Vor kurzem wurde ein Video auf Facebook verbreitet. Dort sah man einen Mann in Eislaufschuhen über die finnischen Strassen laufen, während ihm jemand mit Kamera über mehrere Kilometer gefolgt ist. Das war schon erstaunlich. Aber man hat gesehen, das Eis auf der Strasse war so glatt, dass sich der Himmel darin gespiegelt hat. Es war ein richtig schöner Anblick, wie er frei und ohne Sorgen über eventuelle Hindernisse wie Asphalt oder Schnee oder kleine Erhebungen dahingegleitet ist, dem Sonnenuntergang entgegen, wie Lucky Luke, der lonesome Cowboy.
Als ich das Video gesehen habe, hab ich mich an eine Begebenheit im letzten Jahr erinnert, wo ich genau dasselbe erlebt habe, mit dem einzigen Unterschied, dass ich in meinem Auto gesessen bin und versucht habe, ebendieses auf der Strasse zu halten.
Ich war nicht weiter beunruhigt. Die Firma, die letztes Jahr für die Wegerhaltung beauftragt wurde, ist zwar immer noch beauftragt, aber sie hat Strafe zahlen müssen für die Nichteinhaltung ihrer Pflichten. Also, so hab ich mir gedacht, wird heuer alles gut.
Und bis jetzt - ja, es gab schon so einige, die sich beschwert haben. Sogar ein Zeitungsartikel wurde darüber verfasst. Aber für mein Gefühl war es eigentlich noch ziemlich ok. Ich mag kleine Abenteuer, und es war nie so, dass ich es nicht gewagt hätte zu fahren.
Bis zum Donnerstag Abend.
Aufgrund eines zusätzlichen Deutschkurses fahre ich jetzt jede Woche einmal nach Smedsby. Das sind ungefähr 40 km von hier.
Es hat viel geschneit gehabt und es war kalt. Bis dann am Mittwoch Nacht aus der eisigen Kälte plötzlich Plusgrade wurden. Man muss wissen, dass diese Temperaturveränderung auf sich selber überlassenen Strassen zu Eisbildung führt. Das weiss man als ÖsterreicherIn vielleicht nicht, weil man aufgrund des Strassendienstes dort kaum einmal mit diesem Phänomen konfrontiert wird. Dieses Eis aber auf den hiesigen Strassen gehört zum finnischen Winter wie die Dunkelheit und der Glögg.
Auf der Hinfahrt fühlte ich mich einigermassen ruhig und sicher. Es brauchte eine grosse Portion Konzentration, aber das kann man ja ruhig aufbringen, wenn man mit dem Auto fährt.
Meine Deutschstunde war um - "Man hört Gerüchte, du seist aus Österreich. Stimmt das?", so einer meiner Schüler zur Begrüssung - und ich freute mich, diese grosse helle Stadt verlassen und wieder heim zu meinen 2 Männern fahren zu können.
Alles ging gut, bis ich von der grossen Strasse, die fast bis zum Nordkap führt, abbog und die letzten 12 km in Angriff nahm. An der Kreuzung noch empfing mich dieser schmale Weg mit einer Eisesglätte, dass ich echt überrascht war. Aber es war gut machbar. Es gab viele aufgerauhte Stellen (hier in Finnland gibt es Eisaufrauhmaschinen, welche anstatt von Salzstreumaschinen eingesetzt werden...) und mancherorts lag gar ein bisschen Schnee herum. Ich hantelte mich mit meinem Auto also von einer griffigen Stelle zur nächsten und kam gut voran.
Ich erreichte die Brücke die unsere Insel mit dem Festland verbindet. Sie ist gesäumt von orange leuchtenden Strassenlaternen. Und was ich da sah, war Respekt einflössend. Die Strasse war wie auf dem Video, von dem ich am Anfang berichtet habe. Spiegelglatt. Keine Rille. Keine Erhebung. Keine Aufrauhung. Nichts. Nur ein einziger glatter, rutschiger, eisiger Spiegel. Das Licht der Lampen wurde wunderbar reflektiert und wäre ich nicht im Auto gesessen, ich hätte gern ein Foto gemacht.
Es hat viel geschneit gehabt und es war kalt. Bis dann am Mittwoch Nacht aus der eisigen Kälte plötzlich Plusgrade wurden. Man muss wissen, dass diese Temperaturveränderung auf sich selber überlassenen Strassen zu Eisbildung führt. Das weiss man als ÖsterreicherIn vielleicht nicht, weil man aufgrund des Strassendienstes dort kaum einmal mit diesem Phänomen konfrontiert wird. Dieses Eis aber auf den hiesigen Strassen gehört zum finnischen Winter wie die Dunkelheit und der Glögg.
Auf der Hinfahrt fühlte ich mich einigermassen ruhig und sicher. Es brauchte eine grosse Portion Konzentration, aber das kann man ja ruhig aufbringen, wenn man mit dem Auto fährt.
Meine Deutschstunde war um - "Man hört Gerüchte, du seist aus Österreich. Stimmt das?", so einer meiner Schüler zur Begrüssung - und ich freute mich, diese grosse helle Stadt verlassen und wieder heim zu meinen 2 Männern fahren zu können.
