Samstag, 20. Januar 2018

21.01.18 - Einer dieser Tage


"Na, ge. Er ist ja noch viel zu klein!"
Das war meine Standardantwort auf die immer wieder von allen möglichen Menschen hereintröpfelnde Frage: Wann kommt er dann in den Kindergarten? 

So hab ichs immer gehalten. Und diese Strategie war ausserordentlich wirksam. So wirksam, dass ich es selbst geglaubt habe und dieses leidige Thema immer in die Schublade mit der Aufschrift "Zukunft" zurückgestopft habe, sobald es sich über obg. Fragen oder aber auch über diverse Ideen für eventuelle Berufsmöglichkeiten gezeigt hat. 

Und gestern ist es passiert. Ich blättere die hiesige Tageszeitung durch, bin relativ unkonzentriert und lese kaum mehr als die Überschriften. Und da springt mir diese Schlagzeile ins Auge und gleich weiter auf geradem Weg ins Herz, das grad so anspringt, als hätt' ein Braunbär an die Terrassentür geklopft. 
"Kindergarteneinschreibung für kommenden Herbst noch im Jänner" heisst es da. 
WAS???? JETZT!??!!!! Noch im Jänner???!!!?
Wir wollten ja noch reden mit den Mitarbeitern aller Kindergärten hier in der Nähe über ihre Arbeitsweise, die pädagogische Konzepte, die Tagesabläufe,...!
Wir wollten ja noch nachdenken, was sich als gscheiter erweisen würde auf längere Sicht gesehen: ein finnischsprachiger oder ein schwedischsprachiger Kindergarten?
Aber nein, was war mit der Tagesmutteridee? War ja auch super, oder?
Und überhaupt - ist das echt notwendig? Ich könnt mir ja meine Arbeitszeiten irgendwie so einteilen, dass es sich irgendwie ausgeht. 
Und, und, und - NEIN!!! Ich will nicht!!!
ER IST JA NOCH SO KLEIN!!!

Schnitt. 

Ich langlaufe. Ich mag das. Ich bin fast immer allein auf dieser Loipe und kann neben der Tatsache, dass ich meinen Körper ein bisschen trainiere, diese Zeit gut nutzen für meine Gedanken und inneren Bilder, welche auch immer da so daherkommen wollen.
So auch dieses Mal. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich dieses Mal meine Gedanken ein bisschen lenke.

Ich selbst war nie in einem Kindergarten. Und ich hab diese Freiheit, die ich hatte, dieses Draussensein mit meinem Radl und mit meiner Rodel, je nach Jahreszeit, total genossen. 
Freiheit ist ein unschätzbares Gut. Etwas so Grosses und so Wichtiges, das ich meinem kleinen Buam nicht wegnehmen will. Dieses Einordnen in Menschen gemachte Systeme und Strukturen kommt noch früh genug.
Aber ich spürs, das ist nicht der Punkt, der meine Abneigung begründet.
Ich komme drauf. Ich habe schlicht und einfach Angst. Ich habe Angst, dass dort unprofessionelle oder/und inkompetente Menschen arbeiten und Ideen in das Hirn und in das Herz meines kleinen Max setzen, die ihm schaden. Das geht so leicht. Das geht so schnell. Und es gibt so viel Unbedachtheit in dieser Welt und aber auch so viel komische und leider allzu oft auch destruktive Weltbilder, dass mir ganz schummrig wird, wenn ich darüber nachdenke.

Ui. Die Schneeflocken werden vom Wind derart in mein Gesicht geschleudert, dass sie stechen wie zig kleine Nadeln. 
Keine Zeit zum Nachdenken.
Ein grosser Bichl.
Schnaufen.
Schwitzen. 
Schneuzen.
Weiter.
Mein Rücken dreht sich endlich wieder dem Wind zu, sodass sich mein Gesicht und somit auch meine Gedanken wieder entspannen können.

Ich geniesse den Winter.

Und ich spüre endlich wieder so etwas wie Vertrauen.
Es gibt so viele wunderbare Menschen mit grossartigen Ideen und achtsamer Lebensweise. Auch im pädagogischen Arbeitsumfeld.
Und Max ist super unterwegs in seinem Leben. 
Er steht in ständigem Austausch mit sich selbst und seiner Umwelt, er stellt sich Herausforderungen und holt sich Hilfe, wenn er sie braucht. Sein Selbstvertrauen ist gross und die (Über-)Lebens-Strategien, die er sich bereits angeeignet hat, sind phänomenal. 

Jetzt meld ma ihn halt mal an.
Und dann reden wir in aller Ruhe mit den Menschen dort, schauen uns die Räumlichkeiten an, spüren eini in die Athmosphäre, schauen in die Gesichter der Kinder, die dort sind,...
Und dann schau ma, wie Max unterwegs ist. Wie sein Bedürfnis nach Freunden und Spielgefährten sich entwickelt.
Und so schau ma, und dann seh ma ja.
Abmelden können wir ihn immer noch.
Ummelden auch.

Und ich stelle wieder einmal fest: Mamasein ist echt nicht einfach!
Und damit meine ich nicht die Entscheidungen, die man für sein Kind treffen muss. Nach einer ehrlichen und lösungsorientierten Diskussion mit Kalle kommen wir immer auf etwas, das sich richtig anfühlt. 
Die wahren Herausforderungen für mich sind meine eigenen Gefühle, die da mit einer unglaublichen Wucht daherkommen und angeschaut und gespürt werden wollen. 
Und man kann nicht ausstellen...

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit





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