Samstag, 18. Juli 2015

18.07.15 - Hopfen und...


... Malz, Gott erhalt's!?
Nein. Hopfen und Nudeln. Unser heutiges Abendessen.
 
Da steht eine Pflanze in unserem Garten,



die rankt sich am Zaun hoch in Richtung Himmel. Hopfen. Bisher hab ich ihn nicht einmal richtig wahrgenommen. Weil - unscheinbar und halt grün. Wie alles andere herum auch.
 
Glücklicher Weise haben wir nun 2 Tiroler Gäste, die mich aufgeklärt und gleich zum Kochen angefangen haben. Hopfensprossen mit Gemüsenudeln. Genial, was man so alles essen kann! Noch in Tirol lebend, hab ich gegessen, was es zu kaufen gegeben hat. Jetzt in Finnland, da gehen wir schon auch einkaufen, aber nur, um das bereits Vorhandene im Garten zu ergänzen. Mein Leben ist bodenständiger geworden (durch unsern Garten und unser Haus), leichter (zu zweit ist das Leben definitiv leichter als allein), variantenreicher (in kulinarischer Hinsicht), aber auch runder (physiologisch und geistig) und spannender (seit ich hier lebe, ist alles möglich und alles offen).
 
Das Leben verändert sich. Ständig. Das Leben ist Veränderung. Das Heute ist anders als das Gestern war und das Morgen sein wird. Und somit auch Ich. Und so hat es sich ereignet, dass ich nun mit meinem finnischen Mann in unserm finnischen Häusl sitz und mit grossem Bauch einer Zeit entgegenschaue, die sich mir bis dato völlig verschliesst, derer ich mich nicht einmal in meiner Phantasie annähern kann und die mir trotzdem ganz grosse Freude bereitet, allein dadurch, dass ich mich gedanklich damit auseinandersetze.
 
Irgendwie ist das so ähnlich wie mit meiner Radlreise zum Nordkap. In keinster Weise hab ich mir vorstellen können, was da auf mich zukommt. Ob ich das überhaupt schaffe. Ob ich all den Herausforderungen gewachsen bin. Und trotzdem war ich durchströmt von freudiger Erwartung und einem grossen JA in mir. Mit der klaren Gewissheit, dass das mein nächster notwendiger Schritt ist und somit das einzig Richtige.
So tauchen in den letzten Tagen immer wieder vergangene Radlreisebilder in meinem Geiste auf. Die Moskitos, die wie Regen gegen und auf mein Zelt geprasselt sind. Das Gewitter, mit dem ich um die Wette gefahren bin (ich hab gewonnen! :-)). Das Rentierfell, das mich vor der Kälte und der Härte des Nordens bewahrt hat. Mein Radl, das mir zur Freundin geworden ist. Das tiefe Vertrauen in das Leben, das mich Kilometer für Kilometer weitergetragen hat. Die Tankstelle, in der ich mich mit mindestens 7 Tees vergeblich versucht habe, aufzuwärmen. Der Mann, der mich gewarnt hat vor Lappland und meine inneren Reaktion: "Ja, das ist deine Wahrnehmung. Und muss nicht meine sein". Der Wind in meinen Haaren. Laut gesungenes "Here comes the sun" in den norwegischen Tunnels, um der Angst und der Feuchtigkeit etwas entgegenzusetzen. Erstens Mal finnische Sauna. Und das unendliche Einssein mit allem, was da ist.
 
Das Leben ist gross-artig. Ich möchte keine Sekunde missen. Ein Schritt ergibt den nächsten. Alles bleibt ein Wunder. Und nichts ist selbstverständlich.
 
Und dann find ichs aber auch wieder grenzgenial, dass es so viele Tage und Jahre in einem Menschenleben gibt, so dass man kein schlechtes Gewissen zu haben braucht, wenn man einfach mal einen Tag oder eine Phase seine Lebens vertrödelt, verschläft, unmotiviert auf der Couch herumlungert, kein Ziel verfolgt und sich vom Sumpf und von der Schwere einlullen lässt. Auch das darf sein.
 

Das ist ein Haus in Deutschland. In der Nähe von Passau. Und genau das ist es. Darums gehts. Mehr können wir nicht tun. Und das ist alles und vielleicht das Höchste, das wir erreichen können.

Sauna und Meer.
Hopfensprossen mit Nudeln.
Liebe in all ihren Facetten.
Bunte Blumenwiesen.
Hummeln.
Ein Mädchen, das mit seinen Eltern auf Besuch kommt und zu ihren Eltern sagt: "Ich bleib da. Ihr könnt heimfahren."
Mein Bauch, der sich regt und wölbt und verformt.
Menschen, die mir wohlgesonnen sind und in mir Freude und Wärme auslösen.
Die Sonne.
Die langen Tage.
U.a. diese Dinge sind es, die meinen Aufenthalt hier in dieser Welt unglaublich reich und kostbar machen.
 
Liebe Menschen, seit gewahr eurer Emotion. Lungert herum oder gestaltet aktiv und kreativ. Wie auch immer. Aber seid am Leben!
Im Grunde können wir nicht mehr tun, als es jeden Tag neu anzugehen, zu versuchen, zu wagen, unser Bestes zu geben. Selten wird es gelingen. Aber nicht nie. Und dann haben wir es wenigstens versucht. Weil - a bissl wos geaht ollm...
 
Ich grüsse euch aus dem finnischen Lande.
Pfiatenk und Hej då -
d'Birgit
 
 
 
 
 

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