Ich wollte eigentlich diesen Blog damit anfangen - ich hab mir das gestern Abend vor dem Einschlafen so schön ausgemalt -, dass die dunkle Nacht immer noch über dem Land liegt, meine beiden Männer noch schlafen, usw., usf.. Derweil stimmt das überhaupt nicht. Die morgendliche Nacht ist hell. So hell, dass jede Glühbirne sich erübrigt.
Es ist halb 6. Die Sonne hat sich noch nicht heraufgearbeitet über den Horizont, aber es ist Tag. Ganz klar - Tag!
Wow...
Wow...
Ich schau mich um, an mir hinunter, und stelle fest, alles ist ok.
Alles wird gut.
Ich habe wieder einen finnischen Winter überstanden. Und überlebt!
Die Wunden wollen geleckt werden...
Ich liebe diese Morgen. Ganz egal ob hell oder dunkel.
Das Feuer knistert hinter meinem Rücken. Der Kaffee tut seine Wirkung. Und ich lese. Es ist das erste Mal, dass ich ein Buch auf Schwedisch lese ohne Hilfe meines Wörterbuches. Und ich spüre eine leise Selbstzufriedenheit - Stolz?. Es ist wie ein Durchbruch. Mit dem Sprachenlernen scheint es so zu sein, dass ab einem bestimmten Level die Sprache sich selber lernt. Ohne Zutun. Das passiert dann einfach über den Alltag, über Gespräche, Zeitungen, Sprachfetzen, die man irgendwo aufschnappt. Das ist schon sehr cool.
Das Buch, das ich lese, heisst: "En dag" - also "Ein Tag". Es ist fantastisch. Ich liebe es, von Geschichten aufgesogen zu werden. Ein Buch, das daherkommt wie ein Spaceshuttle und mich mitnimmt nach Griechenland. Zur Sonne. Ans Meer. Zu zwei Menschen, die es nicht wagen, sich zu zeigen, und sich ins Abstruse verrenken, um den Schein zu wahren.
Buch zu. Wieder in Finnland. Feuer im Rücken. Kaffee in der Hand.
Kurzreisen sind herrlich.
Obwohl der Schnee noch alles unter sich begräbt und obwohl die Temperaturen in den Nächten auf kalte -18∘C klettern, so trage ich doch schon den nahenden Frühling mit mir herum. Das Licht lässt vereiste Gefühlsknoten schmelzen. Sie lösen sich in konkrete Zukunftsvisionen und Jetztfreuden auf.
So gehe ich mit Max eine Runde spazieren. Er klettert am Strassenrand von Eisbrocken zu Eisbrocken (auffi, und ho-hopp - oi), ich spür die Sonne im Gesicht und Max' Hand in meiner, und mir ist, als wär ich nie glücklicher gewesen.
Ich komme heim von meinem Friseurbesuch, was bis jetzt immer eine emotionale Herausforderung für mich war, die ihresgleich suchte (auch dieser Knoten hat sich dank Marie, meiner neuen Friseurin, gelöst) und da wartet Kalle mit einem Schokolademousse auf mich. Um meine Frisur zu feiern.
Max entdeckt das Malen und malt ganz viel Gelb (Sonnen) und ganz viel Grün (Wiese), weil "Mama måg den Frühling soooo gerrrn!".
Während einer ruhigen Minute lese ich in den österreichischen Nachrichten, dass Finnland das Land mit den glücklichsten Menschen sei. Und, damit nicht genug, es sei auch das Land mit den glücklichsten Einwanderern.
Echt? Da bin ich doch tatsächlich so selbstbezogen, dass ich das gar nicht bemerke! Wenn ich so in mich und um mich herum schau, dann kommt mir immer vor, ich sei die einzige, die gestolpert und mit dem Kopf voraus in den Glückstopf gefallen ist.
Aber, super, wenn ihr mich eines besseren belehrt, ihr lieben Finninen und Finnen! Lasst uns gemeinsam glücklich sein :-)!!!
Oh, wie nett! Eine Kohlmeise inspiziert gerade den Brutkasten, ob er ihm und den Ansprüchen seiner zukünftigen Frau und Kinder genüge tut.
Der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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