Vor dreieinhalb Jahren bin ich diesem Herrn hier zum ersten Mal begegnet. Es hat - genau wie heute - geregnet und es war kalt. Obwohl Sommer war. Dreckig war ich von oben bis unten, mein Radl auch, und glücklich war ich. Da war ich also angekommen in der Zivilisation, nachdem ich wochenlang im Wald unterwegs war und dort geschlafen habe, ohne je einem Menschen begegnet zu sein.
Hier, auf diesem Markplatz in Vaasa, gab und gibt es alles, was das Herz begehrt und was man sich nur vorstellen kann. Endlos viele Geschäfte mit allem, was man braucht, um ein komfortables und feines Leben führen zu können (da hab ich leicht und mit am Grinser so vieles gefunden, das ich NICHT brauche für ein gutes Leben), Bankomaten, Bankln zum Sitzen und - Cafes :-). Grad heute hab ich mich mit einer Freundin in einem dieser Cafes getroffen und hab festgestellt, dass für mich Cafes wirklich eine Art Grundversorgung darstellen.
Da bin ich also herumgeschlendert, mein Radl an eine Hausmauer angelehnt, hab Geschäfte, Cafehäuser und Menschen geschaut, und:
Da lag er. Der Träumer. Er, der sich nicht anstecken lässt von all dem Trubel um ihn herum. Er, dem es egal ist, ob Menschen lachen, vorbeirennen, ihn ignorieren, ihn fotografieren, reden, rauchen, laut sind,... Es ist ihm auch egal, ob es regnet oder schneit, ob die Möwen auf ihn scheissen oder eben nicht. Er liegt einfach da. Den Kopf in eine Hand gestützt. In der anderen Hand den Flieger, der ihn fortfliegen lässt in eine andere, in seine Welt. Ganz in seinen Gedanken und Emotionen versunken. Den Blick ins Leere. Oder besser: ins Innere.
Von ihm hab ich mich sofort angezogen gefühlt. Und auf irgendeine Weise bestätigt. Das, was ich da gemacht habe, nämlich mir mit dem Radl den Traum vom Unterwegssein erfüllt mit allem, was dazugehört, war irgendwie genau das, was er verkörpert hat. Und immer noch tut. Mit dieser Figur hat jemand mein Inneres nach aussen gekehrt und in Form gegossen.
Wenn ich heute an ihm vorbeigehe, 3,5 Jahre später, inzwischen hier angesiedelt und mittendrin, mein Leben aufzubauen, werd ich manchmal a bissi melancholisch. Automatisch schaue ich dann zurück. Und spüre das, was ich damals gespürt hab. In diesem ersten Moment der Begegnung. Und gehe gedanklich und emotional weiter in der Geschichte. Und manchmal ertapp ich mich dann dabei, wie ich kopfschüttelnd und wahrscheinlich leicht dämlich vor mich hingrinse. Wenn ich nämlich einen Schritt zurück mache und auf meine Geschichte schaue, dann find ich das schon ziemlich grandios. Und wundersam. Und eigentlich unglaublich, dass passiert ist, was passiert ist. Und dass ich getan hab, was ich getan hab. Mit allen Konsequenzen.
Ein gscheiter Mensch hat einmal zu mir gesagt: You should always stick to your dreams! Du solltest immer an deinen Träumen festhalten!
In diesem Sinne, liebe Leute, träumt! Und wenn ihr es mal im Trubel des Alltags vergesst, dann fangt einfach wieder von vorne an :-)!
Pfiat enk und Hej då!
De Birgit
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