroffen haben? Was haben wir da alles geredet? Und wie hat sichs angefühlt?
Und dann diese unzähligen Augenblicke in der Arbeit, auf dem Berg, mit der Familie, mit Freunden, auf Reisen - alles vermischt sich zu einem einzigen bunten Brei, aus dem nur sehr vereinzelt klare Bilder hervorblitzen wie Sterne. Nach welchen Kriterien entscheidet das Gehirn, was es ins Bewusstsein aufnimmt und was es hingegen in die unendlichen Tiefen des Unterbewusstseins versenkt?
Die Vergangenheit verschwindet zum grössten Teil.
Die Zukunft gibts noch nicht.
Das einzige, was wir haben, ist das Jetzt.
 
Da. Schon wieder. Ich hörs. Es ruft. Tut mir leid. Das wars. Ich muss los. Das Meer verlangt nach mir.
Uuuuuuuund - pflatschschsch...
 
Pfiat enk! Hej då! -
d'Birgit


 

Samstag, 24. Juni 2017

24.06.17 - Endlich wieder mal ein Abenteuer


Es ist bereits der 5. Tag ohne Kalle. Langsam gewöhnen Max und ich uns dran und nutzen jeden einzelnen Sonnenstrahl, weils momentan wieder gar so selten schön ist.
Wir beschliessen, einen Radlausflug zu den Kühen zu machen. Es gibt eine Weide mit Schottischen Hochlandrindern nicht allzu weit von hier. Dort gibts auch Schweine und Ziegen, und wenn man Glück hat, sind sie alle draussen.
Ich packe nichts ein, weils eh nur insgesamt 12 km oder so sind. Da simma gleich wieder daheim. Und danach mach ma Abendessen und einen gemütlichen, ruhigen Tagesausklang. So ist der Plan.
 
