Samstag, 2. Dezember 2017

03.12.17 - Es adventelt


Es ist halb 6.
Es ist dunkel. So wie die meiste Zeit des Tages.
Das Feuer knistert im Ofen.
Der Kaffee dampft neben mir.
Und es ist still.
Alle schlafen noch.

Habe diese Woche meinen Deutschkurs abgeschlossen. Möglicherweise für immer? Wer weiss das schon.
Meine Schüler waren fanstastisch. Wunderbare Menschen, die es mir durch ihre Toleranz und Aufgeschlossenheit ermöglicht haben, meinem Lehrertrauma in die Augen zu blicken und dieses zu guter Letzt zu bewältigen.

Die Adventszeit hält langsam auch in Finnland Einzug.

Max singt sein Tomtelied vor und zurück und auf und nieder und freundet sich damit langsam mit den hiesigen geschäftig-wuselnden Wichteln an.
Viele Häuser haben jetzt ihren grossen Auftritt: sie sind im Americanstyle weihnachtlich-blinkend mit Rentieren, Weihnachtsmännern und Glocken geschmückt und leuchten ihre bunten Lichter in die dunkle Welt.
Wir begehen diese stille Zeit, indem wir beinahe täglich unsere Jultårtor zum Kaffee verdrücken.
Letztes Wochenende gab es in Vaasa die alljährliche offizielle Eröffnung des Weihnachtsgeschäftes mit Feuerwerk und Weihnachtsmann und allem Drum und Dran.
Lillajul (kleines Weihnachten) steht vor der Tür und damit Max' grosser Tag: das erste Mal Pepparkakor (Pfefferkuchen oder harter Lebkuchen) und Glögg (alkoholfreier Glühwein auf finnisch).
Die Dunkelheit fordert langsam ihren Tribut und mein Wunsch nach Schlaf übertrifft allmählich alles andere.
Ich freu mich auf die Weihnachtslieder. Frei nach Andreas Hofer: "Mandar und Weibar, 's isch widr Zeit!". Von "Last Christmas" bis zu "Es wead scho glei dumpa" - ich nehm alles mit Handkuss und am wohligen Kribbeln im Bauch.
Der Adventskranz steht schon fix und fertig in seinem Eck und harrt seiner Zeit (und das bereits seit einer Woche... nicht, weil wir so fleissig sondern vielmehr weil wir a bissl patschert sind - wir waren schon vor einer Woche der Meinung, es sei 1. Advent...).
Und dann dieses.
Und dann jenes.
Es ist ja doch jedes Jahr das Gleiche.
Ist es das?
 
Die Bäume stehen da wie Statuen.
Regungslos.
Laublos.
Wie stumme Wächter.
Manchmal drückt ein Sturm ihre Kronen so sehr gen Boden, dass ich Angst habe, sie brechen ab oder fallen um.
Aber sie stehen immer noch.
Nehmen, was kommt.
 
Die Dunkelheit.
Sie ist allumfassend. Alles verschluckend.
Keine Strassenlaterne, kein beleuchtetes Fenster eines anderen Hauses durchdringt sie.
Nur manchmal Autoscheinwerfer, die sich im Nichts verlieren.
Die Stille.
Stille in einer Intensität und Wucht, dass es einem fast den Atem raubt.
Nichts lässt einen so still werden wie die Stille.
Die Sterne.
Wie viele sind es?
Ein Kinderlied meint: "Gott, der Herr, hat sie gezählet..." - Na, viel Spass!
Da kommt mir das Göttliche Nudelsieb in den Sinn. Weisst du noch, P.? Damals, in Kroatien?
 
Früher war mir bang vor dieser schwarzen Zeit.
Heute - mag ich sie. Ich fühl mich wohl. Und geborgen. Und gut aufgehoben.
Hab ich früher zu den Menschen, die ich mag, immer gesagt: "Kommt im Sommer, da ist es am schönsten. Wunderbar, dieser nie endende Tag!" so bin ich heute geneigt zu sagen: "Leute, ihr müsst die echte Dunkelheit kennenlernen!"
Es gibt keine bessere Zeit im Jahr, um mit sich selber zu sein.
 
Und so möge er in Gang kommen, der Advent!
Und auch, wenn es in unserer so lauten Welt oft nicht einfach ist, einen Gang herunterzuschalten und den Blick nach innen zu richten, so mögen wir doch zumindest das eine oder das andere Mal dieses innere Kribbeln spüren, das es so nur zur Adventszeit gibt. So wie damals. Wisst ihr noch?

Habts es gut und fein!

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

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