Freitag, 16. September 2016

16.09.16 - Es geht!


Es geht tatsächlich.

Es geht, einen Unterricht abzuhalten, Menschen ein gutes Gefühl zu vermitteln, ihnen Dinge zu erklären, miteinander zu lachen, ein klares Auftreten zu haben, sich kompetent zu fühlen, obwohl die Sprache nicht zu 100 % flutscht.

Es geht, Freude am Herbst und seinen tanzenden, lustig fliegenden Blättern, seiner Klarheit und Frische in der Luft, seiner Lust auf einen warmen Ofen in einem kuscheligen Zuhause, seiner Botschaft von nicht mehr, aber auch noch nicht, zu haben, auch wenn dieser bis jetzt immer verbunden war mit Melancholie und Traurigkeit.
 
Es geht, auf jemandem im Geschäft zu treffen, und mit ihm zu plaudern, dabei Fehler zu machen und so zu tun, als sei das normal.
 
Es geht, jemanden auf der Strasse anzusprechen, auch wenn ich mir komisch dabei vorkomme, einfach nur deshalb, weil er mit dem Radl unterwegs ist und ich weiss, wie wohl es auf so einer Reise tun kann, jemanden kennenzulernen.
 
Es geht, den Abend mit einer Vielzahl an Stechmücken und Fliegen im Haus zu verbringen, und dabei gelassen zu bleiben. Max hat sein Moskitonetz über dem Bett, und ich - ach, ist ja wurscht. Das Unangenehme nach einem Stich vergeht eh gleich wieder.
 
Es geht tatsächlich, Dinge anderes zu sehen und zu empfinden als man es bisher gewohnt hat.
Und es geht tatsächlich, sich dem Risiko der Peinlichkeit auszusetzen.
 
Ich sitze mit Max auf unserer Wiese vor dem Haus. Die Sonne scheint. Die frisch gewaschene Wäsche auf der Wäscheleine wachtelt im Wind. Die Blätter unserer riesengrossen Birke lassen los und sich fallen, ohne zu wissen, was sie erwartet, nur um sich dann wie ein gelber Teppich um uns und auf uns zu legen. Max nimmt ein Blatt. Und einen Grashalm. Und dann noch ein Blatt. Und quietscht a bissi über seine Entdeckung. Meine Gedanken wandern. Sehen einer Libelle zu, wie sie ihre Bahnen zieht mit ihren metallisch-schillernden Flügeln.
Und Max zeigt aufgeregt auf einen Baum hinter meinem Haus. Ich schaue. Da sitzt eine Krähe. Max streckt seine Arme aus, flattert mit ihnen und macht Kchr! Kchr! Kchr!.  Ich muss lachen.
Und plötzlich ist mir alles klar.
 
Es geht. Es geht tatsächlich, leicht und frei durchs Leben zu gleiten, sich an Schönem zu erfreuen und anzuerkennen, was ist. Das ist alles.
Und vielleicht ab und zu mit den Armen zu wachteln und laut Kchr! Krchr! zu rufen.
 
 
 
 
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
 
 
 

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