Da machts einen Tusch in der Welt und auch, wenns so ausschaut, als sei es ein Tag wie jeder andere, ist plötzlich alles anders.
Und ich sitze im Auto und besuche eine Freundin. Hubert von Goisern jodelt einen seiner Jodler und ich fühle mich wie ein Baby eingebettet in einer Blase, die Schutz und Fürsorge verspricht, und wünsche mir, dieses Gefühl möge nie aufhören. Derweil weiss ich es besser. Es ist diese unheimliche, atemlose Ruhe vor dem Sturm.
Musik schafft Räume und Welten aus Farben und Emotionen, sie lässt Visionen entstehen und verschwinden, sie öffnet Sinne und Möglichkeiten, sie schenkt Ruhe und Zuversicht, man versteht plötzlich alles oder auch gar nichts mehr, kurz: sie ist lebensnotwendig.
Und ich fahre weiter. Der Jodler ist vorbei und speit mich aus, und ich finde mich wieder in dieser plötzlich so anderen Welt.
Ich habe nicht viel geschlafen in der letzten Nacht.
Frieden war bis jetzt immer selbstverständlich für mich. Ich habe nie etwas anderes erlebt, und auch wenn die Welt rundherum alles andere als friedvoll war, so habe ich mich doch in meiner kleinen Welt nicht darum zu sorgen brauchen.
Über Nacht hat der Frieden zu wackeln angefangen.
Die Freundin durchlebt ihre ganz persönliche Horrorgeschichte und ich stelle fest: Stabilität ist Illusion. Es passiert gerade etwas mit und in der Welt. Im Grossen wie im Kleinen. Und die Balance ist unter diesen Voraussetzungen nur mehr mit grösster Mühe aufrecht zu erhalten.
Ein anderer Tag. Die Schockstarre hat sich gelegt und ich spüre ein: Ok, dann gemma eben an, was sich nicht vermeiden lässt. Was dem Amerika sein Donald ist dem Österreich sein Norbert. Bring mas hinter uns. Es spitzt sich schon seit Jahren zu, eine geballte Ladung an Energie sucht sich ihren Weg, uuuuuuuuund - PÄÄÄNG!!! Päng? Päng!
Und dann?
Falls es dann noch ein Dann gibt, dann simma vielleicht a bissi gscheiter. Zumindest für ein paar Jahre.
Das Pendel schwingt. Lange war Frieden in Europa. Ich hätte gern weiterhin Frieden, aber zu viele setzen diesen leichtfertig aufs Spiel. Und das Pendel schwingt. In die entgegengesetzte Richtung. Was draus wird, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass ich ausserordentlich beunruhigt bin.
Ich schaue mich um in unserem Lövsunder Wald, wo man das Gefühl hat, dass man total alleine ist in dieser Welt. Übertreibe ich? Hoffentlich. Und ich schaue Max zu, der noch gar nichts davon weiss. Ich wünsche ihm eine gute Welt. Eine, in der er keine Angst um sein Leben haben muss, eine, in der er sich frei bewegen darf, eine, die auf ein Miteinander setzt. Alles andere wäre einfach nur fatal.
Ein anderer Tag. Kino. Sie zeigen ein Beatles-Konzert in New York, bei dem sie vor 56.000 Menschen spielen. Kann sich das wer vorstellen? 56.000 Menschen! Und wisst ihr, was diese 56.000 Menschen getan haben? Sie waren wahnsinnig. Völlig verrückt. Jede/r einzelne. Sie haben gekreischt, geweint, geschrieen, getobt - man kennt das von kurzen Ausschnitten im TV. Aber dieses Mal wars in Farbe. Irre, verzerrte Gesichtszüge, Haare raufend und mit weit aufgerissenen Augen und Münder waren diese Leute völlig ausser sich.
Und warum? Weil ein Mensch seinen Kopf schüttelt, während er Aaaaah singt. Und weil ein anderer grinst. Und - weil es die Beatles waren.
Oh. Mein. Gott.
Ich hab sehr schnell angefangen, mich diesbezüglich sehr, sehr unwohl zu fühlen. Zum einen, weil ich dieses Gefühl kenne und ich vermutlich genau so getobt hätte, hätte ich zu dieser Zeit gelebt, und zum anderen, weil es mich irritiert, wie mühelos verführbar und manipulierbar (Massen von) Menschen sind.
Adolf. Barack. John, George, Ringo, Paul. Donald?
Und die Masse hält inne. Und die Masse spürt was. Und die Masse bewegt sich.
Cut.
Es gibt arme Menschen in dieser Welt. Und es gibt reiche Menschen in dieser Welt.
Ja. Eh. Wiss ma. Fad.
Aus: Wikipedia - Vermögensverteilung:
Einer Studie zufolge betrug im Jahr 2000 der Gini-Koeffizient weltweit 0,892.
Demnach besitzt das reichste Prozent der Weltbevölkerung 40 % des Weltvermögens.
Die reichsten 10 % besaßen zusammen 85 % des Weltvermögens,
die ärmeren 50 % zusammen nur 1 %.[10]
Der Ungleichheitswert von 0,892 entspricht annähernd einer Situation, in der
von 100 Personen eine Person 90 % besitzt,
während die anderen 99 Personen sich die übrigen 10 Prozent teilen.[
Bitte noch mal lesen. Und auf der Zunge zergehen lassen.
Und dann noch wundern, wenn sich die bösen, bösen Leute, die da von überall her in unsere Länder strömen, das nicht mehr gefallen lassen wollen?!
Das ist eine hochgefährliche, explosive Situation, in der wir uns gerade befinden.
Ob Donald Trump oder Norbert Hofer oder wie sie alle heissen die richtige Antwort darauf sind, ist sehr zu bezweifeln. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Diese Herren wollen uns das aber so verkaufen, und verdrehen gleichzeitig alles, sodass es klingt, als seien sie die Revoluzzer und die "Bekämpfer des Systems".
Oioioi sagt Max immer, wenn er irgendwo ein Brösel entdeckt.
Oioioi sage ich nun immer, wenn etwas anders ist, als ich es gern hätte.
Oioioi.
Ich trinke Kamillentee.
Lausche den Beatles, welche mir immer weit mehr waren als reine Unterhaltung.
Sehe mich selber im Spiegel der Fensterscheibe.
Und kämpfe gegen die unbändige Lust, meinen Kopf in den Sand zu stecken.
Pfiat enk! Hej då -
d'Birgit
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