Samstag, 17. Februar 2018

18.02.18 - Fasching auf Finnisch


Fasching in Finnland ist wunderbar!
Warum?
Weil man da rodeln geht. 
Man muss sich nicht einmal verkleiden. Man muss auch nicht besonders lustig sein. 
Aber rodeln, das muss man. 
Fast jedes Dorf hat seinen Rodlbichl und da pilgern sie dann alle hin in Scharen mit ihren Pulkas, der finnischen Plastikrodel, und stürzen sich wagemutig in die Tiefe. 

Auch wir natürlich.

Um ehrlich zu sein, wir waren die einzigen dort. 
Obwohl wir nun doch schon etliche Jahre hier wohnen, haben wir noch immer nicht herausgefunden, wann man denn da rodeln gehen muss.
Aber macht ja nichts.
So haben wir den ganzen Bichl für uns gehabt.
Und es war genial!!!

Max entwickelt langsam ein Draufgängertum sondersgleichen, ist da runtergerauscht wie nix, ist wieder raufgekraxelt wie nix, und runter, und rauf - er hat überhaupt nicht genug bekommen können.

Huiiii, wie der Max schnell ist!!!

Ich bin auch runter. 
Und hab so gebremst, dass ich, als ich endlich unten war, von oben bis unten mit Schnee eingedeckt war. Hab schon lange nicht mehr Schnee im Gesicht gehabt. Herrlich!

Doch das ist Vergangenheit. Die Fastenzeit ist angebrochen. Und man sollte sich zurücknehmen. Man sollte fasten, also verzichten. Man sollte leiden. Sich etwas auferlegen. Vielleicht ist gar schon der Gedanke an Spass eine Sünde. Wer weiss das schon so genau. Zum Glück gibt es einige kompetente Herren, ihres Zeichens Bischöfe, die darüber Auskunft verleihen können. Und es macht keinen grossen Unterschied, ob die nun katholisch oder evangelisch, österreichisch oder finnisch sind. Aus Österreich hört man, dass das Segnen von Homosexualität sehr wohl gleichgesetzt werden kann (muss? soll?) mit einer Segnung eines KZs, in Finnland hört man, dass Kondome schlecht für Jugendliche sind und Sex vor der Ehe sowieso Sünde ist, also nicht stattfinden darf. Punkt. 
Pffff. Wäre ich Gott, wäre ich ganz schön erstaunt (genervt, entrüstet, sauer, gelassen, verwundert,...) über diese Auswüchse.
Aber - bin ich ja nicht.

Und ich darf mich wieder der Freude widmen.

Ich war die letzten paar Tage krank. Fieber, Husten, Schmerzen. In unserer Zeit des perfekten Funktionierens hat Kranksein keinen Platz und wird bekämpft mit allen Mitteln. Wer aber weiss, wie wunderbar die Erfahrung ist, krank sein zu dürfen, weiss, was ich damit meine, wenn ich das sage. Ich muss keine Medikamente nehmen, um das Fieber zu senken, ich muss mich nicht für jedes Husten entschuldigen oder versuchen, es zu unterdrücken. Es wird nicht einmal kommentiert. Stattdessen bekomme ich Zeit, soviel ich brauche, um zu liegen, um zu frieren, um zu schwitzen. Und ich bekomme liebevolle Zuwendung, so viel ich brauche. Und ich hab endlich Zeit, mich mit meinem Körper und seinen Botschaften auseinanderzusetzen. 

Im Zuge dessen habe ich einen wunderbaren Satz gelesen. Sinngemäss: Nur, wer ein starkes Selbstwertgefühl hat, kann glücklich sein (Virginia Satir). Und geschmeidig sich dem Leben stellen, möchte ich noch hinzufügen. 

Um noch einmal zum Fasching zurückzukommen: Wir sind dann heim und haben uns bei unserem Feuer mit heissem Tee und Fastlagsbullar aufgewärmt. Diese Fastlagsbullar, das ist nämlich das zweite Muss, wenns um Fasching in Finnland geht.

optisch schon ok

Manchmal würd ich gern richtige, also echte, gute Faschingskrapfen hierher importieren. Dann wäre mit diesen Fastlagsbullar, denen ich leider überhaupt nicht zugetan bin, glei amal Schluss...

Das werd ich aber nicht tun.
Wie käm ich denn auch dazu?!
Finnland ist genial, genau so wie es ist.
Und mein immer noch neues Leben noch viel mehr.

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit


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