Donnerstag, 23. April 2015

23.04.15 - Nichts

 


Ich liege auf der Terrasse in der Sonne. Die Augen sind geschlossen.
Ich höre.
Bin dazu geneigt zu sagen: Ich höre nichts. Da ist nämlich nichts. Kein Auto. Kein Flugzeug. Keine Stimmen. Keine Schritte. Keine Maschinen.
Derweil stimmt das nicht. Ich höre hin. Und ich höre.
Ich höre den Wind. Den Wind, wie er an den verschiedensten Dingen rund ums Haus mit aller Kraft rüttelt und zerrt, und ich höre, wie die Bäume sich von ihm biegen und wiegen lassen,  ihre Äste rauschend und knackend.
Ich höre Möwen. Und Krähen. Und die Kohlmeise. Und viele andere Vögel, die ich wohl kenne, deren Gesang ich aber nicht dem Sänger zuordnen kann.
Ich höre meinen Atem. Regelmässig. Bisschen angespannt. Lauter als der Wind.
Ich höre meinen Magen, wie er mit dem Verdauen des Mittagessens beschäftigt ist.
Ich höre meine Gedanken, die mir sagen, was ich alles wann machen muss. Damit verknüpft sind Emotionen, die sofort auftauchen, sobald die Gedanken auftauchen. Oder ist es umgekehrt?

Ich mach die Augen auf.
Sehe:



Nichts.
Ah geh! Ich sehe den Himmel. In sattem Blau. Drehe ich den Kopf, muss ich die Augen schliessen, weil sie ausserstande sind, die Sonne anzuschauen.
Ein riesiger Vogel - ein Kranich? - der seine Bahn durch mein Blickfeld zieht.
Die Baumspitzen, die in das Blau ragen.
Lege ich meinen Kopf in den Nacken, sehe ich Wolken. Weiss und bauschig.
Und eine Bachstelze, die hinter mir vorbeispaziert, als wär ich gar nicht da.
Ich sehe kleine schwarze Pünktchen in meinem Sehfeld, und auch Würmchen, nicht schwarz, sondern durchsichtig, die immer wieder nach unten sinken. Sobald ich blinzle, fangen sie wieder von oben an. Sie fallen nur auf, wenn ich mich auf sie konzentriere. Ob das wohl bei jedem so ist?
 
Das Nichts ist jetzt im Frühling laut, bunt, lebendig, sich ständig verändernt, tanzend?, vielfältig und Raum einnehmend. Wie wunderbar und faszinierend!
 
Manchmal, da hab ich mich im Winter mitten in der Nacht - also so um 8 am Abend - rausgestellt, und hab hin-gehört. Dieses Winter-Nichts klingt total surreal, weil man wirklich nichts hört. Nichts. Und wie ich mich anfangs angestrengt habe, um irgendetwas auszumachen...! Kein Laut. Kein Lebenszeichen. Von niemandem. Nur der eigenen Atem und das Rascheln der Winterjacke. Als sei jeder Laut, alles Leben in der Kälte erstarrt.
 
Da lieb ich dieses Frühlings-Nichts. Das gar kein Nichts ist. Es ist nämlich Alles. Alles Leben, das sich regt, seine Glieder streckt und zu einem Neubeginn ausholt. Mit Lust und dem Lebensdrang, dem sich nichts und niemand entziehen kann.
 
Da. Ein Auto :-)! Es gibt sie doch noch, die Menschen hier. Wie schön!
 
Möge der Frühlingsruf und der damit verbundene Farbenrausch (hoffentlich auch bald hier) euch ereilen und euch in eurem tiefsten Inneren erschüttern!!!
 
Pfiat enk und Hej då -
de Birgit
 




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