Manchmal, da plätschert das Leben einfach so vorbei. Man steht auf, tut, was zu tun ist, die grossen Emotionen sind passé, die Automatik ist an, und ehe man sichs versieht, ist der Tag schon wieder vorbei.
Ist das so?
Ja. Manchmal vielleicht.
Aber dann gibt es Epochen wie diese. Das sind Tage, die sich mit Highlights grad so überschlagen, Tage, an denen man aufpassen muss, dass man noch irgendwie nach- und mitkommt.
"Thelma und Louise", ein Roadmovie, der mich in einem früheren Leben derart inspiriert hat, dass ich, junge, unbedarfte Giitsch, allein mitten in der Nacht ins Nachbardorf gefahren und dort in die Disco gegangen bin. Das war schon was in dieser Zeit. Diesen Film habe ich jetzt, Jahrzehnte danach, für fast nichts auf dem Flohmarkt gefunden.
Er war unser Abendprogramm, und ohne es zu beabsichtigen, war das der Startschuss ins Abenteuer (schon wieder).
Er war unser Abendprogramm, und ohne es zu beabsichtigen, war das der Startschuss ins Abenteuer (schon wieder).
Nächster Tag: Einkaufen steht auf dem Programm. Auf dem Weg zum Geschäft steht an einer Wegkreuzung ein Schild mit folgendem Hinweis:
"Kalapää 10 km".
Mr. Jürgens war noch niemals in New York, ich war noch nie in Kipilää. Nicht, dass es mich sonderlich hinziehen würde, aber - Max ist grad eingeschlafen. Sollten wir nicht einfach die Gelegenheit beim Schopf packen?
Ok.
Da ist Wald. Viel Wald. Ein Wald, der kein Ende nimmt. So weit, so alt bekannt. Nach wenigen Kilometern aber tut sich uns eine Welt auf, die ist Atem beraubend. Nein. Ich übertreibe nicht. Atem beraubend, als ich rausgeh und dieses Foto schiesse:
Da ist Wald. Viel Wald. Ein Wald, der kein Ende nimmt. So weit, so alt bekannt. Nach wenigen Kilometern aber tut sich uns eine Welt auf, die ist Atem beraubend. Nein. Ich übertreibe nicht. Atem beraubend, als ich rausgeh und dieses Foto schiesse:
Atem beraubend nicht ob der Schönheit, aber ob der Kälte. Puh. So schnell hab ich selten ein Foto gemacht. Als ich wieder reinspring ins Auto, zeigt das Thermometer - 15꠶ C. Das ist ja eigentlich nicht so kalt, aber - ich bin alt geworden. Dieser Moment des Erkennens geht durch Mark und Bein.
Wir fahren weiter. Um den Prozess ein bisschen abzukürzen, sause ich ins Geschäft, während meine beiden Männer im Auto warten, der eine schlafend, der andere Nachrichten lesend.
Darf ich vorstellen, mit welchen Vehikeln man hier zu Lande einkaufen fährt?Voilá!
Links ein Auto, rechts ein Einkaufswagen, und in der Mitte? Ein Sparkstötting! Manchmal sind sie einfach nur süss, die Finnen.
Bin bald fertig und wir machen uns - nun mit dem aufgewachten und lachenden Max - auf den Weg ins Schizentrum von Vörå.
Hier fehlen mir angemessene Worte.
Es schaut aus wie zu meiner Kindheit in meinem Heimatdorf. Ein Bichl. Ein Schlepplift. That's it. Na ja. Fast. Die Schisprungschanze gabs in meiner Kindheit nicht. Trotzdem - herrlich!
Da uns schon bald die Zehen und die Finger abfrieren, machen wir uns auf den Weg nach Hause.
Und dort wartet dieser Geselle auf uns.
Grad über die Strasse drüber steht er da, schaut, frisst, schaut, und tut so, als gäbe es grad nichts, das besser und richtiger wäre, als hier zu stehen und zu fressen und zu schauen.
Wir sind tief bewegt.
Und gehen rein.
Und gehen rein.
Der Abend ist voll mit Diesem und mit Jenem. Und dann, als endlich Ruhe einkehrt, nehme ich die Zeitung zur Hand. Ich liebe diesen Moment. Ich lese von Kaninchen, die mit der Leine um den Hals über aufgebaute Hindernisse springen, von Wölfen, die zu viel werden und den Jägern das Leben schwer machen, weil ihre plötzlich aufkeimende Todesangst sie an der Hasenjagd hindert, ich lese von einer Frau, der die Kniescheibe rausspringt und der keiner hilft, und ein bisschen amüsiert über die Dinge, die die finnische Welt bewegen, widme ich mich zu guter Letzt dem Wetter.
Oh.
Schnell gehe ich zum Ofen lege noch ein bisschen Holz nach.
Was sonst soll man mit einer Temperaturprognose von - 34 ꠶ C tun?
Wie schön, dass wir zu zweit sind und im Bett eine riesengrosse Kuscheldecke auf uns wartet :-)!
Nächster Tag. Ich bereite meinen Deutschunterricht vor und frage mich, wie ich am besten den Dativ und seine Anwendung erklären soll. Dabei schaue ich Magnus zu:
Auf seiner Homepage steht, dass er als kleiner Junge nichts lieber getan hat, als auf Bäumen herumzukraxeln. Heute hat er diese Kindheitslust zu seinem Beruf gemacht. Er hat eine Firma, die sich castortreeworks nennt und hat sich mit ihr spezialisiert auf "fällning av problemträd", also auf das Fällen von Problembäumen. Und er lebt davon. Heute ist er bei uns und verhilft uns zu mehr Licht, indem er sich fünf hoch gewachsenen Bäumen widmet.
Ich schau ihm zu und denk mir lei: "Wow!" Man muss echt nur kreativ sein. Und sich was trauen. Dann kann man auch davon und damit leben!
Das Leben rinnt durch meine Adern.
Und durch deine!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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