Irgendwie fühlt sichs nicht richtig an. Ich weiß nicht, woher das kommt. Und ich weiß nicht, was es ist. Es ist nur so - nicht so, wie es sein sollte.
Das Fressen kommt. Fischmehl. Hm. Was soll ich dazu sagen? Es schmeckt nicht speziell gut. Aber es ist mein Highlight. Mein einziges in einer Aneinanderreihung von eintönigen, grauen Tagen, unterbrochen allein von Möwengeschrei über meinem Kopf.
So sitze ich also hier in meinem Kastl, unter mir Gitter, neben mir Gitter, vor mir Gitter, über mir Gitter, und ich warte. Und weiß doch nicht worauf.
Der Gestank von Kot und Fischmehl beißt in meiner Nase. Meine Augen tränen.
Der Gestank von Kot und Fischmehl beißt in meiner Nase. Meine Augen tränen.
Die Füße tun weh. Die Drähte des Gitterbodens schneiden in meine empfindlichen Pfotensohlen. Hinlegen verschafft Erleichterung, weil dann nicht mein ganzes Gewicht auf die Sohlen drückt. Aber - HimmelHerrgottNochmal - ich kann doch nicht den ganzen Tag, die ganze Nacht, mein ganzes Leben herumliegen!!!
Also zieh ich meine Runden. Ich drehe mich um mich wie ein dummer Hund, der seinem eigenen Schwanz nachrennt. Bis meine Pfoten bluten. Bis ich mich wieder hinlege.
Links und rechts von mir gibt es auch Füchse. Sie sind dick. Wechseln wie ich zwischen Gehen und Liegen. Ihr Blick ist meist stumpf und leer. Wir ignorieren uns. Es gibt nichts zu sagen.
Wir warten.
Ab und an werde ich von einer Sehnsucht gebeutelt, gequält, gepiesackt, zerfleischt, dass ich nicht anders kann als meinen Schmerz hinausjaulen. Das ist ein Schmerz, der schlimmer ist als der Schmerz in meinen Pfoten.
Ich schließe die Augen. Ich sehe grün. Ich sehe braun. Ich rieche frisches Gras und spüre den Wind in meinem Fell. Ich laufe. Ich laufe so weit ich kann. Immer geradeaus. Landschaft zieht an mir vorbei. Mein Herz rast. Meine Lungen beben. Meine Zunge hängt mir aus dem Maul.
Und ich öffne die Augen. Und sehe wieder nichts als Gitter.
Ich schließe die Augen. Und schreie. Bis mein ganzer Körper bebt. Bis kein Geräusch mehr mein Maul verlässt.
Meine Nachbarn schreien auch.
Das ist unser einziger Kontakt. Es ist das einzige, was uns verbindet.
Dieser unsägliche Schmerz.
Dieser unsägliche Schmerz.
Bevor wir uns wieder der Apathie hingeben.
Heute ist etwas anders. Ich weiß nicht, was.
Es ist Abend. Die Sonne ist gerade untergegangen, und obwohl sie gescheint hat, vermag sie es noch nicht, der Kälte des Winters etwas entgegenzusetzen. Der Wind fuhr ungebremst durch meine Wände und riss an meinem Fell.
Jetzt ist es windstill. Die Möwen sind längst schon weg. Ein paar krächzende Krähen sind geblieben. Ich stehe auf meinen schmerzenden Fußballen, recke meine Nase in die Höhe und versuche einen Geruch auszumachen.
Ich rieche - nichts.
Ich höre auch - nichts.
Ich höre auch - nichts.
Und sehe - nichts.
Wieso schlägt mein Herz schneller?
Wieso stellen sich meine Nackenhaare hoch?
Woher kommt dieser Zwang zum Knurren?
Da! Hier ist was.
Ein scharfer Geruch.
Etwas - Großes, Gefährliches.
Es kommt näher.
Jetzt seh ich was.
Ein scharfer Geruch.
Etwas - Großes, Gefährliches.
Es kommt näher.
Jetzt seh ich was.
Eine dunkle Gestalt.
Was ist das?!?!?
Oh! Mein! Gott!
Ein Wolf!
Ich springe. Ich belle. Ich fletsche meine Zähne. Ich knurre.
Meine Nachbarn machen es mir nach.
Der Wolf kommt näher.
Unser Lärm wird lauter. Hysterischer.
Der Wolf ist da.
Ich will weg.
Ich renne.
Gegen die Gitterwand.
Der Wolf bleibt unter mir stehen.
Ich springe.
Gegen die Gitterwand.
Ich sehe, wie die Wolfsschnauze sich durch eines der Gitterlöcher durchbohrt.
Ich bekomme Panik.
Ich springe weiter.
Kräftiger.
Gegen die Gitterwand.
Immer wieder gegen die Gitterwand.
Bis die Wolfsschnauze eines meiner Beine zu fassen kriegt.
Sie zieht mich an sich heran.
Ich kann erst gar nicht fassen, was hier passiert.
Ein Wolf frisst mein Bein?!
Erst jetzt der stechende Schmerz.
Ich will mich losreißen.
Ich kämpfe mit aller Kraft.
Es ist zu spät.
Ich kann nichts mehr tun.
Er bekommt mein zweites Bein zu fassen.
Frisst es.
Er schnappt nach meinem Bauch.
Er reißt ihn auf.
Er bohrt seine Schnauze in meine Gedärme.
Ich bin erstaunt, wie gelassen ich plötzlich bin.
Ich weiß, dass ich sterbe.
