Samstag, 11. März 2017

11.03.17 - Wenn Männer den Frauen die Welt erklären


Ich scrolle mich durch das Internet. Wie immer, wenn ich eigentlich etwas tun will, das getan werden soll. Wie z.B. diesen Blog hier schreiben.
 
Dabei stosse ich auf ein Video. Es zeigt sehr anschaulich etwas, das offenbar "mansplaining" genannt wird. Ich habe dieses Wort nicht gekannt. Es gibt auf treffende Weise (man = Mann, plaining kommt von explaining = erklären) jenem Phänomen einen Namen, in dem ein Mann herablassend mit einer Frau über einen Themenbereich spricht, von dem er nur unvollständige Kenntnisse hat, unter der fälschlichen Annahme, er wisse mehr als seine Gesprächspartnerin (Erklärung aus wikipedia). Begründet auf der Tatsache, dass er ein Mann ist und sie eine Frau. Wenn man sich dieses Video anschaut (zu finden auf YouTube unter "mansplaining explained"), dann weiss man, was mit dieser etwas sperrigen Erklärung gemeint ist. Eine Sprecherin zum Beispiel stellt einem Mann eine Frage, und er hört sich diese nicht einmal bis zum Ende an, sondern unterbricht sie stattdessen und sagt: "Schhhhhh." Ein anderer sagt: "Hey, hey, Missus, shut up! Beruhige dich!" Und ein anderer wiederum (zu Hillary Clinton, wie ich hier anmerken möchte): "Ja, ja, red nur. Ich unterbreche dich sowieso, wann immer ich mich danach fühle."
 
Ich schau mir das an, und in mir wirds ganz eng.
Ich kenne das.
Und ich hasse das.
Echt.
Ich weiss, hassen ist ein grosses Wort, aber es ist tatsächlich so. Ich hasse es, unterbrochen zu werden, während ich rede. Ich hasse es, herablassend behandelt zu werden. Und ich hasse es, besserwisserisch zugetextet zu werden, ohne dass sich das Gegenüber die Mühe macht, meine Sichtweise verstehen zu wollen.
Dabei möchte ich nicht alles auf die Geschlechter schieben. Nicht allen Frauen ergeht es so und nicht alle Männer sind so. Doch wenn es jemandem passiert, ist es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit eine Frau. Und wenn es jemand tut, ist es ziemlich sicher ein Mann.
 
Dass das immer noch so gehandhabt wird und als normal gilt in unserer Gesellschaft, trotz Jahrzehnte langer Bemühungen im Gleichberechtigungsbestreben, zeigen zum einen die Tatsache, dass es oft gar nicht auffällt, wenn es getan oder erlebt wird, weil es so selbstverständlich ist, und zum anderen die Reaktionen, wenn man es wagt, seine Rechte auf Meinungsäusserung und Ernstnahme derselben einzufordern. "Du hast ein Problem mit Männern, ha?" "Jetzt stell dich doch nicht so an." "Bist du etwa eine Emanze, oder was?" (Dabei wird das Wort Emanze ausgesprochen, als sei es Krätze.) Oder es wird gelacht. Oder ein dummer Witz gemacht. Oder das Gesagte mit einem läppischen Satz beiseite geschoben. Oder... Oder... Oder...

Ich weiss nicht, warum mich dieses Video emotional so überrumpelt hat. Mir ist es schon sehr lange nicht mehr so ergangen, und die Chance, dass es mir hier in unserem Wald bald wieder so ergehen wird, ist verschwindend gering.

Aber, und das wirds wohl sein, es geht ja nicht nur um mein eigenes kleines Leben. Es geht darum, wohin wir als Menschheit unterwegs sind. Es geht darum, wer und was wir sein wollen und wie wir miteinander umgehen wollen. Ja. Es geht wohl in Wirklichkeit allein darum, welches Leben wir führen wollen und welche Welt wir unseren Kindern und Kindeskindern übergeben wollen. Der Blick auf das Jetzt und auf das Hier unserer Gesellschaft lässt mich nicht gerade sehr optimistisch stimmen. Und das bezieht sich nicht nur auf gendertechnische Fragen...

Ich schaue aus dem Fenster.
Spüre meine Entrüstung.
Und gleichzeitig meine Hilflosigkeit.
Mir werden diese engen Rollenvorgaben so bewusst, in der jeder und jede von uns steckt. Wie oft kichern wir Frauen denn, wenn sich jemand respektlos uns gegenüber verhält? Immer noch.
Und dann diese ständige Reduktion auf das Äussere. Oh, wie ich das hasse! Ja. Auch das.
Ein Beispiel: Es gibt ein Foto von mir. Ich bin schwanger und sitze auf einem Boot. Ich bin kugelrund. Sagt doch nicht einer, der das Foto anschaut zu einem Mitschauenden: "Jetzt schau dir mal diesen Schädel an!" Ja, gehts noch?!?!?!

Es reicht. Ich mach mir jetzt einen Cappuccino.
Und freu mich am Frühling, der trotz Schneemassen in seinen Startlöchern scharrt.
Und an jenen Menschen, die dem Menschen mit Respekt begegnen.

Ihnen sei dieses Foto der Hoffnung gewidmet ☺.

der Schnee schmilzt
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit



 

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