Endlich! Der Bescheid ist da!
"Sehr geehrte Frau Müller! Wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie aufgrund des Auswahlverfahrens zur Massageausbildung zugelassen sind!"
So oder so ähnlich würde dieses E-Mail wohl auf Deutsch klingen, würd ich jetzt irgendwo leben, wo man Deutsch spricht.
Ich sitze im Kaffeehaus, während ich das lese.
Und ich denke an unsere 100-Jahr-Feier, die wir morgen in unserem Garten veranstalten.
Und mir kommt dieses Buch in den Sinn, das mir die letzten Wochen überall hin gefolgt ist.
Und die Spaziergänge, jeweils 10 km lang, in denen ich den Stoff mir selber laut vorgesagt habe.
Ich schaue aus dem Fenster. Dort auf dem Marktplatz findet gerade ein Europamarkt statt mit Standln, die verschiedene Wunderbarigkeiten aus ganz Europa anbieten. U.a. Apfelstrudel und Parmesan.
Und ich weiss noch immer nicht, wie das Schulterblatt auf Lateinisch heisst.
Ich bringe meine Kaffeetasse zurück und widme mich weiter meinen Einkäufen.
Und dann fahr ich heim.
Hubert von Goisern singt für mich und verbreitet wohliges Gefühl in der Bauchgegend.
Freu mich auf den Kaffee, der bereits auf mich wartet.
Freu mich auf Max' Gewachtl und seine Umarmung, wenn er dann auf mich zugerannt kommt.
Sehe Kalle vor meinem inneren Auge...
Und plötzlich durchfährt mich eine Welle von freudigem Stolz.
Völlig unbedarft und planlos bin ich einst in dieses Land gezogen. Schon etwas naiv, wie ich zugeben muss.
Und dann hab ich einem kleinen Menschen in diese Welt verholfen.
Und dann hab ich mir das Leben in diesem neuen Land Schritt für Schritt erobert.
Ich habe eine neue Sprache gelernt in einer Weise, die auch Humor und Spontanität zulässt.
Ich bin von "Kalles neuer Freundin" zu Birgit mutiert.
Und ich habe Menschen in einer höheren Position insofern von mir überzeugt (auf Schwedisch!), dass sie sagen: Hey, ja, mit der wollen wir die nächsten 1,5 Jahren zusammenarbeiten.
Cool, oder?
Heute in der Früh, bevor ich das E-Mail von der Ausbildung gelesen hab, hab ich eine E-Mail an eine Firma geschrieben mit dem Hinweis, dass es aus diesem und jenem Grund ausserordentlich wichtig für sie wäre, hätten sie ihre Homepage auf Deutsch. Und - so ein Glück für sie, ich bin deutsche Mutterspracherlerin und könnte ihnen diesen Dienst anbieten.
Mit der Ausbildung wird es wohl nix werden dieses Jahr. Der zeitliche Aufwand ist zu gross.
Aber das macht nichts.
Es ist genial, die Freiheit des Versuchs zu leben. Dieses Probieren mit aller Energie und Hinwendung, dann wieder der Schwenk auf etwas anderes mit aller erforderlichen Intensität, da a bissl Kontakt und dort a Gespräch oder a E-Mail, und ganz langsam und wie von selbst entsteht ein Netz an Möglichkeiten, Ideen, Alternativen, aus denen sich im besten Falle irgendwann Standbeine entwickeln.
Ich mache und erlebe Dinge, die ich mir früher nie zugestanden oder getraut hätte. Das erfüllt mich mit Bauchkribbeln und Lebendigkeit, dass es nur so eine Freude ist!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
| Unsere Sonnenblumen. Sie und ich befinden uns in einer ähnlichen Phase, wenn ich es mir recht überlege. |
Gratuliere, liebe Birgit!!! Woaw, genial :) ...Geduld, Berharrlichkeit und auf die innere Stimme vertrauen, dann kommt sicher was Gutes raus :)
AntwortenLöschenDanke, lieber Berni! Bin ganz deiner Meinung :-)!
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