Einst gab es einen Platz in meinem Leben. Dort hatte nicht nur ich, sondern jeder nur erdenkliche Mensch Platz. Mit und ohne Behinderung, mit und ohne Humor, mit und ohne verbale oder sonstige spezielle Fähigkeiten,... Jede/r durfte sein, wie er und sie war. Diesen Platz habe ich verlassen, um dem Ruf des Lebens zu folgen. Und bin doch immer wieder gern zurück gekehrt. Um Hallo zu sagen. Um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Und um zu zeigen und auszudrücken, dass es mir ernst ist und war, wenn ich von der unglaublichen Qualität dieser Buntheit des Miteinanders sprach.
Mit dem nunmehrigen Besuch ist diese Zeit ein für alle mal abgeschlossen. Mit Traurigkeit habe ich festgestellt, dass es dort keinen Platz mehr für mich gibt. Und auch für andere Menschen nicht mehr. Die Wandlung vom Sein hin zum Funktionieren ist im Werden und zum grossen Teil bereits vollzogen worden.
Ein Spaziergang durch das Dorf meiner Kindheit. Was es leider nicht mehr ist. Zumindest nicht, wenn man die Bilder in meinem Kopf und meinem Herz mit den derzeitigen Gegebenheiten vergleicht. Der Ortskern, den ich früher auf den Weg zur Schule täglich durchwandert habe, ist nicht wieder zu erkennen. Das kleine Bauerndorf scheint infiziert worden zu sein vom Tourismus-Virus, getragen von dem Wunsch, einen Nobelort für betuchte Gäste abzugeben. Viele Menschen, die zum Dorf und damit irgendwie zu meinem Leben gehört haben, sind bereits verstorben. Und das wenige, das geblieben ist, ist der Name, die Kirche und ganz vereinzelt immer noch unveränderte Häuser. Ein Spaziergang kommt einem erstaunten, gepaart mit leicht abgestossenem Wandeln in Neuem gleich, anstatt, wie es manchmal gut tut und notwendig ist, einem Streunen durch verklärte, vernebelte Vergangenheiten.
Als ich noch in Finnland war...
So fängt dieser Absatz an, weil damals jeglicher Gedanke an unsere Zeit in Tirol total verklärt und rosarot war. Und somit fern jeglicher Realität.
Damals, da hab ich mir gedacht: Maah, 3 Wochen in Tirol! Was ich da alles machen kann!!! Auffi aufn Berg, rodeln gehen, alle meine lieben Menschen treffen und uns gegenseitig auf den neuesten Stand bringen, Max ganz langsam in diese wunderbare andere Welt einführen, Bäche rauschen hören, Kalle schöne Platzln zeigen, Kaffee trinken gehen,...
Denkste! Grad eben heimgekommen von einem Pfiati-Treffen mit einer lieben Freundin mit der erschreckenden Erkenntnis, dass unsere Zeit hier so gut wie um ist. Und ich nur 1x während dieser ganzen Zeit irgendwo oben war. Und sich ein zweites Mal mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr ausgehen wird. Ich war nicht im Kino, um Heidi anzuschauen. Ich habe einige Menschen, die ich gern hab, nicht gesehen, und muss somit in Kauf nehmen, dass diese vielleicht verletzt, traurig oder beleidigt sind. Und, was mir wirklich schiach tuat, wir haben so gut wie keine Zeit zusammen gehabt - also nur Kalle und ich.
Ernüchterung macht sich breit. Nicht, dass ich diese Zeit hier nicht genossen hätte und weiterhin noch geniessen werde. Ganz im Gegenteil. Es ist wunderbar!
Nur, manchmal, da schmerzt Veränderung.
Und manchmal, da hätte ichs gern anders, als es ist.
Und trotzdem bin ich unendlich dankbar, in diesen beiden so schönen und so unterschiedlichen Welten mich bewegen und daheim fühlen zu dürfen. Und dafür trage ich die Konsequenz.
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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