Samstag, 14. Mai 2016

14.05.16 - Knut, der Elch


 
Ein Bus. Knaatschrot. Wie der englische. Nur eben auf finnisch.
Ein Bus, der der neueste Renner ist. Seit ungefähr einem Jahr im Einsatz, ist er fast immer ausgebucht, weil er sehr billig Fahrten von da nach dort ermöglicht. Das günstige Preisticket wiegt vermutlich das nervige Dahinzockeln auf Finnlands Landstrassen auf.

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Nein. Ich mache keine Werbung. Das liegt mir ferner als nur irgendwas.
Es ist nur - ja, wie soll ich sagen? Dieser Elch in sportlichem Outfit, der auf der Seite des Busses auf zwei Haxn rennt, was das Zeug hält, und der auf der Rückseite den Kofferraum mit beiden - Pfoten? - festhält,

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soll wahrscheinlich von der Kreativität der Marketingabteilung zeugen. Und, ich mein, ja, eh, ist woll ganz ok, nit?

Und doch, die Elche, also die richtigen, fühlen sich durch diese absurde Vermenschlichung verständlicherweise masslos beleidigt. Welcher Elch wird schon gern wie ein Idiot joggend und grinsend auf einem Bus dargestellt?! Ein Elch ist ein Elch und nichts als dieser. Majestätisch streift er auf seinen ewig langen vier Beinen durch Finnlands Wälder und versucht, wiederkäuend seinen Frieden zu finden, indem er dem Menschen so gut es geht aus dem Weg geht. So beleidigend diese Karikatur auch sein möge, die meisten Elche lassen dann doch bald Bus Bus und Bild Bild sein und beschäftigen sich lieber mit den wirklich wichtigen Dingen eines Elchlebens.
 
Doch eines Tages kam Knut. Und Knut wollte sich das nicht bieten lassen. Ihr müsst wissen, Knut war einer der aufmüpfigen Elche. Einer, der sein Maul stets aufgemacht hat, wenn ihm etwas sauer aufgestossen ist. Einer, der sich für die Rechte und das Ansehen der Elche eingesetzt hat, und dem das aufgrund seiner Angst einflössenden Wuchtigkeit nie schwer gefallen ist.
 
Knut hat diesen Bus beobachtet. Jeden Tag ist er mindestens 5 Mal vor seiner Schnauze hin- und hergefahren. Erst hat Knut noch versucht, diesem Spott mit Ignoranz zu begegnen. Was kann dieses komische Ungetüm auf 4 Rädern ihm, dem grossen mächtigen Knut, schon anhaben? Aber, wie es der Teufel eben so will, immer genau dann, wenn Knut die Strasse überqueren wollte, ist dieser Bus dahergekommen. Man hat ihn schon von weitem gehört. Und Knut musste - warten. Knut hasste warten. Und dann diese Fratze von Bus. Mit all diesen komischen Zweibeinern drin. Bald kam es gar so weit, dass Knuts Rhythmus vom Fahrplan des Busses bestimmt wurde. Wenn er gehen wollte, konnte er nicht, und musste es tun, wenn er nicht wollte. Knut wurde grantig. Und stinksauer. Er konnte es nicht ertragen, wenn ihm jemand in sein Tagwerk pfuschte. Und schon gar nicht, wenn er aus der Menschenwelt stammte.
 
Donnerstag, 12. Mai.
Knut verliert seine Nerven. Sieht nur mehr rot, als der Bus wieder genau dann auftaucht, als er auf dem Weg zu seinem Fressplatz ist. Es geht mit Knut und seiner Selbsteinschätzung durch. Er sieht den Bus. Schnaubt durch seine Nüstern. Seine Augen weit aufgerissen rennt er los. Auf den Bus zu. Er hat schon viel grössere besiegt, so feuert er sich an. Yinna, seine Verlobte, kommt gerade ums Eck, als sie ihren Geliebten wie wahnsinnig auf den Bus zurennen sieht. Sie erstarrt. Kann nicht einmal mehr schreien.
 
Und das ist das traurige Ende der Geschichte von Knut, dem Elch:
 
 
Und die Moral von der Geschicht:
Ich weiss es leider nicht.
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 
 

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