Es ist so lustig, mit dem Max Radl zu fahren. Er juchzt und singt und macht seine Spässe da hinter mir, dass ich gar nicht anders kann, als lachen und mitmachen.
Erst kommen wir zur Carita, dann fahr ma nach Kvimo (Kviiiiiiiiimo) und dann um die Kurve ummi und den Bichl auffi und dann simma schon da. Das sind unsere Stationen, und Max weiss natürlich Bescheid. 85 % der ganzen Strecke ist Schotterweg, und mir kommt irgendwann der Gedanke in den Kopf: Was mache ich eigentlich, wenn ich da mal irgendwo einen Patschen hab? Das wär ja eine Katastrophe! Und schon verschwindet er wieder.
Wir kommen um die Kurve und sehen, die Schweine sind draussen! Oh, wie genial! Das erste Mal heuer. Wir bleiben stehen und schauen. Und staunen. Es gibt so viele Babyschweine. Und grosse. Sie sind fleckig, haben riesige, wachtelnde Ohrwascheln und kommen auf uns zugelaufen, als sie uns bemerken. Nur der Zaun hält sie von einer freudigen Umarmung zurück. Eines der Schweine sucht mit seiner Schnauze irgendwas auf der bereits kahl gefressenen Erde. Es bläst aus seinen Nasenlöchern, sodass richtig viel Staub aufgewirbelt wird, und sucht, und bläst, und sucht,... Und wir müssen beide herzhaft lachen. Wenn Max mir heute von den Schweinen erzählt, so stellt er sich zur Veranschaulichung auf alle Viere, bläst aus seinem Mund und macht gleichzeitig Grunzgeräusche. Herrlich!
Auf jeden Fall, die Kühe sind auch da. Nur die haben ihre Weide weiter hinten, und da kommen wir leider nicht so nahe dran. Wir radeln noch ein Stück weiter, weil vielleicht kommt ja da hinten oben noch irgendwas Nettes.
Irgendetwas fühlt sich komisch an. Die Federung bei meinem Radl ist nicht mehr gut. Oder ists der Reifen? Ma, vielleicht hab ich zu wenig Luft drin. Hab nach dem Winter eigentlich nicht aufgepumpt, fällt mir grad ein, ja, nicht einmal lang geschaut, ob eh alles passt, sondern bin einfach losgefahren. Ich bleib stehen. Und da steh ich vor einer ziemlich Misere. Ein Patschen! Ein Patschen!!! Hier. Mitten im Nichts. Es gibt Kühe, es gibt Schweine, aber mit Sicherheit keinen Menschen. Ich hab hier noch nie, NIE, jemanden gesehen. Weder im Auto noch auf der Weide noch sonst irgendwo. Ach, du grosse Scheisse. Und jetzt? Ok. Ich schiebe. Vielleicht gehts ja. Sag Max, dass schon alles gut ist und dass wir jetzt a Runde gehen. 6 km? Ja. Wenns sein muss... Wir kommen höchstens 2 m. Dann blockiert das Rad. Und nichts geht mehr. Ok. Lieber Max, tut mir leid, aber du musst jetzt raus. Das Radl ist kaputt. Putt, sagt er da nur. Und ich denk mir: Ja, putt. Aber schon so was von putt. Ich tu 's Radl in den Graben, nehme Max auf meine Schultern (Oh, wie schwer der ist!!!!), und mach mich auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung. Dort steht das Bauernhaus, welches vermutlich nur so genutzt wird wie die Almen in Tirol. Man kommt hin, macht das mit den Tieren, was gemacht werden muss, und dann fährt man wieder heim. Ich hab keine Ahnung, ob das was bringt, aber es ist nur 200 m oder so entfernt und es ist einen Versuch wert. Auf dem Weg dorthin übe ich mein Gsatzl auf Schwedisch. Laut. Und Max fängt total an zu lachen. Macht mich nach. Und hat einen Riesenspass. Ich entspanne mich ein bisschen und ich weiss ja genau, dass wir am Abend auf unserer Couch sitzen werden. Ich spüre uns regelrecht dort. Und ich fange an neugierig zu werden, wie wir das bewerkstelligen werden. Max sollte langsam dann die Windeln gewechselt kriegen und der Hunger und der Durst dürften auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aber gut. Jetzt ist jetzt und dann ist dann. Jetzt simma gleich da. Hör ich da was? Hör ich echt ein Auto? Das gibts nicht. Hier fährt nie ein Auto. Ich dreh mich um, ich hör es genau, Max sagt: Auto, und schon biegt es um die Kurve. Unglaublich. Ein fetter, schwarzer, langer Mercedes fährt auf uns zu. Das ist ja wirklich wie im Märchen!
Ich halte ihn an. Hab mein Gsatzl längst vergessen. Erkläre mich aber trotzdem irgendwie, und er fragt nur, wo 's Radl ist und wo unser Haus, dann packt er auch schon alles um und ein, und bald darauf befinden wir uns wieder auf dem Weg heim.
Es ist ja wirklich unglaublich! Wir unterhalten uns. Ich glaube, ich bin noch nie in einem Mercedes gesessen. Hey Lord, won't you buy me a Mercedes Benz?! Ich erzähl meine ewig gleiche Geschichte mit Österreich und hier seit so und so lange und, ja, Max redet Deutsch und Schwedisch, und, ja, Finnisch ist mein Projekt für den Herbst, und wie ist das eigentlich mit dir? Wo bist du her und was machst du da? Und hin und her. Und dann kriegt Max plötzlich Angst. Ich weiss nicht, was es ist, aber er sagt nur: Aussi, aussi. Er lässt sich nur schwer beruhigen. Aber wir sind bald daheim. Und steigen endlich aus. Ich bedanke mich sehr erleichtert und froh bei Mr. Mercedes. Und Max, der sagt nur: hoam, semma wieda hoam, bevor er sich die Giesskanne schnappt und vorerst mal nur allein sein will.
 
Das war unser Abenteuer.
Und ich bin ja wirklich überwältigt, dass bei mir unerwartete und herausfordernde Situationen immer irgendwie ein gutes Ende finden.
Das Leben meint es gut mit mir ☺!
 
