Es ist wirklich unglaublich, und ich kann es mir selbst nicht erklären, doch Fakt ist, es bleibt keine Zeit für nix mehr. Wenn Kalle unterwegs ist, dann bedeutet das für mich: 24 Stunden Bereitschaft. Erklär einem kleinen, neuen Weltenbürger, dass du aufgrund von Schlafmangel grad selber furchtbar müde bist und eigentlich gern 15 min rasten würdest. Oder dass du nur schnell duschen gehst, also dann eh gleich wieder da bist. Das wird genau nicht funktionieren.
Ich jammere nicht. Ganz im Gegenteil. Manchmal, wenn ich ihn anschaue, dann durchströmt mich die Liebe, das Hingezogensein zu ihm so tief und so erbarmungslos, dass ich weinen könnt.
Es ist aber ganz klar so, dass sich mein Blick auf die Dinge, konkret: aufs Mamasein, verändert hat, seit ich selber Mama bin. Das Mamasein ist ein Fulltime-Job. Ein einsamer Fulltime-Job. Der Tag ist voll mit Baby und Haushalt. Da ist nix mehr mit mal in aller Ruhe einen Kaffee trinken. Oder nur mal schnell einkaufen fahren. Telefonieren? Puh... Ja, eh. Ich ruf dich an.
Jeder Spaziergang wird zum durchorganisierten Event. Wann hat er das letzte Mal gegessen? Muss ich vorher noch füttern? Hab ich die Windeln gewechselt? Wie lange hält ers aus ohne essen? Wohin könnt ich gehen und wie lange brauch ich dazu? Brauch ich dazu den Wagen oder den Tragsack? Und - wie kalt ist es? Wieviel Gwand braucht er, dass ers fein hat? Da kanns dann schon passieren, dass von dem Moment der Entscheidung "Wir gehen spazieren" bis hin zur tatsächlichen Ausführung gleich amal eineinhalb Stunden vergehen.
Und dann ruft mich Kalle an von einer seiner Geschäftsreisen und fragt: Und? Was habt ihr heute gemacht?
...
Flüchtlingsströme ziehen durch Europa.
Auf den meisten Bäumen sind schon fast keine Blätter mehr.
VW hat Schmäh geführt mit seinen Abgaswerten.
Jeder dritte Mensch in Wien hat blau gewählt, also, möchte gern die FPÖ ganz weit oben wissen.
Diese und alle anderen Dinge "da draussen" berühren mich nur mehr am Rande. Schäme mich fast dafür, und doch ist es so.
Meine Welt ist sehr klein geworden. Dreht sich in erster Linie um Max, und dann um uns, bevor dann amal a Zeit lang nix kommt und danach erst "die Welt". Ich hab mir das Muttersein in vielen verschiedenen Facetten ausgemalt, doch diese Farbe war so nicht in meinem Repertoire vorgesehen.
Mittlerweile ists dunkel geworden. Max gibt seine Aufwachtöne von sich. Und weiter gehts :-).
Habts es fein, liebe Leute!
Und schauts gut auf euch.
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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