Finnland. Als Teil Skandinaviens wird es in Österreich immer als Paradebeispiel für so vieles herangezogen, dass man glatt meinen könnte, hier herrsche das Paradies vor. Das Schul- und das Sozialsystem suche ihresgleichen, die Frage der Gleichbehandlung von Mann und Frau stelle sich nicht und ganz überhaupt ist "dort oben" sowieso immer alles besser.
Ich frage mich, wie es dazu kommt und wer solche Dinge aufgrund von welcher Grundlage in die Welt setzt.
Ich möchte meinem Erstaunen über das finnische System hier durch eine kürzlich erlebte Geschichte Ausdruck verleihen.
Ein Brief kommt ins Haus geflattert. Adressiert an Muller Birgit. Aufgrund des fehlenden Üs auf der finnischen Tastatur heisse ich in beinahe jeder offiziellen Stelle Muller anstatt Müller. Hier haben sie die Punktln mit dem Kugelschreiber nachgezeichnet, was ich schon wieder fast süss finde. Das Sozialamt also schreibt mir, dass sie vom Magistrat die Information erhalten haben, dass ich ein Kind geboren habe ohne verheiratet zu sein und dass ich aufgrund dessen mit dem Vater des Kindes im Amt zu erscheinen habe, um die Vaterschaft zu klären. Häh? Hierzu muss erklärt werden, dass nur unverheiratete Paare diesen Weg ins Amt machen müssen. Denn, bei denen weiss man ja nie, wer mit wem und wie oft und überhaupt...
Ein befreundetes Paar, ebenfalles unverheiratet (ts, ts, ts), hatte diese Prozedur bereits hinter sich. Auf die Frage, was uns da erwartet, haben sie gemeint, dass es eigentlich ganz harmlos ist. Es sei nur eine Frage zum Sexualverhalten der Frau um die Zeit der Empfängnis gekommen, sonst sei aber alles ganz ok gewesen. Was?!?!!! Ich war empört! Aber gleichzeitig wurde ich auch sehr neugierig auf das, was uns das erwartete.
Wir sind also nach Oravais. Zum Sozialamt.
Mit Max im Schlepptau. Der musste nämlich auch dabei sein (zwecks Gesichtsvergleich?).
Zu zweit haben sie uns in der Wartehalle abgeholt und uns durch das undurchsichtige Amtslabyrinth in ihr Büro geleitet. Das hat sich erst noch a bissi unheimlich angefühlt, grad so, als wollten sie uns getrennt voneinander befragen. Bis sich dann herausstellte, dass die 2. Frau eingeschult wurde und wir nach der Erstinformation nur ganz, ganz viele Formulare unterschreiben mussten. Das wars dann auch schon wieder.
Also, nicht weiter tragisch, oder?
Ja. Eh. Nur - diese klare Ungleichbehandlung von verheirateten und unverheirateten Paaren mutet mir völlig absurd an. Nur, weil ich nicht verheiratet bin, muss ich sagen: Ja, Kalle ist wirklich der Vater. Und, ja, ich teile mir die Aufsichts- und Sorgepflicht für Max mit ihm zu gleichen Teilen. Ja. Ganz echt. Hier habts sogar meine Unterschrift. Und er muss das seinerseits natürlich auch tun. Verheirateten Paaren bleibt dies zur Gänze erspart. Weil, bei denen ist die Sache ja klar, nit? (Wenn das Leben nur immer so einfach wäre!)
Andererseits - ich hab keine Ahnung, wie es in Österreich ist. Vielleicht noch absurder? Oder vielleicht ist das ja gar nicht absurd? Vielleicht ist das normal, dass man nur als verheiratetes Paar Kinder in die Welt setzen soll? Oder vielleicht ist es normal, dass unverheiratete Paare sich ruhig rechtfertigen und erklären sollen, wenn sie schon nicht gewillt sind, den "guten" Weg zu gehen?
Was weiss ich. Vielleicht bin ich auch nur sehr sensibel.
Verbleibe recht freundlich und mit einem verwunderten
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
PS: Sie wollten nicht einmal wissen, wie er heisst. Er ist also offiziell immer noch "Pojke" (Junge). Irgendwie traurig.
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