Samstag, 3. Februar 2018

04.02.18 - Du bist ein Wunder


Mutterschaft verändert das Leben. Alles. Und nichts, wirklich gar nichts bleibt davon unberührt.

Seitdem ich Mutter bin, sehe ich sogar Filme mit anderen Augen. Habe ich bis vor mehr als 2 Jahren mich noch mit dem Helden einer Geschichte identifiziert und diese aus seinem Blickwinkel aus miterlebt, so ist es jetzt immer die Mutter und ihre Perspektive, die mich die gesamte Geschichte durchleben lässt. Jemand wagt etwas und scheitert? Ich sehe diesen Jemand mit den Augen seiner Mutter. Und leide, wie nur eine Mutter leiden kann. 

Ich war im Kino. Das geschah die letzten Jahre nicht sehr oft, deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut. Nicht zuletzt auch, weil Julia Roberts mitgespielt hat. Sie war als Schauspielerin total angesagt, als ich jung und in der "Kinophase" war, wenn man das so sagen will. Ich versprach mir von diesem Film also nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Abtriften in längst vergangene Zeiten. 

Wonder. So hiess der Film.
Ein Junge mit entstelltem Gesicht kommt nach jahrelangem Hausunterricht in die Schule und versucht dort, seine Rolle in der Schule und somit in der Gesellschaft zu finden. 
Mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen. Und wenn ich sage, dieser Film wurde in Hollywood gedreht, dann weiss man auch bereits um den Schluss Bescheid.

Ich habe geweint. Und geweint. Und geweint. 
Sogar noch am nächsten Tag im Auto, auf dem Weg nach Hause von einem Arbeitstreffen, habe ich - geweint. Und geweint. Und geweint.

Der Film war nicht sonderlich dramatisch. Stattdessen hat er auf recht unaufgeregte Weise das gezeigt, was keinem erspart bleibt und was jeder auf irgendeine Weise bereits erlebt hat oder noch erleben wird. Die Suche nach seinem Platz im Leben. 
In meisterlicher Form zeigt er die Ungefiltertheit und Wucht von kindlichen Gefühlen in ihrer ganzen Bandbreite. Ich nenne hier "kindliche" Gefühle ganz bewusst. Denn ich glaube, in keiner Phase des Lebens kommen die Gefühle so rein, so gewaltig daher als in der Kindheit.

Ich habe geweint um und mit diesem kleinen Buben, der manchmal vor Verzweiflung fast vergeht und dann wieder vor Freude durch das ganze Universum springt.
Ich habe geweint um meinen Max, auf den ähnliches zukommen wird.
Ich habe geweint um die kleine Birgit, die auch einmal in der Schule war.
Und ich habe geweint um alle Kinder, die das alles noch vor sich haben.

Ich schaue zu Max. Er ist draussen mit Kalle. Gerade weint er, weil der Pulka (eine Plastikrodel) umgefallen ist und er mit dem Kopf im Schnee gelandet ist. 

Manchmal will ein "Tut mir leid!" aus meinen Mund heraus, wenn ich mir denke, was wir ihm da eigentlich zumuten mit diesem Leben. 

Und dann quietscht er. Und dann lacht er. Und dann springt er vor Freude in die Luft. Und dann fällt er mir um den Hals und sagt: "Da Max håt de Mama soooo lieb!"
Und spätestens dann weiss ich: Na na, des passt schon so. 
Genau so.

Danke, liebe Julia Roberts. Dein fantastisches Schauspiel hat mich tatsächlich mit längst Vergangenem verbunden und Vergrabenes offengelegt.
Kino ist wunderbar! 

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit



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