Etwas ratlos wandert mein Blick an ihr entlang. Sie liegt kühl und schwer in meiner Hand. Ihr schwarzes Metall reflektiert die Sonne. Dort, wo die Hand sie halten soll, hat sie einen gelben Aufsatz.
Ok. Ich fang am Besten einfach mal an. Ein Zug, naja, ein halber - und schon steckts. Sie lässt sich weder vor- noch zurückbewegen. Häh? Was mach ich falsch? Kaaaaaalle!!! Ah ja! Ok. No amal. Vor. Zurück. Ja. Geht schon besser. Und - zack. Schon wieder steckts. Aber egal. Jetzt weiss ich ja, warum. Noch ein Versuch. Und noch einer. Bald schon wird mein Tun flüssiger. Und die Säge, dieses anfängliche Kuriosum, zu meiner Verbündeten.
Ich, ein Stapel Bretter, das Gestell und die Säge. Das ist alles, was zählt. Das ist alles, was ist. Mir wird schnell warm, während ich Stück für Stück die Bretter zerkleinere und sie auf einen Haufen werfe, der schnell wächst. Oh, wie befriedigend! Die Säge singt, während sie sägt. Und meine Gedanken wandern. Und meine Augen schauen dem Sägeblatt zu, das sich immer weiter ins Holz frisst, bevor wieder ein Stück auf den Boden fällt.
Irgendwo dort drüben sind meine beiden Männer. Sie sind ihrerseids beschäftigt, indem sie mit Zange und Hammer Nägel aus den Brettern ziehen. Wir alle tun was, während sich die Vögel gesanglich auf den Frühling einstellen und der Wind uns davor bewahrt, zu sehr zu schwitzen. Es ist eine reine Freude.
Ich denke an mein früheres Leben. Und spüre eine ungemeine Wonne.
Mein Leben ist einfacher geworden. Ich säge. Ich hacke. Ich schleppe Körbe voller Holzscheitl ins Haus. Ich mache Feuer bei Bedarf. Ausserdem wechsle ich nur mehr die Windeln meines Sohnes. Und versuche ich, meine soziale Kompetenz und mein pädagogisches Wissen einzubringen, dann nur mehr für uns, für die Beziehung und für meine Familie. Manche Karrieregeister mögen meinen Lebensstil in Frage stellen. Für mich hingegen ist die Reduktion auf das Wesentliche und die daraus resultierende Unmittelbarkeit etwas Fantastisches.
Ich fühle mich durch unsere Lebensweise weitaus unabhängiger und selbstbestimmter. Wir kaufen kein Öl von Arabien. Und wenn einmal der Strom ausfällt, geht die Welt auch nicht unter, weil wir - zumindest a Zeit lang - auch sehr gut ohne leben können. Will ich in die Natur, brauche ich keinen Spaziergang, kein Auto, nicht einmal ein Ziel. Ich mache einfach nur die Türe auf und bin mittendrin. Diese Natur, die ich dort finde, ist nicht gemacht. Sie ist.
Ich lese diesen Text, stelle fest, dass er eigentlich hauptsächlich aus ausformulierte Aufzählung besteht, und frage mich: Wer liest schon gerne Aneinanderreihungen von Tolligkeiten?
Ich antworte mir: Sicher der eine oder die andere.
Ich möchte euch hiermit hochoffiziell an meinen neuesten Erkenntnissen teilhaben lassen!
1. Erkenntnis: Körperliches Arbeiten tut wohl!
2. Erkenntnis: Der Fokus weg vom Überflüssigen hin zum Relevanten noch viel mehr.
Auf dass das Herz vor Freude einen Sprung mache!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

Woaaw Birgit, wie schön. Ich kann nicht aufhören zu grinsen wenn ich mir euch drei so vorstelle :)
AntwortenLöschenDanke fürs teilhaben lassen. Das macht glücklich und inspiriert!
Uiiii, das tut gut :-)! Danke, Berni!
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