Schifahren als Kind:
Meine Schi waren damals noch grösser als ich. Kästle. Kerzengerade natürlich. Schwarz. Mit gelb-violettem Muster. Wie cool die ausgeschaut haben! Doch sie wirklich zum Einsatz zu bringen, das hat mich oft grösste Anstrengung und Überwindung gekostet. Schifahren war für mich nämlich immer so:
Im Angesicht von Massen von Menschen, die auf der Piste an mir vorbei- und um mich herumrasen, die mir den Weg abschneiden, unvermittelt abbremsen, die hinter dem Bichl genau in Fahrtlinie stehen, die dann aber wieder stilvoll vorbeischweben, als wäre es das Einfachste der Welt, stehe ich meinerseits auf den Schiern, total verkrampft in allen Körperteilen, die Stimme meiner früheren Volksschullehrerin im Ohr: "Knie locker lassen!" (Wie soll ich die denn locker lassen, hardigatti?!?!!), und versuche, so elegant - oder besser - so unbeschadet wie möglich den plötzlich auftauchenden Eisplatten und Steilhängen und meiner Angst Herr zu werden.
Das hat nie wirklich funktioniert. Und mit meinem Umzug nach Innsbruck hat meine Schifahrerkarriere ein abruptes Ende gefunden.
Das ist nun gut 20 Jahre her.
Mit heute, liebe Leute, ist dieses Kindheitstrauma beendet!
Bin in Lappland. In Muonio. Wir haben uns hier ein Hüttl gemietet. Mitten im Nirgendwo. In der Nähe gibts ein paar Bichl. Berge sagen die Finnen dazu. Pallastunturi. Und auf einem dieser Bichl haben sie 2 Lifte raufgebaut. Das war im Jahre anno Schnee. Dementsprechend sind die Lifte. Schlepplifte (gibts die in Tirol überhaupt noch???). Die Liftstützen sind rostig und schauen auch sonst a bissi klapprig aus. Aaaaber: Man kann wirklich Schifahren! Und genau das haben wir heute gemacht.
Anfangs war ich schon a bissi nervös. Hab ich mich doch an meine nervösen früheren Zeiten erinnert. Das erste, das mich schon mal sehr erstaunt hat, waren die Schi und die Stöcke. Bin mir vorgekommen wir ein Kleinkind. Alles so kurz. Und so klein.
Und dann sind wir zum Lift. Uiuiui... Hab schon gar nicht mehr gewusst, wie das geht. Aber Kalle war ganz souverän, und nachdem ich oben auch gut wieder ausderstiegen bin, war ich schon a bissl mutiger. Und dann sind wir gestartet. Und es war so unglaublich. Da gabs keine Menschen. Nicht vorne. Nicht hinten. Nicht im Lift. Nicht sonst wo. Wir haben die komplette Piste für uns allein gehabt. Naturschnee. Frisch gewalzt. Kein Eis. Nicht steil. Erst noch zögerlich, so hab ich mich schon sehr bald an die wenigen Dinge, die ich mal gekonnt hab, erinnert. Und schnell ausgebaut. Wie ich dahingefetzt bin! Und wie genial sich das angefühlt hat! Wie frei ich war von all den früheren Ängsten und Widernissen! Und wie ich mich gefreut hab! Gesungen und gelacht hab ich, und gewünscht hab ich mir, dass das nie aufhören möge.
Dann aber, nach 3 Stunden oder so diese beiden Lifte rauf und runter, ists doch a bissi fad geworden. Und wir haben das Ganze beendet.
Mit diesem heutigen Erlebnis ist mir klar geworden, dass meine frühere Verkrampftheit und mein Unvermögen nicht etwa von fehlenden Fähigkeiten gekommen wäre, sondern wirklich mit der Umgebung (Eis, viele Menschen, usw.) zu tun hatte. Diese Reizüberflutung hats mir unmöglich gemacht, mich zu entspannen. Und Unentspanntheit machts halt wirklich nicht fein.
Das ist meine Erkenntnis des heutigen Tages. Und lässt sich übrigens auch wunderbar auf andere Lebensbereiche übertragen.
In diesem Sinne, liebe Leute, pfiatenk und hej då!
De Birgit
Und hier gibts jetzt noch ein paar Lapplandimpressionen für euch. Bis in Bälde!
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenLiebe Birgit - wenn du das in Österreich erleben möchtest, dann komm mich doch einfach mal in Obertilliach besuchen :-) :-) :-)!!!
AntwortenLöschenJa, hoi, liebe/r magiccap444! Mach ich gern :-)! Liegt ja eh grad mal so ums Eck... ;-). Ganz liebe Grüsse ins Tiroler Landl!
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