Alles ging gut, bis ich von der grossen Strasse, die fast bis zum Nordkap führt, abbog und die letzten 12 km in Angriff nahm. An der Kreuzung noch empfing mich dieser schmale Weg mit einer Eisesglätte, dass ich echt überrascht war. Aber es war gut machbar. Es gab viele aufgerauhte Stellen (hier in Finnland gibt es Eisaufrauhmaschinen, welche anstatt von Salzstreumaschinen eingesetzt werden...) und mancherorts lag gar ein bisschen Schnee herum. Ich hantelte mich mit meinem Auto also von einer griffigen Stelle zur nächsten und kam gut voran.
Ich erreichte die Brücke die unsere Insel mit dem Festland verbindet. Sie ist gesäumt von orange leuchtenden Strassenlaternen. Und was ich da sah, war Respekt einflössend. Die Strasse war wie auf dem Video, von dem ich am Anfang berichtet habe. Spiegelglatt. Keine Rille. Keine Erhebung. Keine Aufrauhung. Nichts. Nur ein einziger glatter, rutschiger, eisiger Spiegel. Das Licht der Lampen wurde wunderbar reflektiert und wäre ich nicht im Auto gesessen, ich hätte gern ein Foto gemacht.
So aber - ok. Noch weiter runter vom Gas. Kurzer Kontrollblick: zum Glück kein anderes Auto, weder vorne noch hinten. Hab gerade die leichte Kurve hin zur Brücke, welche zuerst leicht ansteigt, bevor man den Gipfel erreicht und dann schwach abfällt und lange und langsam in einer Kurve ausgleitet, bis man das andere Ende erreicht hat, hinter mich gebracht, als mein Auto auch schon Lust auf Eislaufen bekam. Ich war sofort auf der anderen Strassenseite. Die Schutzplanken auf beiden Seiten haben mich nur bedingt beruhigt. Vorsichtiges Gegenlenken. Ok. Zumindest hat die Schnauze des Autos wieder nach vorne gezeigt und ich versuchte mit viel Bedacht und äusserster Konzentration das Auto in der Mitte der Strasse zu halten. Bald, auf dem Gipfel der Brücke, war für ein paar Meter das Eis weg und ich hatte wieder Asphalt unter den Rädern. Ich schaute runter. Sah nur zugeschneites Eis. Und wusste, dass es darunter Wasser gibt. Viel Wasser.
Ok. Weiter.
Wieder dasselbe Spiel. Anstatt Routine überkam mich nun leise Panik. Ich musste mir eingestehen, das Auto war völlig ausserhalb meiner Kontrolle. Es fuhr, wie es wollte. Schlitterte mal in diese, mal in jene Richtung. Und meine linkischen Versuche, dem entgegenzuwirken, wurde kaum bis gar nicht beachtet.
Ich hatte Glück. Ich schaffte es irgendwie, die letzte Kurve zu kriegen und erreichte unbeschadet und Herz klopfend die andere Seite .
Ich atmete auf. Wie die Herde Gazelle, die nach einem Angriff eines Löwen, der das schwächste Tier sich nimmt, sich schüttelt und einfach weitermacht in seinem Leben, so habe ich geschnauft, die Musik lauter gedreht und bin heimgefahren.
Alles war in Ordnung.
Und es wart Nacht.
Und es wart Tag.
Und das Leben will weiter gelebt werden.
Wunderbar!
Und so lustig das jetzt vielleicht auch klingen mag, man fragt sich, was mit diesem Land eigentlich los ist. Kleinere Schulen und Kindergärten werden zugesperrt und die Kinder gezwungen, 30 und mehr Kilometer, also 1 Stunden (eine Strecke!), am Tag mit dem Bus zu fahren, eine Frau mit Behinderung bekommt laut einem Zeitungsartikel nur mehr 2 Windeln am Tag statt wie früher 6 bezahlt, die Strassen sind in einem inakzeptablen und lebensgefährlichen Zustand, eine alte Frau steht mit ihrem ausgestöpselten Festnetztelefon im Telefonshop und weint, weil sie es ihr einfach abgedreht haben - Modernisierungsmassnahmen - und ein Handy aber dort, wo sie wohnt, keinen Empfang hat, und, und, und. Alles wird stets mit Einsparungsmassnahmen begründet.
Finnland gilt als eines der reichsten, sichersten, sozialsten, innovativsten Länder überhaupt.
Wohin fliesst eigentlich das Geld???
Und so lustig das jetzt vielleicht auch klingen mag, man fragt sich, was mit diesem Land eigentlich los ist. Kleinere Schulen und Kindergärten werden zugesperrt und die Kinder gezwungen, 30 und mehr Kilometer, also 1 Stunden (eine Strecke!), am Tag mit dem Bus zu fahren, eine Frau mit Behinderung bekommt laut einem Zeitungsartikel nur mehr 2 Windeln am Tag statt wie früher 6 bezahlt, die Strassen sind in einem inakzeptablen und lebensgefährlichen Zustand, eine alte Frau steht mit ihrem ausgestöpselten Festnetztelefon im Telefonshop und weint, weil sie es ihr einfach abgedreht haben - Modernisierungsmassnahmen - und ein Handy aber dort, wo sie wohnt, keinen Empfang hat, und, und, und. Alles wird stets mit Einsparungsmassnahmen begründet.
Finnland gilt als eines der reichsten, sichersten, sozialsten, innovativsten Länder überhaupt.
Wohin fliesst eigentlich das Geld???
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
d'Birgit
| Bild vom Samstag - alles wieder gut. |
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