Übrigens, ich hoffe auch mit dir, liebe Mama! Alles Gute zu deinem Geburtstag ☺!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 

Ja. Das ist mein Nordkap-Bike. Ich habs immer noch :-)!
 
 
 

Samstag, 17. Juni 2017

17.06.17 - Nichts, das ich muss


Mmmmmm.... Wie schön!
Die Sonne brennt auf der Haut, während wir am Strand sitzen und den Wellen zuschauen, wie sie kommen, sich verlieren, kommen, sich verlieren, und immer wieder kommen,...
und wie Max reingeht ins Wasser, dabei quietscht, und wieder rauskommt, und wieder rein, QUIIIIETSCH, dieses Mal schon ein kleines Stück weiter, QUIIIIETSCH, und wieder raus, und rein, und raus,...
und den Möwen zuhören, wie sie kreischen, elendiglich und fordernd,...
und nichts denken, und nichts tun, und sagen, was kommt, und schweigen, wenns kommt.
 
Der Sommer ist da. Mit stolzen 19 Grad bringt er uns Finnen gehörig ins Schwitzen.
Und langsam, ganz langsam, beinahe siestalangsam, wirds ruhiger in unserm Leben.
Ich schliesse die Augen, schlürfe meinen Kaffee, und fühle mich - leicht.
Ganz leicht.
 
Wie fühlt es sich wohl an, zu fliegen? Die Möwe da über uns, fiskmås flüstert mir meine innere Simultanübersetzerin zu, sie lässt sich treiben, tragen, gleitet elegant über die Wasseroberfläche, steigt höher hinauf, verschwindet irgendwo im Blauen. Ist es so ähnlich wie schwimmen? Wenn ich schwimme, dann spüre ich, wie die Wasserströmungen mich umspülen und tragen, mich in sich aufnehmen. Was spürt die Möwe?

Ich höre auf zu müssen.
Nicht einmal diesen Blog muss ich dieses Mal in die Länge ziehen.
Ich lass es gut sein für heute.
Und widme mich wieder diesem unnachahmlichen, fantastischen Rot, dass immer dann auftaucht, wenn ich mit geschlossenen Augen in die Sonne schaue.

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit


Freitag, 9. Juni 2017

10.06.17 - Yesssss!!!


Endlich! Der Bescheid ist da!
 
"Sehr geehrte Frau Müller! Wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie aufgrund des Auswahlverfahrens zur Massageausbildung zugelassen sind!"
So oder so ähnlich würde dieses E-Mail wohl auf Deutsch klingen, würd ich jetzt irgendwo leben, wo man Deutsch spricht.
 
Ich sitze im Kaffeehaus, während ich das lese.
 
Und ich denke an unsere 100-Jahr-Feier, die wir morgen in unserem Garten veranstalten.
Und mir kommt dieses Buch in den Sinn, das mir die letzten Wochen überall hin gefolgt ist.
Und die Spaziergänge, jeweils 10 km lang, in denen ich den Stoff mir selber laut vorgesagt habe.
Ich schaue aus dem Fenster. Dort auf dem Marktplatz findet gerade ein Europamarkt statt mit Standln, die verschiedene Wunderbarigkeiten aus ganz Europa anbieten. U.a. Apfelstrudel und Parmesan.
Und ich weiss noch immer nicht, wie das Schulterblatt auf Lateinisch heisst.
 
Ich bringe meine Kaffeetasse zurück und widme mich weiter meinen Einkäufen.
 