Höre den ohrenbetäubenden Lärm meiner Nachbarn.
Rieche Blut.
Das Gestank, das aus seinem aufgerissenes Maul strömt.
Das Gestank meines Darmes.
Gestank.
Gnädiger Windstoß.
So oder so ähnlich ist es vielleicht dieser Blaufüchsin auf diesem Bild gegangen.
| Vasabladet, 29.4.18 |
Sie wurde von einem Wolf zerfleischt.
So wie zwei ihrer Kolleginnen.
Und weitere neun erwachsene Füchse in unserer Region.
Plus 25 Welpen, die von ihren Müttern in Panik totgebissen wurden.
Plus 25 Welpen, die von ihren Müttern in Panik totgebissen wurden.
Wie allgemein bekannt und von vielen Umwelt-, Natur- und Tierschutzorganisationen angeprangert, ist Pelzzucht (hauptsächlich Blau- und Silberfüchse und Nerze) hier in Finnland nach wie vor üblich und ein nicht zu unterschätzendes Geschäft.
Im Artikel vom Vasabladet vom 29.4., dem ich das obige Bild entnommen habe, wird darauf hingewiesen, dass die Züchter heuer nicht den vollen Preis für den Schaden, den der Wolf ihnen zugefügt hat, ersetzt bekommen werden, zumal unvorhersehbar hoher Tierschaden (Rentiere, Schafe, etc.) landesweit entstanden ist.
Vielleicht noch ein paar Fakten:
Die Tiere verbringen Zeit ihres Lebens in einem Gitterkäfig mit einer Bodenfläche von 0,8 m² und einer Höhe von 70 cm.
Infos dazu gibt es auf der Pro-Fuchszüchter-Seite
https://profur.fi/sites/default/files/fur_farming_and_certification_of_finnish_fur_farms_03_2016.pdf
Wenn der Pelz geerntet wird, die Tiere also umgebracht werden, muss dass so geschehen, dass der Pelz nicht beschädigt wird. Sie werden getötet durch Elektroschock, Vergasung oder Gift, wenn sie Pech haben, werden sie erschlagen, in kochendes Wasser geworfen (hier vermute ich, dass es aufgrund ihrer Größe hauptsächlich die Nerze betrifft) oder das Fell wird bei lebendigem Körper abgezogen.
Infos dazu:
http://nachhaltig-sein.info/privatpersonen-nachhaltigkeit/pelze-pelzkragen-in-zahlen-infografik
Vielleicht noch ein paar Fakten:
Die Tiere verbringen Zeit ihres Lebens in einem Gitterkäfig mit einer Bodenfläche von 0,8 m² und einer Höhe von 70 cm.
Infos dazu gibt es auf der Pro-Fuchszüchter-Seite
https://profur.fi/sites/default/files/fur_farming_and_certification_of_finnish_fur_farms_03_2016.pdf
Wenn der Pelz geerntet wird, die Tiere also umgebracht werden, muss dass so geschehen, dass der Pelz nicht beschädigt wird. Sie werden getötet durch Elektroschock, Vergasung oder Gift, wenn sie Pech haben, werden sie erschlagen, in kochendes Wasser geworfen (hier vermute ich, dass es aufgrund ihrer Größe hauptsächlich die Nerze betrifft) oder das Fell wird bei lebendigem Körper abgezogen.
Infos dazu:
http://nachhaltig-sein.info/privatpersonen-nachhaltigkeit/pelze-pelzkragen-in-zahlen-infografik
Wir leben in der EU. Mit ihren vielen Gesetzen und Normen und Regeln verfolgt sie auf unterschiedlichste Art grundsätzlich das Ziel, das Leben (alles Leben) miteinander in Respekt und Würde zu gestalten.
Außerdem leben die meisten von uns in beheizten Räumen, sodass Pelz nicht für unser Überleben notwendig ist.
Ich möchte das so nicht haben.
Ich möchte nicht, dass mit meinem und unser aller Steuergeld die Pelzzüchter in ihrer Profitgier und in ihrer Ignoranz und in ihrer Faulheit unterstützt werden.
Profitgier, weil mit Pelzen noch richtig viel Geld gemacht werden kann. Immer noch. Auch heute noch.
Ignoranz, weil das Tier als Ware betrachtet wird. Als Gegenstand ohne Lebensenergie, ohne Schmerz, ohne Emotion, ohne Recht auf eigenes und erfülltes Leben. Als Gegenstand, der seine Daseinsberechtigung allein daraus zieht, dass er dem Mensch zum Genuss (zum Status, zum Geldgewinn, etc.) dienen darf. Dasselbe gilt im Übrigen auch in der Fleischproduktion, wie wir ja alle wissen.
Faulheit darum, weil sie sich mit dem Gitterboden jegliches Ausmisten sparen. Der offizielle Grund für diese Art von Boden ist natürlich ein anderer: Krankheiten werden vermieden. Danke. Nett.
Und dann kommt der Wolf.
Böser Wolf, der einfach seine Schnauze durch die Gitterlöcher steckt und die Füchse auffrisst.
Jo no na nid!
Dass der Züchter in dieser Geschichte der Geschädigte sein soll, wie im Zeitungsartikel berichtet, und Geld erstattet haben will, ist an Zynismus nicht zu überbieten. Und dass der dann auch noch Mitleid erfährt anstatt eine gscheite Strafe wegen Tierquälerei plus Zuchtverbot verpasst zu bekommen, das stößt an die Grenzen meines Verständnisses.
Money rules.
Manchmal ist es einfach nur frustrierend.
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen