Samstag, 24. September 2016

24.09.16 - Happy Birthday, lieber Max!


Hast du Zeit für mich? Also, ich meine wirklich - Zeit? Nicht nur so a bissl nebenbei zum mal kurz Reinschauen, sondern so ganz richtig? Ja? Gut! Dann bitte ich dich, geh jetzt auf www.youtube.com, und gib dort "george harrison my sweet lord" ein. Lehn dich zurück, mach dirs fein und schenk dir diese 4:40 Minuten. Und dann sehen wir uns wieder.

Hallo! Und? Wie wars?

Das ist unser Lied. Also, Max' und mein Lied. Manchmal tanzen wir dazu durch das ganze Haus, kurz, bevor er sich hinlegt. Dann halte ich ihn ganz fest, unsere Köpfe liegen aneinander, meine Augen sind zu und wir lassen uns einfach nur tragen und bewegen von der Musik und von den Gefühlen, die da kommen. Und gehen. Und kommen. Und gehen.

Wir schreiben den dreizehnten September im Jahre zweitausendundsechzehn.
 
Max wacht auf. Wie besprochen versuchen wir beide, aus dem Bett zu springen. Kalle gelingt es ohne weiteres, während ich ordentlich zu tun habe. Aber während ich noch versuche, mich aus den unendlichen Tiefen der Nacht hochzustemmen, nimmt Kalle Max und sie machen einen Spaziergang durchs Wohnzimmer, sie suchen Martin, unseren Baumenschen, indem sie aus jedem Fenster schauen, obwohl wir genau wissen, dass er heute nicht kommt, sie sagen "Guten Morgen!" zu all den netten Menschen auf den Fotos, die in unserer Stube hängen, und derweil habe ich es endlich geschafft, in dieser Welt anzukommen und renne in die Küche, stelle den Kuchen (ohne Zucker, dafür mit viiiel Himbeeren) auf den Tisch, drücke die Kerze rein und zünde sie an. Max wird langsam unruhig. Denn das morgendliche Ritual verlangt nach einheizen. So wie jeden Tag.
 
OK. Fertig.
 
Sie kommen um die Ecke. Max auf Kalles Armen. Es ist noch ziemlich düster, und die Kerze erleuchtet den Küchentisch und den Kuchen mit ihrem warmen Schein.
 
Max schaut. Er ist müde. Und wir fangen an zu singen: "Happy birthday to you...". Und dann "Alles Gute für dich...". Und dann: "Ja må han leva...". Wir singen. Und Max' wechselnde Gesichtsausdrücke sind besser als jeder Film und besser, als jede Beschreibung das je schildern könnte.
Wir singen. Und Max schaut erstaunt zu mir, die ich beim Küchentisch stehe. Er sieht die Kerze. Er schaut zu Kalle. Er schaut zu mir. Wir singen immer noch. Und weil er es liebt, wenn wir singen, fängt er an zu lachen. Und er schaut auf die Kerze. Und seine Arme und Beine fangen an zu fliegen und alles zieht ihn hin zum Tisch und zum Kuchen. Er schaut wieder vom Kalle zu mir zum Kalle zu mir... Und mit grossen, strahlenden Augen und einem riesigen Lacher von einem zum anderen Ohrwaschl fängt er an, uns zu dirigieren. Und er quietscht. Und er lacht. Und er leuchtet. Und er ist so schön.
 
Das ist unser Sohn. Unser kleiner, lieber, wunderbarer Sohn.
Immer noch durchfährt mich ein Schaudern, wenn ich an die Geburt zurückdenke.
Immer noch durchfährt mich eine tiefe Ehrfurcht vor dem Leben, vor diesem Wunder, das bei dieser Geburt passiert ist.
Max, dieser kleine und vollständige Mensch, der ist echt in mir gewachsen und aus mir herausgekommen?!?!? Es ist ja nicht nur der Körper, der perfekt ist, der alles hat und alles kann, was ein Körper haben und können muss, es ist ja auch er, der Max, er mit seinem Wesen und er mit seinem Sein. Oh, wenn ich da weiterdenke, wird mir ganz schummrig.
 
Ein ganzes Jahr schon sind wir zu dritt. Ich bin Mama. Ich bin Partnerin. Ich!
Viele Dinge gehen mir durch den Kopf.
Ich weiss noch, dass es Zeiten in meinem Leben gab, da habe ich es mir nicht einmal vor mir selber zugestanden, auf eine eigene Familie zu hoffen oder mir eine solche zu wünschen.
Und ich weiss noch die Anfangszeit hier in Finnland.  Arbeitslos. Maxlos. Baustellenlos. Aus heutiger Sicht frage mich: Was haben wir denn da gemacht?
Max steht am Ofen, er will mir etwas zeigen. Ich schaue gerade nicht hin. Und er sagt mit seiner wunderbaren Stimme: "Mama!" Und es durchfährt mich warm und strahlend von oben bis unten und mitten hinein ins Herz. Es gibt jemanden, der Mama zu mir sagt!
 
Wir waren am Geburtstag "nur" zu dritt. Das war alles, was wir gebraucht haben. Vielleicht bin ich ein bisschen komisch, aber mir war dieser Tag so intim, dass ich da hätte gar niemand anderen dabei haben wollen. Ich nehme an - auch das wird sich verändern.
 
Alles Gute, mein lieber, kleiner, schöner, süsser, mutiger, wunderbarer Max!
Danke für dieses erste Jahr! Danke für jeden einzelnen Tag!
 
 


Auf dass noch viele weitere Tage folgen mögen!

Pfiat enk und Hej då -
d' Birgit
 
 
 

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