Und dann fahr ich heim.
Hubert von Goisern singt für mich und verbreitet wohliges Gefühl in der Bauchgegend.
Freu mich auf den Kaffee, der bereits auf mich wartet.
Freu mich auf Max' Gewachtl und seine Umarmung, wenn er dann auf mich zugerannt kommt.
Sehe Kalle vor meinem inneren Auge...
Und plötzlich durchfährt mich eine Welle von freudigem Stolz.
Völlig unbedarft und planlos bin ich einst in dieses Land gezogen. Schon etwas naiv, wie ich zugeben muss.
Und dann hab ich einem kleinen Menschen in diese Welt verholfen.
Und dann hab ich mir das Leben in diesem neuen Land Schritt für Schritt erobert.
Ich habe eine neue Sprache gelernt in einer Weise, die auch Humor und Spontanität zulässt.
Ich bin von "Kalles neuer Freundin" zu Birgit mutiert.
Und ich habe Menschen in einer höheren Position insofern von mir überzeugt (auf Schwedisch!), dass sie sagen: Hey, ja, mit der wollen wir die nächsten 1,5 Jahren zusammenarbeiten.
Cool, oder?
 
Heute in der Früh, bevor ich das E-Mail von der Ausbildung gelesen hab, hab ich eine E-Mail an eine Firma geschrieben mit dem Hinweis, dass es aus diesem und jenem Grund ausserordentlich wichtig für sie wäre, hätten sie ihre Homepage auf Deutsch. Und - so ein Glück für sie, ich bin deutsche Mutterspracherlerin und könnte ihnen diesen Dienst anbieten.
 
Mit der Ausbildung wird es wohl nix werden dieses Jahr. Der zeitliche Aufwand ist zu gross.
Aber das macht nichts.
 
Es ist genial, die Freiheit des Versuchs zu leben. Dieses Probieren mit aller Energie und Hinwendung, dann wieder der Schwenk auf etwas anderes  mit aller erforderlichen Intensität, da a bissl Kontakt und dort a Gespräch oder a E-Mail, und ganz langsam und wie von selbst entsteht ein Netz an Möglichkeiten, Ideen, Alternativen, aus denen sich im besten Falle irgendwann Standbeine entwickeln.
Ich mache und erlebe Dinge, die ich mir früher nie zugestanden oder getraut hätte. Das erfüllt mich mit Bauchkribbeln und Lebendigkeit, dass es nur so eine Freude ist!
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
Unsere Sonnenblumen. Sie und ich befinden uns in einer ähnlichen Phase, wenn ich es mir recht überlege.
 

Sonntag, 4. Juni 2017

04.06.17 - So schauts aus


Da bauen sie einen Fischersteig vom einen zum anderen Ufer...


... natürlich Rollstuhl gerecht, es soll ja schliesslich auch Rollstuhlfahrer geben, die gerne fischen, und wenn man sich dann wirklich bis zum anderen Ufer vorgewagt hat (es schaukelt gewaltig und in meinem Bergmenschengehirn leuchten sofort alle Warnleuchten auf und blinken und tuten und ziehen alle Register, nur um mich davon abzuhalten, diese Holzbrettchen, welche so tun, als wären sie ein Steig, zu betreten), dann stösst man auf das hier:


Ein Häuschen mit Feuerstelle und Wasseranschluss, um den soeben gefangenen Fisch zu braten und - sich die Hände zu waschen? Keine Ahnung, aber auf jeden Fall - total nett!
 
Wir waren die letzten paar Tage im Süden, um F.s Matura zu feiern. Der Frühling und die Verwandten waren bereits da und herausgeputzt, als wir gekommen sind. Es ist ein schönes Gefühl, aufgenommen zu sein. Ja, und ein neues Städtchen haben wir nebenbei auch noch kennengelernt. Nett wars.
 
Von der ersehnten Ruhe und wiedergewonnenen Zeit ist noch nicht viel zu spüren.
Von der Erleichterung, den Mai hinter mich gebracht zu haben, schon.
 
Hier noch ein paar Finnland-Impressionen:


"Seine Augen waren so grün wie die Blätter im Frühling, durch die die Sonne scheint." (Frau Wolle)

Kennt man eine, kennt man sie alle.

Autofahren + Sonnenschein = Urlaubsgefühl

wenn die Sonne mit den Bäumen spielt

Loviisa

Eigentlich ein Wunder, dass man mir hier nicht die Türen einrennt...
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit